Schweizer Geisel aus Niger befreit
Mehr als anderthalb Jahre sassen zwei Frauen in der Gewalt von Jihadisten fest.
22.10.2026, 11.26 Uhr
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Ein Bild, das die Pressestelle der ostlibyschen Streitkräfte am 21. Oktober veröffentlichte, soll die beiden Frauen nach ihrer Befreiung zeigen. Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich bei der Frau rechts um die Schweizerin. Gemäss Reuters stimmen die Gesichtszüge der Frauen, ihre Hände und ihr Schmuck mit Archivbildern überein. Ort und Datum konnten nicht überprüft werden.
Libya National Army via Reuters
(dpa)/lip. Mehr als anderthalb Jahre nach ihrer Entführung im Niger sollen zwei Europäerinnen nach Angaben aus Libyen freigelassen worden sein. Die Schweizerin und die Österreicherin seien an den Flughafen in der ostlibyschen Stadt Bengasi gebracht worden, bestätigten Kreise der Medienabteilung der sogenannten Libyschen Nationalarmee (LNA) der Deutschen Presse-Agentur.
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Die Freilassung sei durch das Eingreifen von Saddam Haftar, dem stellvertretenden Oberbefehlshaber der LNA, ermöglicht worden, hiess es aus Libyen. Er habe auf Bitten der Familien der beiden Frauen gehandelt. Libysche Spezialeinheiten hätten ihren Transport nach Libyen abgesichert.
Es gebe ermutigende Informationen, was das Schicksal der im Januar 2025 entführten Österreicherin angehe, hiess es aus dem österreichischen Aussenministerium. Der komplexe Prozess der Freilassung und Übergabe sei jedoch noch nicht positiv abgeschlossen. Das Schweizer Aussendepartement äusserte sich bislang nicht zum Fall.
Weitere Einzelheiten zu den Umständen der Freilassung wurden zunächst nicht bekannt.
Frauen lebten seit Jahren im Niger
Bei der Schweizerin handelt es sich um eine Unternehmerin, die seit über dreissig Jahren in der Region Nord- und Westafrika lebt und arbeitet. Wie Recherchen der NZZ im Frühling 2025 zeigten, besitzt sie nebst der Schweizer auch die nigrische und algerische Staatsbürgerschaft und spricht fliessend Französisch, Arabisch und Touareg-Sprache Tamaschek. Die damals 66-Jährige unterstützte mit einer Kooperative einheimische Unternehmerinnen bei der Herstellung und dem Verkauf von Produkten.
Die Schweizerin war im April 2025 aus ihrem Zuhause in der nigrischen Wüstenstadt Agadez verschleppt worden, die Österreicherin im Januar 2025 ebenfalls aus ihrem dortigen Haus. Agadez liegt nordöstlich der Hauptstadt Niamey und galt trotz der Konflikte in der Region lange als sicher. Laut Sicherheitskreisen sollen Mittelsmänner die Frauen entführt und anschliessend im benachbarten Mali an Jihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Sahelzone übergeben haben.
Gespaltenes Libyen, gefährliche Sahelzone
Libyen ist politisch und militärisch gespalten. Saddam Haftar ist der jüngste Sohn von Chalifa Haftar, Kommandeur der selbst ernannten LNA. Diese versuchte zuletzt 2020, die libysche Hauptstadt Tripolis im Westen einzunehmen. Während Haftar mit seiner Familie und Verbündeten vor allem den Osten und Süden des Landes beherrscht, sitzt in Tripolis die international anerkannte Regierung von Abdel Hamid Dbaiba. Bis heute ringen die beiden Regierungen, unzählige Milizen sowie ausländische Staaten um Ressourcen und Macht in dem ölreichen Wüstenstaat.
Das Dreiländereck der Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger gilt wegen der Ausbreitung islamistischer Terrorgruppen als eine der gefährlichsten Regionen der Welt. Im Niger hat sich die Sicherheitslage zuletzt deutlich verschlechtert.
Source: Neue Zürcher Zeitung
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