Schülerproteste «Wir werden Frankreich»: Wut auf griechische Regierung
Hohe Mieten, teure Nachhilfe, marode Schulen: Griechenlands Jugend macht ihrem Frust Luft.
05.11.2026, 20:28
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«Mitsotaki Katharma, Mitsotaki Katharma»: Mit Fluchwörtern gegen den konservativen griechischen Premier Kiriakos Mitsotakis bringen Tausende Schülerinnen und Studierende heute Donnerstag in der Athener Innenstadt ihren Unmut zum Ausdruck.
«Es wird die Hölle los sein»
In ihren Parolen nehmen sie auch Bezug auf die Proteste in Frankreich: «Von Griechenland bis Frankreich – Wir lassen uns nicht einschüchtern!», rufen die jungen Menschen und drohen der Regierung, dass die friedlichen Proteste durchaus auch in Gewalt ausarten könnten: «Es wird die Hölle los sein! Wir werden Frankreich», skandieren sie. Und: «Mitsotakis, die Stadt wird zum Vorort Lyons.»
Mit dabei ist die Studentin Myrto. Die 20-Jährige studiert Chemieingenieurwesen und fordert bessere Studienbedingungen: «Die Politiker können uns doch nicht weismachen, dass wir uns im 21. Jahrhundert mit diesen schlechten Bedingungen an unseren Hochschulen abfinden müssen.»
Die Labore seien nicht richtig ausgestattet, die Uni-Anlagen alt, und sie wisse nicht einmal, ob die Gebäude diesen Winter geheizt werden, so Myrto.
Auch die hohen Lebenshaltungskosten machten den Studierenden zu schaffen, sagt die Studentin. «Viele Jugendliche können nach dem Schulabschluss nicht studieren, obwohl sie einen Studienplatz bekommen haben, weil ihre Familien sie nicht in eine andere Stadt schicken können.» Sie würden es finanziell nicht stemmen können: «Für eine kleine Zweizimmerwohnung zahlen wir 500 oder 600 Euro.»
500 oder 600 Euro: Bei vielen griechischen Familien ist das rund ein Drittel ihres gesamten Monatseinkommens. Sie selbst kommt aus Kreta. Da auch ihr Bruder in Athen studiert, müsse ihre Familie zumindest nur eine Studentenbude finanzieren, sagt Myrto.
Teurer Nachhilfeunterricht
Auch der 16-jährige Alexis protestiert. Der Oberstufenschüler liest die Forderungen der Schülerinnen und Schüler vor versammelter Menge laut vor: mehr Geld für Bildung, bessere Schulen, mehr Lehrpersonal.
Denn mit so vielen Lücken seien die Schüler auf Nachhilfeunterricht angewiesen – in den letzten zwei Schuljahren sei das zwingend, wenn man bei den Panelladikes, den landesweiten Hochschulaufnahmeprüfungen, gut abschneiden will, sagt er: «Es ist unfair. Unsere Eltern haben zwei Jobs, um das finanzieren zu können. Sie kommen erst nachts nach Hause, und die Politiker sagen uns, wir sollen uns nicht beklagen.»
Es ist unfair. Unsere Eltern haben zwei Jobs, um das finanzieren zu können. Sie kommen erst nachts nach Hause, und die Politiker sagen uns, wir sollen uns nicht beklagen.
Er und die anderen würden dafür kämpfen, dass alle Schüler dieselben Bildungschancen hätten, egal, wie viel Geld ihre Eltern haben.
«Wenn es regnet, tropft es rein»
Ähnlich sieht es die 17-jährige Násia. Sie will Psychologie studieren und wird schon am Ende dieses Schuljahrs die griechischen Aufnahmeprüfungen ablegen. Die Schülerin hat eine ganze Liste von Dingen, die sie bemängelt: «In unserer Schule werden zwei Klassen in Containern unterrichtet. Was aus Platzmangel eine vorübergehende Lösung sein sollte, ist seit mindestens zehn Jahren Dauerzustand. Wenn es regnet, tropft es rein.»
Es würden Lehrer in wichtigen Fächern fehlen, sie habe keine Lehrerin im Griechischunterricht. «Wie sollen wir da ohne Nachhilfe Aufnahmeprüfungen ablegen? 300 bis 400 Euro im Monat nur für Nachhilfe sind keine Seltenheit.» Es sei deshalb sehr wichtig, dass sie alle gemeinsam gegen diese Missstände kämpfen würden.
Echo der Zeit, 5.11.2026, 18 Uhr
Source: SRF · Rodothea Seralidou
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