- Redaktionen in Zürich, Bern und Lausanne legten wegen 41 Entlassungen die Arbeit nieder.
- Gefordert werden die Rücknahme aller Kündigungen, ein Entlassungsstopp sowie ein Gesamtarbeitsvertrag.
- In Lausanne mischten sich auch zwei Staatsrätinnen unter die demonstrierenden Medienschaffenden.
In Zürich versammelten sich rund 150 Mitarbeitende und Unterstützer um 11 Uhr vor dem Hauptsitz von Tamedia. Die Gewerkschaft Syndicom und der Berufsverband Impressum unterstützten die Aktion mit Kafi und Gipfeli. Auch in Bern oder Lausanne verliessen Medienschaffende die Gebäude.
Der Warnstreik soll ein Zeichen an Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sein. Die Belegschaft beschloss diesen mit deutlicher Mehrheit am Montag. Sie stellte auch Forderungen auf. Die 41 Kündigungen von Ende Oktober sollen zurückgenommen werden. Zudem fordern die Mitarbeitenden ein Gespräch mit dem Verwaltungsratspräsidenten und Verleger Pietro Supino sowie einen zweijährigen Entlassungsstopp. Langfristig soll es einen Gesamtarbeitsvertrag für Tamedia geben.
Halb leere Zeitungsseiten
Zwar bot Supino mittlerweile ein Gespräch an, die Belegschaft hält jedoch an allen Forderungen fest: «Wir sind weiterhin nicht zufrieden», hiess es – stetige Abbaurunden seien keine Zukunftsvision, und die Art des Abbaus habe das Vertrauen erschüttert.
Mit halb leeren, aufgehängten Zeitungsseiten deuteten die Streikenden in Zürich an, was die Sparmassnahmen bewirken sollen. Auf Plakaten stand «Journalismus statt KI», «noch hässiger» oder «Wir fordern eine Zukunftsperspektive». Der Konflikt gehe alle etwas an, sagte eine Vertreterin von Syndicom. Sie rief dazu auf, Ende November an einer Demonstration in Bern unter dem Motto «Journalismus retten – Demokratie verteidigen» teilzunehmen. Nach einer Stunde beendeten die Mitarbeitenden den Streik mit einem Pfeifkonzert.
In Bern trat ein grosser Teil der Redaktion in den einstündigen Warnstreik. Die Beteiligten hörten Reden aus Zürich per Liveschaltung mit. Danach fertigten sie Transparente an. Mit diesen versammelten sie sich im Anschluss für einen Protest draussen auf dem Bubenbergplatz vor dem Redaktionsgebäude.
Die Beteiligten forderten etwa «Stopp dem Ausverkauf des Journalismus», «IQ statt KI» oder «Menschen statt Margen». Ebenfalls zu lesen war «Ihr zählt die Millionen, wir die Entlassenen». «Wir protestieren auch gegen die Art und Weise, wie die Entlassungen ausgesprochen wurden», sagte ein Journalist dazu.
Staatsrätinnen in Lausanne dabei
In Lausanne gingen 60 Personen vor das Redaktionsgebäude, in Genf waren es etwa 30. In Lausanne mischten sich unter anderem die Staatsrätinnen Nuria Gorrite (SP) und Isabelle Moret (FDP) unter die Streikenden. Auf Plakaten stand etwa «Zur Inkompetenz gesellt sich Brutalität» oder «Tamedia tötet eure Medien».
In einem Schreiben prangerten die Westschweizer Mitarbeitenden unter anderem zwei als missbräuchlich empfundene Entlassungen an. Die Entlassungen sollen ein Klima der Angst schaffen, hiess es weiter. Die Situation sei inakzeptabel.
Die Personalkommission (Peko) von Tamedia schrieb in einer Stellungnahme, dass sie die Entwicklung mit grosser Sorge beobachte. «Der erneute Stellenabbau hat die Belegschaft zutiefst verunsichert und verärgert», hiess es. Die Peko forderte Geschäftsleitung und Verwaltungsrat dringend auf, Verhandlungen zu den Forderungen der Belegschaft aufzunehmen.
Source: SRF · 05.11.2026, 15:17
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