Hannes Niederkofler

Sieben Schweizer Hotels machen es leicht, den ganzen Tag drinnen zu bleiben und nichts zu vermissen.

Claus Schweitzer06.11.2026, 05.30 Uhr

10 Leseminuten


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Überwintern statt abfahren
– «Maison Hornberg», Saanenmöser BE –

Die «Maison Hornberg» besteht aus mehreren miteinander verbundenen Chalets in einem grossen Garten. Ist man einmal drinnen, will man kaum mehr wieder weg.

Die «Maison Hornberg» besteht aus mehreren miteinander verbundenen Chalets in einem grossen Garten. Ist man einmal drinnen, will man kaum mehr wieder weg.

Hannes Niederkofler

Wer sagt, dass man in Wintersportgebieten unbedingt auf die Piste muss? Manchmal liegt das Glück in den Bergen gerade darin, nirgendwohin zu müssen und den Tag einfach verstreichen zu lassen. Keine rasanten Abfahrten, keine Bergbahn-Betriebsamkeit, kein Après-Schischi. Stattdessen wacht man in einem Zimmer auf, wo filigrane Scherenschnittkunst und warmes Holz eine Geborgenheit ausstrahlen, die einen wie eine Decke warm umhüllt. In der Kamin-Lounge beobachtet man mit einer Tasse Tee das Wetter, statt es fröstelnd durch die Skibrille zu ertragen. Am frühen Nachmittag wartet die Sauna, und danach vielleicht eine Körperbehandlung bei einer Therapeutin, die weiss, wie sich ein Nacken lockern lässt, der sich seit September über einen Laptop krümmt.

Nur elf Bahnminuten von Gstaad entfernt und doch in einer anderen Welt, ist die «Maison Hornberg» ein Refugium für bewusstes Nichtstun. Das freistehende Chalet-Ensemble liegt in einem grossen Garten am Waldrand und bietet drinnen wie draussen so viel Raum und Abwechslung, dass man das Gelände kaum verlassen muss. Jeder findet sein Lieblingsplätzchen und kann mehrmals am Tag die Perspektive wechseln. Gegenüber dem Sauna-Eingang etwa verbirgt sich der wohl schönste Fitnessraum im Saanenland: mit 15 holzverkleideten Trainingsgeräten, darunter ein motorloses Laufband aus Nussbaum und ein Rudergerät mit Wasserantrieb. Selbst Gym-Muffel schauen hier gerne vorbei.

Im «Chalet toi-même», dem zweistöckigen Rückzugsort am Gartenrand, ist Loslassen einfach. Die untere Etage ist Wellness-Gästen im Bademantel vorbehalten, während der obere Bereich mit bequemen Sesseln und knisterndem Kamin als Leseraum für Gäste in Tageskleidung dient.

Auch auf der Sonnenterrasse des Restaurants oder in der Outdoor-Lounge neben dem «Fondue-Hüttli» könnte man stundenlang verweilen. Mit Blick auf Rüeblihorn und Gummfluh sitzt man windgeschützt an der Sonne, ohne dass es zieht. Eine Besonderheit ist der kleine Naturbadesee im Garten. Im Winter ist hier Eisbaden angesagt.

Im «Chalet toi-même», das im unteren Stock als Ruheraum für Wellnessgäste dient, blickt man durch grosse Fenster in den verschneiten Garten.

Im «Chalet toi-même», das im unteren Stock als Ruheraum für Wellnessgäste dient, blickt man durch grosse Fenster in den verschneiten Garten.

www.hornberg.swiss, DZ ab 310 Fr. inkl. Frühstück.
Wintersaison ab 22. November 2026.

Abschalten statt einchecken
– «The Brecon», Adelboden BE –

Liegestühle mit Wolldecken und eine Feuerschale stehen auf der Terrasse. Dahinter erheben sich die Berge über Adelboden.

Liegestühle mit Wolldecken und eine Feuerschale stehen auf der Terrasse. Dahinter erheben sich die Berge über Adelboden.

Michael Sinclair

Das Holzhaus am Ende der Dorfstrasse, 1914 als Hotel Waldhaus gebaut, gleicht aussen den Chalets ringsum. Doch wer durch die Drehtür von «The Brecon» tritt, merkt schnell: Das ist kein gewöhnliches Hotel. Es gibt keinen Empfangstresen, kein hektisches Kommen und Gehen, kein eigens kreiertes Raumparfum. Stattdessen duftet es nach Kaffee und frisch gebackenem Kuchen. Ab drei Uhr nachmittags steht ein hübsch angerichtetes Tea-Time-Buffet bereit. Noch bevor man sein Zimmer bezieht, ist man eingeladen, erst einmal in Ruhe anzukommen und in einem der Sofabereiche Platz zu nehmen.

