Das renommierte VR-Studio Schell Games hat offiziell bestätigt, dass 49 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen. Das entspricht Firmenangaben zufolge etwa 40 Prozent des Personals. Auch bei Schell Games liegt der Grund für die Entlassungen in der angespannten Lage der Spielebranche. Nur so könne der Fortbestand der Firma langfristig gesichert werden. Die Entlassungen ziehen sich durch alle Bereiche der Firma. Betroffen sollen unter anderem Fachleute für die Spiele-Engines Unity und Unreal, Game-Design, Qualitätssicherung und Bildungsforschung sein.

Zweite Entlassungswelle

Nachdem vergangene Woche bereits Beiträge entlassener Mitarbeiter in den sozialen Medien aufgetaucht waren, veröffentlichte das Studio zum Wochenende eine offizielle Stellungnahme, in der es von einer „erheblichen Zahl“ Betroffener sprach. Das endgültige Ausmaß wurde erst durch einen Bericht des Branchenmagazins Vertical Slice bekannt.

Es ist bereits die zweite Entlassungswelle für Schell Games in diesem Jahr. Erst im August hatte das Studio erstmals in seiner fast 25-jährigen Firmengeschichte Stellen gestrichen. Damals mussten rund zehn Prozent der Belegschaft gehen. Danach beschäftigte das Studio laut Firmenchef Jesse Schell noch etwa 125 Menschen. Im Karriereabschnitt der eigenen Website wirbt Schell Games allerdings weiterhin damit, noch nie Personal entlassen zu haben.

Schell hielt Entlassungen lange für vermeidbar. Im Juli 2024 erklärte er GamesIndustry.biz, er riskiere lieber Kapital für eigene Spiele als Arbeitsplätze. Laut Schell würden eingespielte Teams über Jahre gemeinsames Wissen anhäufen, das sich nach einer Entlassung nur schwer ersetzen ließe. Mit einer Kombination aus eigenen Marken und Auftragsarbeiten wollte er mögliche Misserfolge abfedern.

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VR-Anteil sinkt deutlich

Schell sprach im August gegenüber Good Virtual Reality von einer strategischen Neuausrichtung. Statt an wenigen großen Spielen wolle das Studio künftig an mehr kleineren Projekten parallel arbeiten. Der Arbeitsanteil des Studios an reinen VR-Spielen sei von 80 auf 30 Prozent gesunken. Schell Games veröffentlichte in den vergangenen Jahren unter anderem Titel wie „I Expect You To Die 3“, „Silent Slayer: Vault of the Vampire“ und die Lizenzarbeit „Among Us VR“ samt späterer Desktop-Fassung „Among Us 3D“. Das von Meta in Auftrag gegebene Mixed-Reality-Rätselspiel „Dragon Grove“ soll weiterhin im Frühjahr 2027 erscheinen.

Schell Games reiht sich damit in einen klar zu erkennenden Negativtrend ein. Seit Metas Kurswechsel in der VR-Spiele-Förderung und der Schließung der eigenen VR-Studios Sanzaru Games, Twisted Pixel und Armature kommt es immer wieder zu neuen Kündigungs- und Schließungsmeldungen in der Branche. Das britische Traditionsstudio nDreams machte zwei Studios dicht, „Moss“-Entwickler Polyarc gab im September nach vorherigen Entlassungen ganz auf. Lucas Martell, Gründer von Mighty Coconut und Entwickler des VR-Evergreens „Walkabout Mini Golf VR“, beklagte Ende September, als er den Abbau von zehn Stellen ankündigte, einen zu geringen Zustrom neuer VR-Kundschaft.

(joe)

Source: Heise · Josef Erl

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