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Jugendproteste in Europa: Plünderungen in Frankfurt +++ Brennende Barrikaden in Zürich und Basel +++ 320 000 Teilnehmer in Frankreich
In Frankreich und Deutschland haben am Samstag Hunderttausende Jugendliche protestiert. In der Schweiz kam es bei Demonstrationen in Zürich und Basel zu Zwischenfällen.
NZZ-Redaktion31.10.2026, 20.34 Uhr
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AktualisiertIn Paris kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Aufnahme vom 31. Oktober.
Pierre Crom / Getty Images Europe
Brennende Barrikaden bei Demos in Zürich und Basel
In Zürich kam es am Samstagabend rund um die Langstrasse und den Helvetiaplatz zu Ausschreitungen. Bei einer unbewilligten Versammlung, die als Party mit lauter Techno-Musik begann, schlug die Stimmung in der Nacht um. Einige Krawallanten errichteten Barrikaden aus Abfallkübeln, E-Trottis und E-Bikes und setzten diese in Brand. Randalierer warfen zudem die Schaufensterscheiben von Geschäften ein. Die Polizei setze Wasserwerfer ein, um die Lage in den Griff zu bekommen. Das Partyvolk schaute dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Polizei und Randalierern zu.
Auch in Basel kam es im Zuge von unbewilligten Protesten zu Ausschreitungen. Etwa 150 Personen versammelten sich beim Claraplatz und zogen dann ins St. Johann-Quartier. Am St. Johanns-Platz errichteten einige der Demonstranten Barrikaden und setzten diese in Brand. Der öffentliche Verkehr musste eingestellt werden, der Verkehr mit Privatautos kam zum Erliegen.
Angriffe auf Polizisten in Köln
In Köln kam es auf der Domplatte nahe dem Hauptbahnhof zu Angriffen auf Polizisten. Flaschen wurden geworfen, Fahrräder flogen, ein Mensch erlitt Verletzungen. Randalierer wurden festgesetzt. Es gab nach Polizeiangaben fünf Ingewahrsamnahmen. In einer Nebenstrasse ging demnach eine Fensterscheibe durch einen geworfenen E-Scooter zu Bruch.
Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns verteidigte die kurzfristige Untersagung eines Aufzugs durch die Stadt. «Wir haben Molotow-Cocktails und Nothämmer bei Vermummten sichergestellt. Wofür die mitgeführt wurden, braucht wohl keine Erläuterung!», sagte Hermanns. Er sei sich sicher, «dass wir heute am späten Nachmittag verhindert haben, dass aus Köln Bilder live gesendet werden, die an Paris und Mailand erinnern».
Vermummte Randalierer plündern Läden in Frankfurt
In der deutschen Finanzmetropole Frankfurt kam es am späten Samstagabend zu Plünderungen durch vermummte Randalierer. Wie ein Zeuge gegenüber Reuters berichtete, wurden in Frankfurt mindestens zwei Geschäfte geplündert, als die Proteste in Gewalt umschlugen. Weitere Läden wurden beschädigt; die Polizei versuchte, die Lage unter Kontrolle zu bringen.
«Es kommt weiterhin zu gewalttätigen Ausschreitungen», teilte die Frankfurter Polizei auf der Plattform X mit. «In der Innenstadt wurden Schaufenster mehrerer Geschäfte eingeschlagen. Zudem werden Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen. Wir bitten alle Unbeteiligten, die Innenstadt zu meiden oder den Bereich zu verlassen.»
422 Festnahmen in Frankreich, ein Gendarm in Flammen
Nach einem weitgehend ruhigen Tag ist es bei den landesweiten Protesten in Frankreich am Abend zu Zusammenstössen gekommen. In Paris und Lyon setzte die Polizei Tränengas ein. In Paris geriet ein Gendarm in Flammen, nachdem ein Molotowcocktail auf eine Absperrung geworfen worden war. Innenminister Laurent Nuñez sprach von versuchtem Totschlag. Landesweit wurden bis zum Abend 422 Personen festgenommen.
Polizisten und maskierte Demonstranten in Paris.
Pierre Crom / Getty Images EuropeLaut dem Innenministerium nahmen 320 000 Menschen an den Demonstrationszügen teil, davon 70 000 in Paris. Ein Bündnis von Schüler- und Studierendenorganisationen zählte fast eine halbe Million. In mehreren Städten hinderte die Polizei nach Angaben des Ministeriums «radikale Kräfte» daran, in die Innenstädte vorzudringen und zu plündern. Die Polizei führte in ganz Frankreich bis zu 40 000 Kontrollen durch, allein in der Region Paris rund 15 000.
Im Einsatz sind rund 70 000 Polizeikräfte. Die Behörden halten es für möglich, dass das Halloween-Fest zusätzlich Gelegenheit zur Maskierung und für Straftaten bietet. In mehreren Städten, darunter Paris, gelten nachts Ausgangsbeschränkungen.
Böller- und Flaschenwürfe in Berlin, Frankfurt und Bremen
Bei den Jugendprotesten in Deutschland ist es am Abend in mehreren Städten zu Gewalt gekommen. In Berlin wurden nahe den Hackeschen Höfen laut Polizei Eier und Flaschen geworfen, vereinzelt flogen auch Böller. Die Polizei rief die Demonstrierenden auf, sich friedlich zu verhalten, keine Pyrotechnik zu benutzen und sich klar von Gewalttätigkeiten zu distanzieren.