Wohnräume, Bar und Restaurant gehen in dem vor zwei Jahren eröffneten Hotel fliessend ineinander über. Unregelmässig behauene Steinplatten, Cognac-farbenes Leder, dunkles Holz, Sessel aus Bouclé-Stoff, Mid-Century-Lampen und Wolldecken prägen das Interieur. Die Möbel und Objekte scheinen eher über Jahre zusammengetragen als aus einer Hand bestellt worden zu sein. Abstrakte Kunst hängt neben nostalgischen Tourismusplakaten mit kitschigen Ski-Motiven. Auf den Lounge-Tischen stapeln sich Bildbände, etwa über Landkarten, die die Welt veränderten, und Ausstellungskataloge des MoMA, darunter einer des Fotografen Edward Steichen.

Die Küche, die sich tagsüber mit Schiebewänden schliessen lässt, gibt abends den Blick auf ihr Inneres frei. Flink richten Hände eine Tomaten-Bruschetta an, Pfannen und Töpfe klappern, ein Kalbskotelett zischt in heisser Butter.

Grant Maunder, der walisische Mitbesitzer, beauftragte das Amsterdamer Designstudio Nicemakers damit, alles zu vermeiden, was nach Hotel aussieht, auch in den 22 Zimmern: Das Keramikgeschirr der Minibar wurde eigens von Hand gefertigt, auf TV-Bildschirme und andere technische Gadgets wird bewusst verzichtet. Statt glatt gebügelter Hotelbettwäsche laden leicht zerknitterte Decken und griffige Kissen aus locker gewebter Baumwolle zum Einnisten ein. In den meisten Zimmern scheint von morgens bis nachmittags die Sonne. Durch die Fenster schweift der Blick auf Wildstrubel, Tierhörnli und Lohner-Massiv.

Die maximal 44 Gäste – das Haus ist für «Adults only» – sollen sich fühlen wie bei Freunden, die alles vorbereitet haben, aber gerade nicht da sind. Das für die Schweiz ungewöhnliche All-inclusive-Konzept lässt den Übernachtungspreis ambitioniert erscheinen. Doch sind hier alle Speisen und Getränke, auch alkoholische, im Preis enthalten. Wer hier logiert, kann abschalten.

In den Wohnräumen und den meisten Zimmern scheint von morgens bis nachmittags die Sonne. Durch die Fenster schweift der Blick auf Dreitausender.

In den Wohnräumen und den meisten Zimmern scheint von morgens bis nachmittags die Sonne. Durch die Fenster schweift der Blick auf Dreitausender.

Michael Sinclair

www.thebrecon.com, DZ ab 608 Fr. inkl. Abendessen, Afternoon Tea und aller Getränke.
Im November 2026 durchgehend geöffnet.

Beleben statt stilllegen
– Hotel Walther, Pontresina GR –

Türmchen im Schneegestöber. Hinter den Fenstern brennt warmes Licht.

Türmchen im Schneegestöber. Hinter den Fenstern brennt warmes Licht.

PD

Erstmals in der 119-jährigen Geschichte des Familienbetriebs bleibt das Hotel im Herbst ohne Unterbruch bis zum Beginn der Wintersaison geöffnet. Damit folgt es dem Beispiel weiterer Häuser in Pontresina, etwa des «Kronenhofs» und des «Maistra 160». Die Entwicklung macht deutlich: Der besondere Reiz des Engadins im Spätherbst ist keine Erfindung des Tourismusbüros. Die Off-Season gewinnt auch in den Alpen an Bedeutung.

Draussen locken Wanderwege in klarer Höhenluft, stille Momente im Val Roseg und die letzten goldgelb leuchtenden Lärchentage. Drinnen wird es im Hotel Walther spätestens mit den ersten Schneeflocken richtig behaglich: im Spa, das einen Nachmittag in eine Auszeit verwandelt, in den vier Restaurants, darunter die mediterrane Trattoria mit der besten Lasagne im Tal, und in der Lobby. In der Lobby kommt das Haus zu jeder Tageszeit zusammen. Ihren besonderen Charme entfaltet sie am mittleren Nachmittag. Dann fallen die letzten winterlichen Sonnenstrahlen durch die riesigen Fensterfronten, das Kuchenbuffet winkt, und der Pianist greift in die Tasten.

