Pferdekutschen im New Yorker Central Park stehen vor dem Aus
Der Stadtrat von New York entscheidet heute über ein Verbot. Der Streit um das Tierwohl ist so alt wie die Kutschentradition selbst – mehr als 160 Jahre.
22.10.2026, 12.56 Uhr
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Kutschen im New Yorker Central Park gibt es seit 160 Jahren. Jetzt sollen sie verboten werden.
Jeenah Moon/Reuters
Seit 1863 lassen sich Touristinnen und Touristen in Pferdekutschen durch den New Yorker Central Park chauffieren. Und fast gleich lange schon gibt es öffentliche Kritik an dieser Attraktion: 1866 wurde die Tierschutzorganisation «American Society for the Prevention of Cruelty to Animals» (Amerikanische Gesellschaft zur Verhütung von Tierquälerei) gegründet – als Reaktion auf die angebliche Misshandlung von Pferden durch New Yorker Kutscher. Das Logo der Organisation zeigte einen Kutscher, der sein Pferd schlägt.
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Jetzt, 160 Jahre später, will New York das Geschäft mit den Kutschen beenden. Der New Yorker Stadtrat soll heute über ein Verbot abstimmen. Bürgermeister Zohran Mamdani und die Stadtratsvorsitzende Julie Menin haben sich laut eigenen Aussagen bereits auf den Gesetzesentwurf geeinigt. «Die Pferdekutschenbranche in New York City geht dem Ende entgegen», schrieb Mamdani im Vorfeld auf X. Bis zum 1. Juni 2028 soll das geplante Verbot schrittweise umgesetzt werden.
Vor allem Tierschützer fordern ein Ende der Pferdekutschen. Sie kritisieren, dass die Pferde überarbeitet und schlecht untergebracht seien und dass sie leicht in Panik gerieten. Immerhin ist New York eine der verkehrsreichsten Umgebungen der Welt.
Die Betreiber weisen die Vorwürfe zurück. Viele von ihnen argumentieren, die Immobilienbranche stecke hinter den Verbotsinitiativen. Die Branche hoffe darauf, die hauptsächlich an der Westseite Manhattans gelegenen Ställe lukrativ umbauen zu können.
Zwei tragische Vorfälle entfachen die Debatte neu
Über die Kutschen wird in New York seit vielen Jahren gestritten. Laut dem Magazin «City & State New York» waren sie sogar ein Streitthema bei den Bürgermeisterwahlen 2013 und 2025.
Frühere Initiativen für ein Verbot, etwa unter Bürgermeister Bill de Blasio, versandeten aber immer wieder. Nach Unfällen mit Pferden flammte die Debatte jeweils neu auf. Im Juni dieses Jahres kam es zu einem besonders dramatischen Unfall: Ein 18-jähriger Tourist aus Indien, der mit seiner Familie in New York zu Besuch war, kam ums Leben. Er war seiner Mutter aus einer Kutsche nachgesprungen, nachdem sie herausgeschleudert worden war.
Fast zur gleichen Zeit brach ausserdem ein Pferd bei einer Kutschenfahrt im Central Park zusammen und starb. Eine Obduktion des 16-jährigen Pferdes namens Deniz ergab, dass es Japanische Eibe gegessen hatte, eine hochgiftige Zierpflanze. Aufnahmen des sterbenden Pferdes verbreiteten sich rasch im Internet und lösten Empörung aus.
Nach den beiden Vorfällen nahm der Druck deutlich zu, die Fahrten zu verbieten.
Rikschas statt Pferde?
Unklar ist bis anhin aber, was mit den Kutscherinnen und Kutschern passiert, wenn ihr Gewerbe verboten wird. Bürgermeister Mamdani versprach, die Rechte der Kutscher, Betreiber und Tiere zu schützen. Wie das geschehen soll, liess er aber bislang offen. Die Stadtratsvorsitzende Menin brachte spezielle Rikschas als mögliche Alternative ins Spiel, mit denen die Kutscher künftig Touristen durch den Park führen könnten.
Kutschen gehören nicht nur in New York zum Stadtbild. Auch an anderen touristischen Orten werden sie heftig diskutiert. In Wien sind Kutschen weiterhin im Einsatz, allerdings gelten strenge Regeln: Pferde dürfen höchstens achtzehn Tage pro Monat im Einsatz stehen, und ihre Gesundheit wird regelmässig kontrolliert.
Auch auf Mallorca sind Kutschen ein Ding, und das Thema ist seit Jahren stark umstritten. Doch obwohl die Regierung von Palma bereits 2022 die Abschaffung bis 2024 angekündigt hatte, ist der geplante Umstieg auf Elektrofahrzeuge noch immer nicht vollzogen, und es sind weiterhin Pferde im Einsatz.
In Prag hingegen sind Pferdekutschen in der Altstadt seit 2023 verboten. Die Stadt begründete den Entscheid mit dem Tierwohl. Ob New York den nächsten Schritt in diese Richtung macht, entscheidet sich heute im Stadtparlament.
Mit Material der Deutschen Presse-Agentur
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Jana Schmid
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