Wahlversprechen von Magyar Ungarn macht erstmals Stasi-Akten umfassend zugänglich

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  • In Ungarn kann erstmals seit dem Ende des Kommunismus jeder und jede die Akten des früheren Geheimdienstes einsehen.
  • Das hat Ministerpräsident Peter Magyar angekündigt. Die Öffnung der Akten war eines seiner zentralen Wahlversprechen.
  • Die Unterlagen sind über die Internetseite des zuständigen Archivs öffentlich zugänglich.

Erstmals seit der demokratischen Wende macht Ungarn Akten der kommunistischen Staatssicherheit umfassend zugänglich. «Mit 36 Jahren Verspätung tun wir das, was keine einzige andere Partei seit der Wende getan hat», sagte Ministerpräsident Peter Magyar auf einer Pressekonferenz im Historischen Archiv der Staatssicherheitsdienste (ABTL), das den Grossteil der noch erhaltenen Stasi-Akten aufbewahrt. Über die Webseite des Archivs kann nun jeder Einsicht in das Material nehmen.

Zentrales Wahlversprechen von Magyar

Magyar regiert seit Mai dieses Jahres in Ungarn, nachdem seine bürgerliche Tisza-Partei die Parlamentswahl im Monat zuvor gegen die Fidesz-Partei des Rechtspopulisten Viktor Orbán klar gewonnen hatte. Die Öffnung des Stasi-Akten-Archivs für die Allgemeinheit war eines seiner zentralen Wahlversprechen. Die Spitzel-Netze der kommunistischen Geheimdienste hätten alle Lebensbereiche durchdrungen und seien auch in Fabriken, Kirchen und Familien präsent gewesen, sagte Magyar in seiner Ansprache im Archiv.

Legende: Ministerpräsident Peter Magyar auf einer Pressekonferenz im Historischen Archiv der Staatssicherheitsdienste (ABTL). REUTERS/Bernadett Szabo

Nach Angaben des Archivdirektors Gergö Bendeguz Cseh speichert das Archiv die Namen von rund 55'000 Menschen, an die die ungarische Stasi herantrat. Etwa 10'000 von ihnen könnten heute noch am Leben sein. Auf den jetzt veröffentlichten Registrierkarten für inoffizielle Mitarbeiter ist vermerkt, wie lange der oder die Betreffende von dem Geheimdienst als Spitzel geführt wurde oder aber auch, dass er oder sie die Zusammenarbeit verweigerte.

Prominente Spitzel schon länger bekannt

Das veröffentlichte Material ist nicht vollständig. So sollen die Anwerbungs- und Personalakten erst im kommenden Februar veröffentlicht werden. Ausserdem sind die dem Stasiakten-Archiv übergebenen Akten unvollständig, weil viele Akten noch in der Zeit des Kommunismus oder in der Wendezeit vernichtet wurden.

Grosse Überraschungen für die Öffentlichkeit dürfte das nun zugängliche Material aber nicht bieten. Historiker, Forscher, Journalisten und Opfer von Bespitzelungen konnten schon gezielt nach Akten suchen. So ist etwa schon seit 2006 bekannt, dass der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Istvan Szabo («Mephisto», 1981) in seinen jungen Jahren für den Geheimdienst tätig war. Auch die Spitzeltätigkeit etlicher Politiker der Nach-Wende-Zeit wurde durch derartige Enthüllungen aufgedeckt.

Neu ist hingegen, dass nunmehr jeder das freigegebene Material des Archivs online durchforsten kann. Damit könnten beispielsweise die einstigen Spitzelaktivitäten von Arbeitskollegen, Freunden und Angehörigen ans Tageslicht geraten.

Info drei, 04.11.2026, 17 Uhr ;  dpa/stol;schc;noes

Source: SRF · 04.11.2026, 17:15

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