Nach der Wahl Israels Isolation ist nicht so schnell vorbei
30.10.2026, 14:25
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Israel hat gewählt, und die Welt schaut genau hin, gerade auch Europa. Denn das Land ist international so isoliert wie selten zuvor. Allein im September haben zwölf Länder Sanktionen gegen israelische Siedlungen angekündigt. Gegen Netanjahu liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Reisen nach Europa sind für ihn heikel.
Die Stimmen sind ausgezählt: Netanjahus Lager kommt auf 53 der 120 Sitze, der Oppositionsblock um Gadi Eisenkot auf 48. Die beiden arabischen Parteien holen zusammen 19 Sitze – ein historisches Ergebnis. Stärkste Partei bleibt Netanjahus Likud mit 27 Sitzen, vor Eisenkots Yashar mit 21. Keiner der Blöcke hat die nötigen 61 Sitze für eine Mehrheit.
Am 4. November wird das offizielle Resultat Präsident Isaac Herzog übergeben. Er empfängt die Parteien und beauftragt jemanden mit der Regierungsbildung. Das kann Netanjahu sein, aber auch Eisenkot. Bis eine neue Regierung steht, bleibt Netanjahu im Amt.
In Europa würden wohl viele einen Kurswechsel begrüssen. Ein Premier Eisenkot würde tatsächlich einen anderen Ton anschlagen. Er spricht von «jüdischem Terror», wenn radikale Siedler Palästinenser angreifen. Und er ist gegen ein umstrittenes Siedlungsprojekt namens «E1». Dieses würde das Westjordanland faktisch in zwei Teile trennen und einen palästinensischen Staat nahezu unmöglich machen. Genau dort hat Europa zuletzt den Druck erhöht.
Anderer Ton, ähnlicher Kurs
Doch Eisenkot ist kein Gegenentwurf zu Netanjahu. Er hat den Krieg in Gaza mitgetragen, ebenso die Angriffe auf den Iran. Ein Rückzug aus dem Libanon oder aus Syrien steht auch bei ihm derzeit nicht zur Debatte. Die Zweistaatenlösung lehnt er ab. Damit steht er nicht allein: Fast alle jüdischen Parteien tragen die harte Sicherheitspolitik mit, die Israel seit dem 7. Oktober 2023 verfolgt.
Und noch etwas verbindet die beiden: Auch Eisenkot will bis anhin eine Regierung ohne die arabischen Parteien, obwohl diese mit 19 Sitzen das beste Resultat ihrer Geschichte erzielt haben. In der Wahlnacht sprach er von einer «zionistischen Mehrheit». Dabei machen die arabischen Israelis rund ein Fünftel der Bevölkerung aus.
Netanjahu mit neuen Partnern?
Noch ist unklar, wen Präsident Herzog als Erstes mit der Regierungsbildung beauftragt. Klar ist: Eine absolute Mehrheit hat niemand. Die Rede ist auch von einer Einheitsregierung, also einer Koalition von Eisenkot und Netanjahu. Laut Medienberichten zieht Präsident Herzog eine breite Regierung Neuwahlen vor. Für die Opposition kommt das bis anhin aber nicht infrage. Noch ist Benjamin Netanjahu im Amt, wenn auch nur als Übergangspremier.
Die EU hat sich bisher nur über eine Sprecherin geäussert: Sie hoffe auf einen «offenen und ehrlichen Dialog» mit der nächsten Regierung.
Für Europa heisst das: Egal, wer am Ende regiert, die Beziehungen bleiben schwierig. Ein neuer Premier würde Türen öffnen, aber die grossen Streitfragen nicht lösen. Und bleibt Netanjahu, dürfte der Druck aus Europa weiter steigen.
Christina Brun
stv. Auslandskorrespondentin für den Nahen Osten
Christina Brun ist die stellvertretende Auslandskorrespondentin für den Nahen Osten und Redaktorin bei «SRFglobal». Ihre Schwerpunkte sind Geopolitik, internationale Politik und die Entwicklungen im Nahen Osten. Sie spricht Arabisch.
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SRF 4 News, 30.10.2026, 9:30 Uhr; noes
Source: SRF · Analyse von Christina Brun
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