Münzschatz im Maulwurfshügel Das Rätsel um die römischen Münzen ist gelöst
Vor elf Jahren stiess ein Bauer auf Tausende römische Münzen. Nun ist das Buch zum spektakulären Fund erschienen.
Teilen
Da staunte ein Bauer im Fricktal nicht schlecht, als er im Sommer 2015 auf seiner Kirschbaumplantage einige alte Münzen in einem Maulwurfshügel entdeckte. Er meldete den Fund der Aargauer Kantonsarchäologie, die den Fundort mit dem Metalldetektor absuchte.
Die Kantonsarchäologie fand auf einem Gebiet von zirka 6 auf 10 Metern Münzen und grub diese schliesslich aus. 4130 römische Kupfermünzen kamen ans Licht. Abgesehen von einem Fund im Tessin ist es der bisher grösste Münzfund des 3. Jahrhunderts nach Christus auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.
Die Untersuchungen haben ergeben, dass der Schatz nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz lag. Er war bereits in den 1970er-Jahren bei Bauarbeiten für eine Drainageleitung unbemerkt freigelegt und verschoben worden. Der Schatz wurde ursprünglich wohl in zwei Tonkrügen vergraben, wie der Fund von Tonscherben mit Kupferspuren nahelegt.
Die Auswertung des Münzschatzes hat über zehn Jahre gedauert. Dies wegen des Umfangs und des schlechten Zustands der Fundstücke: «Die Münzen musste man zuerst im Labor freilegen, damit man überhaupt etwas sehen konnte», erklärt Thomas Doppler, Leiter der Kantonsarchäologie Aargau. An der Untersuchung seien Fachleute aus unterschiedlichen Gebieten beteiligt gewesen.
Anschliessend an die Reinigung wurden die Münzen einzeln fotografiert und von Münzspezialisten ausgewertet. Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden nun in einer neuen Publikation veröffentlicht.
Der grösste Teil der Kupfermünzen sind sogenannte Aureliani, die vor der Münzreform von Kaiser Aurelian im Jahr 274 geprägt wurden, mit einem Silbergehalt von vier Prozent, wie die Untersuchungen ergaben. Die jüngsten Münzen des Funds wurden 293 geprägt, kurz vor der Münzreform des Kaisers Diocletian 294. Dies zeige, dass der Schatz eine gezielte Auswahl «guter» Münzen war, schliessen die Fachleute.
Diese Erkenntnisse würden etwas über die Menschen verraten, die hier gelebt hätten, sagt Thomas Doppler. Erklären lasse sich der Münzfund folgendermassen: Das römische Reich hat damals eine turbulente Zeit durchlebt. Nach einer Umstellung des Geldsystems hat der Besitzer des Schatzes dem neuen Geld wohl nicht getraut und die älteren, wertvolleren Münzen im Boden vergraben, vermutet der Kantonsarchäologe.
Anfang Bildergalerie
-
Bild 1 von 3. Der häufigste Typ unter den über 4000 Münzen ist der Aurelianus, eine Prägung des Kaisers Aurelianus. Auf der Vorderseite ist die Büste des Kaisers abgebildet. Bildquelle: Kantonsarchäologie, Kanton Aargau.
-
Bild 2 von 3. Die Rückseite des Aurelianus mit der Darstellung des Gottes Sol. In der linken Hand hält er einen Globus, die rechte Hand ist erhoben, zwischen zwei Gefangenen in orientalischer Kleidung. Bildquelle: Kantonsarchäologie, Kanton Aargau.
-
Bild 3 von 3. Jede Münze aus Ueken wurde inventarisiert, bestimmt und untersucht. Bildquelle: Inventar der Fundmünzen der Schweiz.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Die über 4000 Münzen waren damals ungefähr so viel wert wie zehn Goldmünzen. Thomas Doppler rechnet vor: Mit einer einzigen Goldmünze habe man mehrere Wochen oder sogar Monate gut leben können.
Einige Rätsel bleiben
Warum der Schatz nie gehoben wurde, kann heute nicht mit Sicherheit geklärt werden. Neben Tod oder Flucht der Besitzer gibt es auch einen wirtschaftlichen Grund: Nach weiteren Reformen hätten die Münzen «ihren ursprünglichen Wert eingebüsst, eine Bergung lohnte sich kaum mehr», schreibt die Kantonsarchäologie in ihren Unterlagen.
Wer den Schatz versteckt hat, weiss man nicht. Dafür haben die Forscherinnen und Forscher etwas anderes am Fundort herausgefunden: «Wir haben Gebäudestrukturen entdeckt, die zeigen, dass der Münzschatz in der Nähe von einem Raum vergraben wurde, wo Menschen gelebt haben.» Thomas Doppler erklärt, der Fundort sei unweit der Strasse gelegen, die Augusta Raurica mit Vindonissa verband.
Regionaljournal Aargau Solothurn, 26.10.2026, 17:30 Uhr ; matb;ante;rama
Source: SRF · 31.10.2026, 15:14
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇨🇭 CH
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira