Der Monsterfilm ist nicht nur eine Zerstörungsorgie mit tollen Effekten. Es geht um das japanische Atombombentrauma.
06.11.2026, 05:45
Godzilla, das riesige Monster, irgendwo zwischen Drachen und Dinosaurier, mit feurigem Atom-Atem, gibt es seit 1954 und war am Anfang nicht nur ein simpler Unterhaltungsfilm über eine urzeitliche Bedrohung.
Erfunden wurde Godzilla in Japan. Das Monster war gleichzeitig Sinnbild der Atombombe und die Verkörperung der Rache durch die Natur.
Nie wieder Fisch!
Als der erste Film herauskam, war die nukleare Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki noch frisch im Gedächtnis der japanischen Bevölkerung. Dazu kam, dass die USA im Entstehungsjahr eine Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll zündeten.
Die Besatzung eines japanischen Fischerboots war dem radioaktiven Niederschlag ausgesetzt. Angst breitet sich aus. Viele Japaner weigerten sich in der Folge Fisch zu essen. Regisseur Ishirō Honda sagte später, er habe mit Godzilla ein explizites Statement gegen Atomwaffen setzen wollen.
Mittlerweile gibt es 38 Godzilla-Filme, 35 japanische, 5 aus Hollywood. Die meisten davon spektakuläre Monsterfilme ohne tieferen Sinn, in denen Godzilla mit oder gegen andere Monster kämpfte.
Kriegsheld mit Belastungsstörungen
2023 erschien «Godzilla Minus One», ein japanischer Film, und der besann sich auf die Anfänge. Er spielte in Japan, direkt nach dem Zweiten Weltkrieg.
Held war der ehemalige Kamikaze-Pilot Kōichi Shikishima, der unter posttraumatischen Belastungsstörungen litt. Seine Probleme und die anderer Kriegsüberlebender standen im Mittelpunkt des Films.
Godzilla symbolisierte wieder die Angst vor atomarer Auslöschung. Der Film war patriotisch, nationalistisch und unterstützte unterschwellig den Aufrüstungsprozess im heutigen Japan. Bei der Oscar-Verleihung gewann er den Preis für die besten Spezialeffekte.
Godzilla kann nicht sterben
Die Fortsetzung wurde damals schon angeteast. Godzilla wird zerbombt, aber am Ende sieht der Zuschauer ein Stück von Godzillas Fleisch in den Tiefen des Ozeans treiben, das sich zu regenerieren beginnt.
«Godzilla: Minus Zero» spielt zwei Jahre nach dem Vorgängerfilm. Das fliegende Monster Ghidorah taucht auf und zerstört die Stadt Matsumoto. Der Kamikaze-Pilot und die anderen Retter aus «Minus One» müssen wieder antreten.
Erste Vernichtungspläne scheitern. Aber zum Glück taucht Godzilla aus den Untiefen des Meeres wieder auf.
Hiroshima-Trauma und Antiamerikanismus
Auch dieser Film stellt die Geschichten der Menschen, die gegen die Monster antreten, in den Vordergrund. Eine der Interessantesten ist der Biologie-Professor Kanji Murakami (Min Tanaka), ein traumatisierter Überlebender von Hiroshima, der davon träumt, sich mit Godzilla an den US-Amerikanern zu rächen.
Die USA, verkörpert durch die in Japan stationierten Soldaten, sind unsympathische Intriganten, die die Japaner bevormunden und für ihre Zwecke einsetzen. Die negative Zeichnung überrascht. Die Länder sind heutzutage Alliierte und 55'000 US-Soldaten in Japan stationiert.
Insgesamt nehmen die Geschichten rund um den Kamikazepiloten Kōichi Shikishima etwas zu viel Platz ein, weil sie recht mittelmässig erzählt sind.
Es kracht gewaltig
«Godzilla: Minus Zero» hat wie sein Vorgänger spektakuläre Special-Effekte. Das neue Monster kann beispielsweise Gebäude aus der Erde reissen und sie in den Himmel schiessen, wo sie für einige Augenblicke scheinbar schwerelos schweben.
«Godzilla: Minus Zero» lohnt sich. Einfach ein packender Hingucker.
Source: SRF · Enno Reins
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