Neues Mandat: Céline Amaudruz arbeitet für den flamboyanten und millionenschweren Spitalkönig der Romandie

Die SVP-Bundesratskandidatin Céline Amaudruz ist neu Verwaltungsrätin in einer Gesellschaft des umtriebigen Investors Antoine Hubert. Der Romand hat in Rekordzeit ein Imperium aufgebaut. Doch er ist auch eine polarisierende Figur.

24.10.2026, 21.45 Uhr

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Im Scheinwerferlicht: Céline Amaudruz will für die SVP in die Landesregierung einziehen.

Im Scheinwerferlicht: Céline Amaudruz will für die SVP in die Landesregierung einziehen.

Alessandro Della Valle / Keystone

Bei der Bank Reyl hat sie es gerade noch geschafft. Auf den letzten Zacken hat Céline Amaudruz das umstrittene Geldhaus verlassen. Bis Ende September stand sie noch auf der Lohnliste der Privatbank, die laut Medienberichten unsaubere Gelder verwaltet haben soll. Nur gerade zwei Tage vor Bundesrat Guy Parmelins Rücktrittsankündigung ist sie definitiv ausgestiegen. In Bundesbern geht niemand davon aus, dass dieses Timing Zufall war.

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Während Amaudruz die Privatbank soeben verlassen hat, kam diesen März ein bemerkenswertes anderes Mandat dazu. Amaudruz ist neu Verwaltungsrätin der Spitalimmobiliengesellschaft Infracore, die zum Imperium des umtriebigen Investors Antoine Hubert gehört.

Hubert hat den Ruf, ein Draufgänger zu sein. Ein ehemaliger Geschäftspartner bezeichnet ihn als «Haudegen». Hinter vorgehaltener Hand nennt man ihn auch den den «Christian Constantin des Schweizer Gesundheitswesens». Der Besitzer des FC Sion und der Spitalinvestor sehen sich ähnlich und stammen beide aus dem Wallis. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten nicht auf. Beide sind extrovertiert und unkonventionell. Es sind Figuren, die ihre Unternehmen prägen und mit ihrem Charakter immer wieder anecken und für Schlagzeilen sorgen.

Ein Selfmademan mit brisanter Vergangenheit

Antoine Hubert hat praktisch aus dem Nichts die zweitgrösste Schweizer Privatklinikgruppe aufgebaut. Vor seinem rasanten Aufstieg stand aber ein tiefer Fall. 1996 sah es für Hubert gar nicht gut aus. Seine Möbelkette war konkurs, er sass dreissig Tage in Untersuchungshaft und wurde unter anderem wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt. Von dieser Jugendsünde hat er der welschen Presse freimütig erzählt. Und er hat sich überraschend schnell davon erholt. Als Immobilieninvestor ist er rasch wieder zu Kapital gekommen und hat bereits 2002 Anteile der Waadtländer Luxusklinik Genolier erworben.

Eine schillernde Figur: Der gelernte Elektriker Antoine Hubert hat es mittlerweile in die «Bilanz»-Liste der reichsten Schweizer geschafft.

Eine schillernde Figur: Der gelernte Elektriker Antoine Hubert hat es mittlerweile in die «Bilanz»-Liste der reichsten Schweizer geschafft.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Auch bei Genolier war sein Aufstieg von Nebengeräuschen begleitet. 2010 kam es zu einem wüsten öffentlichen Machtkampf inklusive später zurückgezogenen Strafanzeigen. Hubert konnte das Gerangel für sich entscheiden, und seither ist seine Gruppe rasant auf mittlerweile 21 Kliniken gewachsen. Der gelernte Elektriker hat es mit einem geschätzten Vermögen von 450 bis 500 Millionen Franken in die «Bilanz»-Liste der reichsten Schweizerinnen und Schweizer geschafft. Wenn es eilt, nimmt er für wichtige Termine auch schon einmal den Helikopter.

«Dass Frau Amaudruz nun bei Antoine Hubert eingestiegen ist, überrascht mich nicht», sagt Christian Dandrès. Die Gruppe suche sehr aktiv bürgerliche Politiker als prominente Aushängeschilder, so der Genfer SP-Nationalrat und Präsident der Gewerkschaft VPOD. So waren mit Joseph Deiss und Ruth Metzler gleich zwei Alt-Bundesräte der damaligen CVP jahrelang in Gremien der Gruppe tätig und mit Fulvio Pelli ein ehemaliger FDP-Präsident. Die Spitalgruppe von Antoine Hubert verfolge «eine aggressive Wachstumspolitik», sagt Dandrès. «Sie sind die Cowboys im Gesundheitswesen und bringen amerikanische Geschäftsmodelle in die Schweiz.»

