Simon Ehammer hat sich entschieden: Er setzt an den Olympischen Spielen 2028 auf den Weitsprung

Der Appenzeller Leichtathlet ist im Zehnkampf und im Weitsprung Weltklasse und muss an Grossanlässen oft auf eine Disziplin verzichten. Nun widmet er sich zwei Jahre lang dem Sprung.

01.11.2026, 09.00 Uhr

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Simon Ehammer an den Leichtathletik-EM in Birmingham diesen Sommer. Gerade von einer Verletzungspause zurückgekehrt, holte er Silber.

Simon Ehammer an den Leichtathletik-EM in Birmingham diesen Sommer. Gerade von einer Verletzungspause zurückgekehrt, holte er Silber.

Tobias Lackner / Imago

Ende November vergibt World Athletics an seiner Award-Show erstmals eine neue Auszeichnung: jene für den «Moment des Jahres». Einer der Nominierten ist Simon Ehammer, der seinen prägenden Moment im März erlebte, als er den Weltrekord im Hallen-Mehrkampf brach. Ein nahezu perfekter Siebenkampf gipfelte in der besten Leistung der Geschichte.

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Ein bisschen verrückt ist es schon, dass dieser Ehammer in den kommenden zwei Jahren nicht mehr als Mehrkämpfer in den Stadien dieser Welt antreten wird. Sondern «nur» noch als Weitspringer. Dafür hat er sich nun entschieden. So ist es, wenn man in zwei Disziplinen Weltklasse ist. Das ist nichts Neues für Ehammer, der seit Jahren den Spagat zwischen Zehnkampf und Weitsprung meistert. Der die Zerrissenheit kennt, den Verzicht, wenn der Wettkampfplan an einem Grossanlass einen Doppelstart verunmöglicht. Aber auch das doppelte Hoch, wenn es in beiden Disziplinen so gut läuft wie in dieser Saison.

Nun rücken die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles näher und damit das Ziel, das über allem thront: die erste Schweizer Leichtathletik-Medaille seit 1988 zu gewinnen. Auf dem Weg dahin warten 2027 die WM in Peking. In jener Saison nochmals zweigleisig zu fahren, das sei wenig zielführend, befand das Team um Ehammer.

Und so entschied er sich nach zahlreichen Gesprächen mit seinen Trainern und seiner Frau, auf den Weitsprung zu setzen. «Mein Leichtathletik-Herz blutet», schreibt er in der Pressemitteilung, und später am Telefon bekräftigt er seine gemischten Gefühle.

Zur Entscheidung führte eine Analyse der Resultate und Entwicklungen, aber auch das noch brachliegende Potenzial sowie die Frage, was ihm als Mensch entgegenkommen würde. Schliesslich überwog das Gefühl, beim Weitsprung noch mehr herausholen zu können. Dort ist der 26-Jährige konstant vorne mit dabei, erzielte in den letzten fünf Jahren viermal weltweit die zweit- oder drittbeste Weite der Saison, er hat schon eine WM- und zwei EM-Medaillen.

Vor der Sonne stand ihm meist der Grieche Miltiadis Tentoglou. Seine Bestleistung liegt mit 8,66 Metern 15 Zentimeter über jener Ehammers.

Weitsprung, Sprint und Hürden bleiben die Basis

Dieses Jahr verbesserte Ehammer seinen Schweizer Rekord erneut, er liegt nun bei 8,51 Metern, aufgestellt im Rahmen des Zehnkampfes in Götzis, den er ebenfalls mit Schweizer Rekord (8778 Punkte) gewann. Die Leistungen beim Mehrkampf-Meeting unterstreichen Ehammers Dilemma: Sie hätten an den vergangenen je fünf Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften immer für eine Medaille gereicht, 18-mal für Gold, 9-mal für Silber und 3-mal für Bronze.

Im entscheidenden Moment die beste Leistung abzurufen, bleibt die Herausforderung. Ein paar verschenkte Zentimeter bei einem sicheren Absprung können die Medaille kosten. Statt einmal pro Woche kann sich Ehammer aber künftig vollumfänglich dem Weitsprung widmen. Was nicht bedeutet, dass er jeden Tag springt – sonst kann die Belastung schnell zu einseitig, zu hoch werden. Das Training wird sich um seine Basisdisziplinen Weitsprung, Sprint und Hürden drehen. Er will schneller werden und technisch nochmals einen Schritt machen.

«Ich denke, dass 8,70 Meter oder mehr möglich sind», sagt Ehammer. Gelingt es ihm, regelmässig 8,30 Meter bis 8,40 Meter zu springen, werden auch die Ausreisser nach oben folgen.

Der Fokus auf den Weitsprung muss nicht das Ende des Zehnkämpfers Ehammer bedeuten. Er plant, im Winter nach den Olympischen Spielen zum Zehnkampf zurückzukehren. Schnelligkeit und Sprungkraft sind eine gute Basis für die meisten Disziplinen. Die Würfe gehören nicht zu Ehammers Stärken, er habe dort nicht so viel zu verlieren, sagt er. Und ein bisschen Abwechslung hat er auch in der neuen Trainingsstruktur: Jeweils am Mittwochnachmittag nach dem Hürdentraining macht er in der Trainingsgruppe bei einer weiteren Disziplin mit. Auch wenn das eher dazu dient, den Kopf zu lüften, anstatt etwas zu erhalten.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Eva Breitenstein

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