Trumps Versprechen vom erschwinglichen Leben wird zum Risiko für die Republikaner. In Nevada wächst der Frust.
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30.10.2026, 06:03
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Eine Wahlhelferin steht vor einem grossen weissen Zelt auf einem Parkplatz südlich von Las Vegas: «Hier anstehen, wenn ihr wählen wollt», weist sie die Menschen an, die das «Early Voting» nutzen und ihre Stimme schon vor dem eigentlichen Wahltag abgeben. Wir befinden uns südlich von Las Vegas, mitten auf einem Parkplatz zwischen Einkaufsläden. In der Warteschlange geht es um ein Thema besonders häufig: die steigenden Lebenshaltungskosten. «Von Benzin, über Lebensmittel bis Wohnkosten, alles ist viel zu teuer geworden», sagt Gwen, die an der Rezeption eines Hotels in Las Vegas arbeitet.
Auch Christie, die ältere und kranke Menschen pflegt, spürt den finanziellen Druck. «Mein Lohn reicht kaum noch, um über die Runden zu kommen.» Sie lebt seit mehr als 20 Jahren in Las Vegas und hat miterlebt, wie sich die Stadt verändert hat und wie das Leben immer teurer geworden ist.
Die wirtschaftlichen Sorgen treffen die Arbeiterklasse besonders. Nevada galt lange als verlässlicher Bundesstaat für die demokratische Partei. Doch 2024 gewann dort Donald Trump erstmals. Zuletzt hatte 2004 ein republikanischer Präsidentschaftskandidat den Bundesstaat für sich entschieden. Trump versprach, das Leben wieder erschwinglicher zu machen. Das kam gut an.
Kaufkraft als Wahlargument
Nicholas Irwin, Wirtschaftsprofessor an der University of Nevada, spricht von einer ernsthaften Krise. Der Grossraum Las Vegas lebt von Menschen, die andere bedienen, bewirten und unterhalten. In einer Studie hat Irwin untersucht, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung auf den Alltag dieser Menschen auswirkt: «Um wieder die Kaufkraft von 2018 zu erreichen, bräuchten wir eine Einkommenssteigerung von etwa 36 Prozent. Das entspräche etwa 36'000 Dollar mehr pro Haushalt. Ich sehe nicht, wie das gehen soll», kommt er zum Schluss.
Die Menschen werden erneut abwägen, wer ihnen zu einem besseren Leben verhelfen kann.
Das Thema Kaufkraft dürfte bei den Wahlen ein wichtiger Faktor sein. Nicholas Irwin ist überzeugt, viele Wählerinnen und Wähler stellten sich vor allem eine Frage, nämlich wer ihre Lebensbedingungen verbessern könne. Das sei schon bei der Präsidentschaftswahl 2024 ausschlaggebend gewesen, als Donald Trump versprach, Trinkgelder von Steuern zu befreien. «Die Menschen werden erneut abwägen, wer ihnen zu einem besseren Leben verhelfen kann. Und deshalb, das zeigen auch Umfragen, dürfte das Pendel in Richtung der demokratischen Partei ausschlagen.»
Wenn die Wahlmaschine ausfällt
Zurück beim Wahllokal ist die Aufregung gross. Leah kommt aus dem Zelt und berichtet von einem technischen Problem. Die Wahlmaschine habe nicht mehr funktioniert, weshalb sie bei ihrer Stimmabgabe von vorn beginnen musste: «Das macht mich misstrauisch und es ist nicht verwunderlich, dass manche Menschen von Wahlbetrug sprechen.»
Josiah ist freiwilliger Wahlbeobachter der gemeinnützigen Organisation ACLU. Er dokumentiert allfällige Probleme. In diesem Fall beschwichtigt er: «Die Verantwortlichen haben schnell reagiert und es gibt keinen Grund zur Verunsicherung.»
Dieser Vorfall zeigt aber auch: Nicht für alle ist die wirtschaftliche Lage das einzige wichtige Thema rund um die Wahlen. Doch vieles deutet darauf hin, dass die Republikanische Partei bei den Zwischenwahlen teuer bezahlen wird, dass Donald Trump sein Wahlversprechen nicht eingehalten hat, das Leben erschwinglicher zu machen.
Rendez-vous, 29.10.2026, 12:30 Uhr
Source: SRF · Barbara Colpi
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