Die aus Graubünden stammende Innendesignerin Virginia Maissen hat in das Erdgeschoss und in einige der 70 Zimmer eine spielerische Komponente eingebracht. Mit Freude am gestalterischen Mix verbindet sie Alt und Neu, Heiterkeit und Extravaganz. Besonders eindrücklich zeigt sich dies in der Lobby: Hier trifft die klassische Jugendstilarchitektur auf opulente Stoffmuster, satte Grüntöne, eigens entworfene Sessel und Vintage-Fundstücke.

In der benachbarten Hotelbar legte Maissen noch eins drauf und ergänzte ihr lebhaftes Spiel mit Farben, Formen und Materialien um eine Lichtinstallation von Rolf Sachs, gefertigt aus ausrangierten Milchkübeln.

Die Öffnung des Hotels im Spätherbst schuf die Gelegenheit, ein neues Kulturangebot auf die Beine zu stellen: die Konzertreihe «Walther Unplugged», kuratiert vom «Amt für Ideen» um Christian Jott Jenny, das auch das sommerliche «Festival da Jazz» organisiert. An jedem Freitag und Samstag im November sowie am ersten Donnerstag und Freitag im Dezember wird die Bar jeweils um 21 Uhr 15 zur Bühne für intime Konzerte.

Direkt nebenan steht das Dreisternehotel Steinbock, ebenfalls in Familienhand: eine charmante, preisgünstigere Alternative mit vollem Zugang zu allen Einrichtungen des «Walther».

Die Lobby des «Walther» verbindet Jugendstil mit Sofas in satten Grüntönen. Am Nachmittag spielt hier der Pianist.

Die Lobby des «Walther» verbindet Jugendstil mit Sofas in satten Grüntönen. Am Nachmittag spielt hier der Pianist.

PD

www.hotelwalther.ch, DZ ab 275 Fr. inkl. Frühstück.
Im November 2026 durchgehend geöffnet.

www.hotelsteinbock.ch, DZ ab 180 Fr. inkl. Frühstück.
Wintersaison ab 11. Dezember 2026.

Einfühlen statt Amt für Ideen
– «Capra», Saas-Fee VS –

Die Zimmer des «Capra» sind schlicht und wohnlich. Hier schläft man in Holz gebettet.

Mattia Aquila

Saas-Fee ist autofrei. Deshalb werden die Gäste dieses kleinen Luxushotels mit dem Elektromobil am Busterminal oder im Parkhaus abgeholt. In dieser Liga wäre das kaum erwähnenswert. Das Besondere: Bereits draussen beim Aussteigen werden die Ankommenden von einer Rezeptionistin erwartet und begrüsst.

Wer schon beim Ankommen verweilen möchte, geniesst das Ankunftsritual bei einem Cappuccino oder einem Glas Petite Arvine im wohnzimmerartigen Lobbybereich. Die Materialien spiegeln die Umgebung: Regionaler Stein rahmt den modern gestalteten Kamin, Lärchenholz aus dem Tal kleidet Decke und Wände. Wolle von Schafen, die im Sommer zum Ortsbild gehören, steckt in den Bezügen der beiden grossen Sofas. Durch die Fenster scheinen die Viertausender und der Allalin-Gletscher zum Greifen nah.

In der Bibliothek mit einem weiteren grossen Kamin laden mehrere hundert aktuelle Bestseller, Reisebücher und Gesundheitsratgeber zum Schmökern ein. Täglich finden Gruppenkurse in Yoga, Pilates oder Meditation statt. Im gegenüberliegenden «Fun Lab» wird es spielerischer: mit Tischfussball, Tischtennis und Spielen für Kinder wie Erwachsene.

Zwei junge Frauen prägen das 38-Zimmer-Haus mitten im Dorf: Phaedra Letrou, die das Hotel kürzlich von ihren Eltern übernommen hat, und Viktoria Schlegel, die den Betrieb führt. «Luxus sollte sich persönlich anfühlen, nicht performativ», sagt Letrou.

Wie das gelingt, zeigt sich bei einer einfachen Massage. Die Therapeutin erkennt, die Ursache der hartnäckigen Rückenschmerzen eher im Magen als im Rücken, und passt die Behandlung an. Oder sie weist darauf hin, dass eine bessere Körperhaltung jünger wirken lässt als jedes Beauty-Treatment.