Promi-Verwaltungsrat: Amaudruz ist in bester Gesellschaft

Dass Amaudruz nun für Hubert tätig ist, dürfte dazu führen, dass die SVP-Bundesratskandidatin bei den Linken an Sympathien einbüsst. Hubert gilt als Feind der Gewerkschaften und ist für viele ein rotes Tuch. Dandrès verweist auf einen jahrelangen harten Rechtsstreit in Neuenburg. Bei der Übernahme der Klinik La Providence wurden 22 streikende Angestellte auf die Strasse gestellt. Der Fall ist vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof hängig und soll Anfang November entschieden werden.

Heinz Locher ist der Doyen unter den Schweizer Gesundheitsökonomen. Er begrüsst, dass Hubert als unkonventioneller Investor das Gesundheitswesen aufmischt. Doch er hat Zweifel am Geschäftsmodell: «Ich frage mich ernsthaft, ob das Businessmodell langfristig funktioniert.» Antoine Hubert dirigiert heute ein verschachteltes Imperium. Unter dem Dach seiner Holdinggesellschaft befinden sich verschiedene Firmen, bei denen er selber immer wieder als Verwaltungsrat auftaucht – moderne Governance sieht anders aus.

Einen lauten Warnschuss gab es 2023. Der aktivistische amerikanische Investor Fraser Perring ist weltweit bekannt, seit er den Wirecard-Skandal aufgedeckt hat. Vor drei Jahren kritisierte er auch das Geschäftsgebaren von Huberts Firmengruppe scharf und witterte Bilanzmanipulationen und aufgeblähte Erträge. Dabei schoss er sich auf die Immobiliengesellschaft Infracore ein – ausgerechnet jene Firma, bei der die Bundesratskandidatin Amaudruz nun im Verwaltungsrat sitzt.

«Bevor ich dieses Mandat angenommen habe, habe ich von Infracore Erklärungen zu den Vorwürfen in diesem Bericht verlangt», schreibt Amaudruz dieser Zeitung. Die Antworten, die sie erhalten habe, hätten sie überzeugt , und sie habe das Mandat deshalb mit vollem «Vertrauen» angenommen. Sie kenne die zahlreichen Presseberichte über den Aufstieg von Hubert und seine Geschäftspraktiken. «Ich hatte die Gelegenheit, ihn persönlich zu treffen und mir eine eigene Meinung zu bilden.» Als Unternehmer habe er grosse Qualitäten und Verdienste.

Die Figur Hubert polarisiert. Wenn er auf den Platz tritt, gibt es auffällig häufig rechtliche Auseinandersetzungen und Presseberichte. Diesen Sommer sorgten seine Firmen auch in Deutschschweiz für Schlagzeilen. Die Swiss Medical Group hat die unrentable Winterthurer Klinik Lindberg geschlossen. Gleichzeitig trat die Gruppe als mögliche Retterin für das Spital Wetzikon auf – ist aber leer ausgegangen.

«Es gibt immer Neider am Markt», schreibt Huberts Medienstelle. Tatsächlich sei das Spitalgeschäft sehr rasch gewachsen. Doch die Gruppe sei dabei immer gemäss den «soliden Grundsätzen des Risikomanagements» vorgegangen. Die Gesellschaften seien solide finanziert , und Swiss Medical Network sei einer der profitabelsten Spitalgruppen des Landes. Es handle sich um eine «lange Erfolgsgeschichte». Die Vorwürfe aus den USA weist die Gruppe in aller Form zurück. Diese hätten sich als «haltlos» erwiesen.

Céline Amaudruz ist nicht die einzige Politikerin mit Verbindung zum Spitalkönig aus der Romandie. Bemerkenswerterweise gibt es auch einen Kontakt zu einem weiteren Bundesratskandidaten: So hat der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg zusammen mit Hubert und der Krankenkasse Visana im Berner Jura ein voll integriertes Gesundheitsmodell lanciert, das sich an einem US-Vorbild orientiert und nicht unumstritten ist.

Und auch Alt-Bundesrätin Ruth Metzler taucht im Umfeld von Hubert auf, wobei sich die Wege von ihr und Amaudruz auffällig kreuzten. Ab 2022 waren Metzler und die SVP-Nationalrätin gleichzeitig für die Privatbank Reyl in Genf tätig. Metzler war damals auch Verwaltungsrätin der Hubert-Firma Infracore. Dort ist sie mittlerweile aus-, dafür ist die Bundesratskandidatin Amaudruz eingestiegen. Warum kreuzen sich die Wege der beiden Frauen derart?

«Das ist reiner Zufall», schreibt Céline Amaudruz dieser Zeitung.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Georg Humbel

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