Welche Auswirkungen hat der Wahlsieg der Demokraten in den USA auf die EU-Debatte in der Schweiz? Die Wirtschaftsverbände haben eine klare Haltung

Das Vertrauen der Schweizer Wirtschaft in die USA hat unter Trump massiv gelitten. Das dürfte sich auch nach der Niederlage der Republikaner in den Zwischenwahlen kaum ändern. Das ist auch für die EU-Debatte von Bedeutung.

06.11.2026, 05.30 Uhr

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Die Schweizer Wirtschaft hat ein Interesse an guten Beziehungen zu den USA wie auch zur EU.

Die Schweizer Wirtschaft hat ein Interesse an guten Beziehungen zu den USA wie auch zur EU.

Getty Images North America

Schon im Frühsommer hörte man ein Raunen unter jenen, die gegenüber den EU-Verträgen skeptisch eingestellt sind. Sollten im November die Demokraten die amerikanischen Zwischenwahlen wie erwartet gewinnen, werde das zu einer neuen Wahrnehmung des Verhältnisses zwischen der Schweiz und den USA führen. Die Hoffnung hinter dieser These: Mit einem Wahlsieg der Demokraten sänke die Dringlichkeit für die Schweiz, sich enger an die EU zu binden. Entsprechend sänke damit die Zustimmung zu den EU-Verträgen in der Bevölkerung.

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Die Wirtschaftsverbände Economiesuisse und Swissmem haben nicht nur ein grosses Interesse an guten Beziehungen zu den USA, sie gehören auch zu den gewichtigsten Fürsprechern des neuen Vertragspakets mit der EU. Momentan sind die Beziehungen zu Washington belastet. Trumps erratische Zollpolitik schwächt die Schweizer Exportwirtschaft. Brüssel wiederum will den bilateralen Weg nur weiterführen, wenn die Schweiz für die Marktzugangsabkommen neue Spielregeln akzeptiert, wie es das neue Vertragspaket vorsieht.

Ein Weckruf

Rudolf Minsch, der Chefökonom von Economiesuisse, rechnet nicht mit einem baldigen Stimmungswandel, was das Verhältnis der Schweiz zu den USA angeht. «Wir gehen davon aus, dass die Unsicherheit anhält.» An den protektionistischen Tendenzen der USA werde sich nichts ändern. «Sowohl die Demokraten wie auch die Republikaner wollen die eigene Industrie stärken.» Entsprechend werde sich auch die Schweizer Sicht auf die EU nicht ändern.

Indes wäre auch eine Verbesserung des Verhältnisses aus Sicht von Minsch kein Grund für einen Kurswechsel. Die Entwicklung in den USA sei ein Weckruf gewesen. Trump und seine Zollpolitik hätten deutlich gemacht, wie rasch sich ein Verhältnis ändern könne. Das gelte es mit Blick auf die EU zu bedenken. «Man sollte seine wichtigsten Handelspartner nicht vergraulen.»

Für Minsch gilt deshalb: das eine tun und das andere nicht lassen. Zusammengefasst hat Economiesuisse diese Haltung zuletzt in einem Positionspapier im Juli. «Natürlich braucht die Exportnation Schweiz bestmögliche Beziehungen und Freihandelsabkommen mit asiatischen Ländern, den USA oder den Mercosur-Staaten. Wer aber behauptet, dass die Schweiz mit verbesserten Handelsbeziehungen zu diesen Staaten einen Wegfall der bilateralen Abkommen mit der EU kompensieren könnte, verkennt die Realität.» Die Schweiz sei aufgrund ihrer geografischen Lage umgeben von EU-Staaten und habe deshalb «ein grosses Eigeninteresse, mit der EU in für uns relevanten Bereichen eng zusammenzuarbeiten».

Swissmem bleibt zurückhaltend

Der Industrieverband Swissmem gibt keine Prognose zum künftigen Verhältnis zu den USA ab. Auf Anfrage zeigt sich der Verband zwar verhalten positiv: «Für die Tech-Industrie sind Stabilität und Vorhersehbarkeit in wichtigen Absatzmärkten wie den USA zentral. Positiv ist, dass die US-Wahlen entgegen gewissen Befürchtungen ohne bedeutende Zwischenfälle verliefen. Das spricht für die Stärke der amerikanischen Demokratie.»

Darüber hinaus bleibt Swissmem zurückhaltend. Der Präsident habe im US-System weitgehende Kompetenzen und Protektionismus in der Handelspolitik sei in beiden Parteien stark verankert, sagt Noé Blancpain, Leiter Kommunikation und Public Affairs. Wie sich die Verschiebung der Mehrheiten im Kongress politisch auf die Aussenwirtschaftspolitik auswirke, sei deshalb noch nicht absehbar. Wahrscheinlich sei aber, dass Protektionismus und Handelskonflikte weltweit an der Tagesordnung blieben. Entsprechend blieben stabile Verhältnisse zur EU als mit Abstand grösstem Handelspartner der Tech-Industrie unabdingbar.

Blancpain verweist zudem auf eine im August von Swissmem veröffentlichte Umfrage zum Vertrauen der Schweizer Industrie in die Wirtschafts- und Geopolitik der EU, der USA und Chinas. Der Befund ist deutlich: Mit Abstand am besten schneidet im Vergleich die EU ab. 31 Prozent der befragten Firmen haben ein hohes bis sehr hohes Vertrauen in die EU, 33 Prozent stufen es als gering ein.

Auf Rang zwei folgt China mit 19 Prozent hohem gegenüber 45 Prozent geringem Vertrauen. Die USA lagen abgeschlagen auf dem letzten Platz. Lediglich 5 Prozent der Firmen bringen dem Land noch Vertrauen entgegen, während 84 Prozent wenig oder kaum mehr Vertrauen haben. Daran dürfte sich auch nach dem Wahlsieg der Demokraten nicht so rasch etwas ändern. Es braucht bekanntlich nicht lange, um Vertrauen zu zerstören – aber Jahre, um es wieder aufzubauen.

Source: Neue Zürcher Zeitung · Andri Rostetter

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