Zugunglück südlich von Madrid 69 Tote – Suche nach Opfern und Unfallursache
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- Bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge starben mindestens 69 Menschen, über 100 wurden verletzt.
- Verkehrsminister Puente vermutet menschliches Versagen in der Leitstelle nach einem Computerausfall.
- Ministerpräsident Sánchez verspricht Aufklärung – es ist das zweite schwere Unglück binnen neun Monaten.
Die Einsatzkräfte in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, haben die gesamte Nacht hindurch gearbeitet. Mit schwerem Gerät und drei Kränen versuchten Bergungsteams, die zerstörten Waggons der Hochgeschwindigkeitszüge anzuheben. Laut dem Präsidenten der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, wurde dabei eine weitere Leiche gefunden. Die Opferzahl steigt somit auf 69. Er äusserte aber die Hoffnung, dass keine weiteren Todesopfer gefunden werden: «Man kann vorsichtig optimistisch sein», sagte er vor Journalisten.
Auch bei den Schwerverletzten gibt es laut García-Page erste gute Nachrichten. Bei vier der insgesamt 15 Patienten, die ursprünglich in die höchste Dringlichkeitsstufe «Rot» eingestuft wurden, gebe es eine positive Entwicklung. Nach jüngsten Angaben der Regionalregierung werden 53 Verletzte weiterhin in Spitälern in Kastilien-La Mancha behandelt, weitere 98 in Madrid.
Erste Erkenntnisse deuten auf schwerwiegendes Fehlverhalten hin. Verkehrsminister Óscar Puente sprach von einer «unerklärlichen» und falschen Entscheidung der zentralen Bahnleitstelle.
Zuvor war auf einem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt das automatische Zugsicherungssystem LZB infolge eines Rechnerausfalls ausgefallen, woraufhin alle Züge vorschriftsgemäss stoppten. Der Iryo-Zug stand bei Urda, während sich der Renfe-Zug rund 25 Kilometer dahinter befand. Obwohl weiterhin ein Haltesignal aktiv war, soll die Leitstelle dem hinteren Zug die Freigabe zur Weiterfahrt erteilt haben – und das ohne Tempobeschränkung.
- Ein Zug der staatlichen Gesellschaft Renfe fuhr auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo auf.
- Mehrere Waggons stürzten einen Bahndamm hinab. Insgesamt befanden sich mehr als 540 Passagiere auf der Fahrt von Madrid nach Andalusien in den Zügen.
- Mindestens 69 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Dutzende Personen werden weiter stationär behandelt, einige davon in kritischem Zustand.
- In Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla wurden DNA-Proben entnommen, um die Identifizierung der Opfer zu ermöglichen.
Wenige Minuten später prallte der Renfe-Zug auf das stehende Hindernis. Die Unfallkommission AITAT betonte jedoch, es sei noch zu früh für abschliessende Feststellungen.
Sánchez sichert Betroffenen Unterstützung zu
Während die Rettungsarbeiten weitergehen, arbeiten die Behörden auch an der Identifizierung der Opfer. Diese folgten einem «sehr strengen Protokoll», betonte García-Page. Bisher sind die Namen von nur zwei der Todesopfer offiziell bekannt geworden. Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte den Betroffenen und ihren Angehörigen die Unterstützung des Staates zu. «Der gesamte Staat steht angesichts dieser Tragödie zusammen», sagte er nach einer Sitzung des Krisenstabs.
Die Behörden konzentrierten sich auf drei Aufgaben: die Rettung und Versorgung der Opfer sowie ihre Identifizierung, die Aufklärung der Unfallursache und eine materielle Entschädigung der betroffenen Familien.
Trauer und politische Spannungen
Ministerpräsident Pedro Sánchez rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Das Ereignis trifft die Regierung hart: Bereits im Januar waren bei Adamuz in Andalusien 46 Menschen bei einer Zugkollision gestorben. Einen Monat vor den vorgezogenen Parlamentswahlen gerät Sánchez unter massiven Druck der Opposition.
Während die Lokführergewerkschaft Semaf wegen Sicherheitsmängeln an angekündigten Streiks festhält, legten die Bürger in ganz Spanien am Abend eine Schweigeminute ein. In Madrid kam es am Rande von Protesten vor dem Verkehrsministerium zu Zusammenstössen mit der Polizei. Die Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla bleibt vorerst gesperrt.
HeuteMorgen, 29.10.2026, 6 Uhr ; Agenturen/schh;weds;stol;weds
Source: SRF · 29.10.2026, 12:51
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