Gepolsterte Liegen stehen in einer Reihe am Pool des «Capra». Stein und altes Holz geben dem Raum Ruhe.

Mattia Aquila

www.capra.ch, DZ ab 380 Fr. inkl. Frühstück.
Im November 2026 durchgehend geöffnet.

Nachtwandeln statt anstehen
– «7132 Hotel» und Therme, Vals GR –

Vor dem grossen Fenster der Therme stehen Liegen für die stillen Momente. Draussen dämmert es zwischen den Tannen.

Jeremy Mason McGraw

Hinter einer schmalen Öffnung im massiven Valser Quarzit der Therme des «7132 Hotel» liegt das «Feuerbad». In das 42 Grad heisse Wasser steigt man nicht einfach hinein. Man tastet sich Zentimeter für Zentimeter vor, bis sich der Körper an die Hitze gewöhnt hat. An Geschäftliches oder den Ärger mit dem Lebenspartner zu denken, ist dabei kaum möglich. Die Aufmerksamkeit gehört dem eigenen Körper und dem Augenblick.

Am besten wählt man dazu einen Sonntag, Mittwoch oder Freitag – und zwar spätabends zwischen 23 und 1 Uhr. Dann haben die Gäste des angeschlossenen Hotelresorts exklusiven Zugang zur Therme und können die mystische Welt aus Stein, Dampf, Licht und Schatten beinahe für sich allein erfahren. Wasser plätschert, tropft und hallt von den Wänden des rechtwinkligen Höhlenlabyrinths wider. Stimmen und Bewegungen aus den unterschiedlich temperierten Becken verlieren sich im Hall und verwandeln sich in geheimnisvolle Klänge. Der Dampf verwischt die Konturen, lässt die Architektur vorübergehend verschwinden. Nischen, Durchgänge und eine Folge unerwarteter Räume wecken den Entdeckergeist. Ein archaischer, zeitloser Ort, der auch nach dreissigjährigem Bestehen nichts von seiner Faszination eingebüsst hat.

Das Resort vereint das luxuriöse «7132 Hotel» mit dem schlichter gehaltenen «House of Architects». Wie sich auch auf kleinem Raum Grosses erreichen lässt, zeigen besonders die Zimmer der japanischen Architekten Tadao Ando und Kengo Kuma. Ando orientiert sich an der ruhigen, klaren Ästhetik traditioneller japanischer Teehäuser, während Kuma mit überlappenden Eichenholzpaneelen einen warmen, umhüllenden Kokon schafft. Die Zimmer von Thom Mayne und Peter Zumthor, dem Architekten der Therme, wirken dagegen expressiver und teilweise auch etwas überladen.

In diesem Zimmer des japanischen Architekten Kengo Kuma im «House of Architects» sind Boden, Wände und Decke aus Eichenholz. Weisse Vorhänge und Bettwäsche halten es leicht.

PD

www.7132.com, DZ ab 350 Fr. inkl. Frühstück.
Im November durchgehend geöffnet.

Herunterkommen statt einwintern
– «Bigatt», Lugano-Paradiso TI –

Das «Bigatt» liegt zwischen Weinreben oberhalb von Lugano. Unten breitet sich der See aus.

Jacques Perler

Wie die Côte d’Azur war das Tessin vor hundert Jahren ein beliebtes Winterreiseziel mit mildem Klima. Wochen- oder gar monatelang füllten sich die Hotels der «Schweizer Winterriviera». Auch heute lohnt sich ein Winterbesuch im Tessin. Wenn Hitze, Staus und Hochsaisonpreise wegfallen, gehören die Orte ein wenig mehr sich selbst.

Das Dreisternehotel entstand aus einem alten Landgut mit Obst- und Gemüsegärten, Weinberg und Olivenhain am Fuss des Monte San Salvatore. Nach aufwendiger Renovation öffnete es vor sechs Jahren. Die 24 Zimmer sind schlicht und geschmackvoll, einige liegen unter dem Dach und haben Schrägen. Wer 20 bis 30 Prozent mehr für ein Superior- oder De-luxe-Zimmer ausgibt, bekommt 29 oder 33 Quadratmeter und eine Sofaecke. Hier lässt sich der Morgen ohne Wecker vertrödeln, während der Blick bis zum Monte Brè schweift, dessen Lichter nachts fast bis zum Gipfel funkeln.

