Murat Yakin nominiert zwei Neulinge. Aber reden muss der Schweizer Nationalcoach über ganz anderes
Statt der letzten zwei Nations-League-Spiele stehen abermals Granit Xhaka und Breel Embolo im Fokus. Und dann muss der SFV auch noch die Absage von Lutfi Dalipi vermelden.
05.11.2026, 14.30 Uhr
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AktualisiertWill gern über das Sportliche sprechen, muss aber Geschichten seiner Spieler abseits des Rasens einordnen: der Schweizer Nationalcoach Murat Yakin.
Peter Schneider / Keystone
Eigentlich ist die Kaderbekanntgabe durch den Schweizer Nationalcoach ja eine Art Verwaltungsakt: Murat Yakin tritt im Haus des Schweizer Fussballs vor die Medien, gibt sein Aufgebot bekannt, freut sich über diesen Rückkehrer, lobt jenen Debütanten.
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Doch in jüngster Zeit wiederholt sich ein Muster der anderen Art: Yakin, 52, will über das Sportliche reden, aber er muss Geschichten der Nationalspieler abseits des Platzes einordnen. Das war Mitte September so, nachdem Noah Okafor viel Aufhebens um seinen Rückzug aus dem Nationalteam gemacht hatte. Und so ist es auch am Donnerstag wieder, als Yakin sein Kader für die Spiele gegen Slowenien in Maribor am 13. November und drei Tage später in St. Gallen gegen Schottland vorstellt. Dieses Mal, weil der Stürmer Breel Embolo der Zeitung «Schweiz am Wochenende» ein aufsehenerregendes Interview gegeben hat.
«Es gibt noch Gesprächsbedarf»
Embolo und Granit Xhaka, der Captain der Auswahl, hatten die letzten vier Länderspiele im September und Oktober wegen gefälschter Covid-Zertifikate verpasst, wobei Xhaka freiwillig verzichtete, Embolo hingegen vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) ausgeladen wurde.
Das veranlasste den 29-Jährigen dazu, in besagtem Interview seinen Unmut über die Nichtberücksichtigung kundzutun und die Verbandsspitze zu attackieren. Und das, obwohl der SFV nach den jüngsten Vorfällen äusserst moderate Leitlinien veröffentlichte und seinen langjährigen Führungsspielern damit eine schnellstmögliche Rückkehr ins Nationalteam ermöglichte.
Dass die beiden für die letzten zwei Länderspiele des Jahres aufgeboten werden, stand deshalb schon vor Yakins Kaderbekanntgabe fest. Der Nationalcoach sagt aber: «Es gibt sicher noch Gesprächsbedarf mit Breel. Die Verbandsspitze um den Präsidenten Peter Knäbel wird sich nächste Woche mit ihm an einen Tisch setzen und die Sache ausräumen.» Und auf die Frage, ob überhaupt je zur Diskussion gestanden habe, dass Xhaka die Captainbinde abgebe, sagt er: «Nein, das war für mich nie eine Diskussion. Und ich würde ihm auch nicht raten, das Bändeli abzugeben. Er ist unser unumstrittener Leader.»
Irgendwann kann Yakin dann doch noch über das Sportliche reden. Der Nationalcoach nominiert 28 statt der üblichen 26 Fussballer, weil der Stürmer Zeki Amdouni, der Embolo jüngst bestens vertreten hat, und der Linksverteidiger Ricardo Rodríguez noch angeschlagen sind.
Erstmals im Aufgebot figurieren Samuel Ballet vom türkischen Klub Amed SK und der FCZ-Goalie Silas Huber. Ballet, der vielseitige Flügelspieler, hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Nach Umwegen via Wil und Winterthur versuchte sich der einstige YB-Junior erfolglos im FC Como, ehe er vor zwei Jahren im FC Zürich zu gefallen wusste. Letztes Jahr wechselte der 25-Jährige dann zu Antalyaspor in die türkische Süper Lig – und diesen Sommer von dort für 1,6 Millionen Euro zu Amed SK.
Nun schreibt der ambitionierte Aufsteiger eine der schöneren Geschichten im türkischen Fussball: Als Tabellenzweiter fordert Amed gerade den Istanbuler Giganten Galatasaray heraus. Und Ballet avancierte im kurdischen Klub schnell zu einem der wichtigsten Spieler; am Wochenende erzielte er einen Hattrick.
Yakin sieht Ballet als Alternative für Dan Ndoye und Rubén Vargas, der nach einer Verletzung ebenso ins Nationalteam zurückkehrt wie Denis Zakaria, den Yakin weiterhin als Rechtsverteidiger einplant. In den letzten Länderspielen hatte dort der Debütant Zachary Athekame überzeugt.
Die Schweiz verliert das nächste Talent
Als Neuling ebenfalls infrage gekommen wäre Lutfi Dalipi. Der Spielmacher des FC Vaduz ist mit 14 Skorerpunkten einer der Überflieger der bisherigen Super-League-Saison. Als die NZZ Dalipi kürzlich besuchte und ihn, der auch für Kosovo, Albanien und Portugal spielen könnte, auf die Nationalitätenfrage ansprach, sagte der 20-Jährige, er habe sich bereits entschieden. Nun ist klar, dass er dem SFV nach Gesprächen eine Absage erteilt hat. Womit die Schweiz das nächste hierzulande ausgebildete Talent verliert, nachdem sich Leon Avdullahu und Albian Hajdari letztes Jahr für Kosovo entschieden haben. Dalipi hatte seit der U 18 für die Schweizer Auswahl gespielt, lehnte ein Aufgebot für die U 21 nun aber ab.
Immerhin ist die sportliche Ausgangslage von Yakins Equipe nach vier Siegen in vier Partien hervorragend: Mit einem Punkt in Slowenien kann die Schweiz schon vor dem letzten Spiel den Gruppensieg und damit den direkten Wiederaufstieg in die Liga A der Nations League bewerkstelligen.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Benedikt Koller
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