Die Sonne scheint häufiger als jenseits des Gotthards. Wenn es doch regnet, stehen ein rustikaler Salon, eine Bar und zwei freskenverzierte Sitzungsräume offen, sofern dort keine Besprechung stattfindet. Das Restaurant folgt konsequent dem saisonalen Angebot der Region, im Herbst mit Kürbis-Muffins mit geräuchertem Speck und Wildschweinravioli mit Rosmarin. Schon das Frühstücksbuffet macht gute Laune: Der Honig stammt von eigenen Bienen, Feigenkuchen und Konfitüren sind hausgemacht, Maggia-Brot und Eier schmecken, wie sie sollten.

Das «Bigatt» ist ein Non-Profit-Betrieb und Teil eines gemeinnützigen Projekts, das Menschen in schwierigen Lebenslagen neue berufliche Perspektiven eröffnet. Da kann schon einmal eine Bestellung vergessengehen oder eine Servicemitarbeiterin Mühe mit dem Korkenzieher haben. Das fällt jedoch kaum ins Gewicht angesichts der Freundlichkeit, die einem hier begegnet. Rund die Hälfte des Teams sind Fachkräfte, und der Direktor Lorenzo Steiger ist ein Maestro der Integration. Das soziale Engagement geht auf den verstorbenen Künstler Leo Crepaz zurück, den früheren Besitzer und Bewohner des Anwesens. Sein Wunsch war es, den Ort nach seinem Tod mit neuem Leben und Sinn zu erfüllen.

Im Restaurant des «Bigatt» steht das Schlichte, das liebevoll gemacht ist, im Mittelpunkt.

PD

www.hotelbigatt.com, DZ ab 140 Fr. inkl. Frühstück.

Ausspannen statt antreiben
– Hôtel Victoria, Glion-sur-Montreux VD –

Hoch über Montreux liegt das Hotel in seinem Garten. Der alte Baumbestand lädt zum Flanieren ein.

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Im «Victoria» abzusteigen, ist, als tauche man in einen Agatha-Christie-Roman ein. 350 Höhenmeter über Montreux bewohnt man ein Hoteljuwel, in dem guter alter Stil nie aus der Mode kam. In Hallen, Salons und Korridoren leuchtet die Belle Époque mit Jugendstilmöbeln, Deko-Objekten der Wiener Secession, Lüstern und goldgerahmten Spiegeln. Vom Gartensalon geht der Blick über den Privatpark mit stattlichen Buchen, Lärchen und Sequoias.

Ein Spaziergang entlang der Kieswege und vorbei an den Bänken ist selbst im Spätherbst ein Genuss, wenn eine sanfte Melancholie über der Waadtländer Riviera liegt.

In den 54 Zimmern in Pastelltönen knarren die Holzdielen. Jedes hat seinen eigenen Grundriss, die meisten verfügen über einen kleinen Balkon mit Seeblick. Zur Linken grüsst die gezackte Bergkette der Dents du Midi, gegenüber erhebt sich das Chablais-Massiv mit dem markanten Grammont, den Ferdinand Hodler oft gemalt hat, rechts breitet sich das Lavaux aus. Man kann noch so oft hinausschauen: Jedes Mal wird einem leicht ums Herz und ein wenig schwindelig vor Glück.

Zum Essen kurven auch viele lokale Bonvivants das Strässchen nach Glion hinauf. Sie schätzen die französische Küche, die ihr Handwerk versteht und ohne jedes Sterne-Künstlertum auskommt: ein formidabel zubereitetes Tournedos Rossini etwa oder der pochierte Seesaibling auf Gemüsejulienne mit Weisswein-Buttersauce.

Mit 27 Jahren ist dem Sohn des angesehenen Gastgeberpaars Toni und Barbara Mittermair die «Stabsübernahme» gelungen. Er ist im Hotel gross geworden und fragt sich täglich, wie sich gewachsene Gastlichkeit bewahren und behutsam weiterentwickeln lässt. An der Verheissung des Hauses hat sich nichts geändert: Es ist der Sprung in eine entschleunigte Welt, in der das gepflegte Nichtstun seinen festen Platz hat.

Parkettboden, warmes Licht und weisse Tischtücher. Das Restaurant des «Victoria» ist auch bei Gästen aus der Region beliebt.

PD

www.victoria-glion.ch, DZ ab 265 Fr. inkl. Frühstück.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Claus Schweitzer

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