Demonstranten in Berlin gegen 18 Uhr nahe Rosenthaler Platz.
ImagoIn Frankfurt wurden Böller auf Polizisten geworfen. Nach ersten Erkenntnissen des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) erlitten mehrere Beamte Verletzungen, einer davon möglicherweise schwerer. In Bremen wurden Einsatzkräfte vereinzelt mit Schlägen und Tritten attackiert, mindestens ein Müllcontainer wurde angezündet. «Man kann nicht mehr von einem komplett friedlichen Verlauf sprechen», sagte ein Polizeisprecher.
Die Proteste in Frankfurt fanden unter einem Grossaufgebot der Polizei statt.
Richie Sanders / ImagoZehntausende bei deutschen Jugendprotesten, in Hamburg brennen Barrikaden
Mehrere Zehntausend Menschen haben sich in Deutschland den bundesweiten Jugendprotesten der Initiative «Gen Z regelt» angeschlossen. Die Organisatoren sprachen am späten Nachmittag nach Rückmeldungen aus zunächst zwölf Städten von mehr als 68 000 Teilnehmenden. Bundesweite Polizeizahlen lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten fielen sie niedriger aus als die der Veranstalter.
In Hamburg gingen laut Polizei rund 6 700 Menschen auf die Strasse. Vermummte rissen Barrikaden heraus und zündeten sie an. Die Polizei setzte Pfefferspray ein und löschte das Feuer mit einem Wasserwerfer. In Köln, Frankfurt am Main und Stuttgart stoppte die Polizei Demonstrationszüge wegen Vermummung, Pyrotechnik oder Abweichens von der Route. In Köln ging die Demo als Standkundgebung weiter.
Demonstranten in Hamburg.
Jonas Walzberg / REUTERSAuseinandersetzungen in Frankreich, 320 000 Teilnehmende
Nach einem ruhigen Beginn des landesweiten Protesttages in Frankreich ist es am späten Nachmittag zu ersten Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. In Paris und Lyon setzte die Polizei Tränengas ein. In Paris waren Explosionen von Feuerwerkskörpern zu hören; Aufnahmen des Fernsehsenders BFMTV zeigten Einsatzkräfte, die von Flammen erfasst wurden.
In Paris kam es zu Zwischenfällen.
Pedro Nunes / REUTERSNach Angaben des französischen Innenministeriums beteiligten sich landesweit 320 000 Personen an den Demonstrationszügen, davon 70 000 in Paris. In Marseille brannten Gegenstände auf der Strasse, woraufhin die Feuerwehr ausrückte. Auch in Rennes und Toulouse kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei. In Rennes warfen Unbekannte nach Angaben der Präfektur Geschosse in Richtung der Beamten.
Protestierende in Marseille.
Manon Cruz / ReutersMehr anzeigen
Zwischenfälle in Köln und Hamburg
Die deutschlandweiten Proteste unter dem Motto «Generation Z regelt» sind weitgehend friedlich verlaufen. In Köln und Hamburg kam es jedoch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
In Köln setzte die Polizei, nachdem Knallkörper geworfen worden waren, mehrfach Wasserwerfer ein und drängte Demonstranten zurück. Nach Angaben der Polizei habe es Verstösse gegen das Vermummungsverbot sowie eine Festnahme nach einem Angriff auf Polizeibeamte gegeben. Die Versammlungsleitung löste die angemeldete Kundgebung auf, nachdem sich Teile der Menge unerlaubt in Bewegung gesetzt hatten. In Hamburg warfen einzelne Teilnehmer Feuerwerkskörper und zündeten Baustellenmaterial an. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.
In Hamburg wurde Feuer entfacht.
Alexander Koerner / Getty Images EuropeRuhig blieb es in Berlin, wo sich nach Polizeiangaben im Höchststand rund 5000 Personen versammelten. In Frankfurt am Main bezifferte die Polizei die Zahl der Teilnehmer zuletzt auf 8000, während die Veranstalter von 9000 sprachen. In Düsseldorf und Magdeburg zogen jeweils mehrere hundert Personen friedlich durch die Innenstädte.
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Frankreich: Bislang 27 Festnahmen bei Grossdemonstrationen
Bei den angekündigten Grossdemonstrationen in Frankreich sind in der ersten Tageshälfte 27 Personen festgenommen worden. Am Samstag der Vorwoche waren es im gleichen Zeitraum bis 14 Uhr noch 217 Festnahmen gewesen, wie das französische Innenministerium mitteilte. Die Lage im ganzen Land sei bisher ruhig geblieben, nennenswerte Zwischenfälle habe es keine gegeben.
An den Kundgebungen am Vormittag hätten sich nach Angaben des Ministeriums 15 000 Personen beteiligt und damit weniger als die Hälfte im Vergleich zum vergangenen Samstagvormittag. Grosse Demonstrationszüge wie in Paris begännen allerdings erst am frühen Nachmittag.
Die Behörden blieben nach eigenen Angaben wachsam, besonders für den späten Nachmittag und mit Blick auf den Halloween-Abend. Die Haltung des Innenministers sei unverändert: Die Sicherheitskräfte würden gegen Urheber von Gewalt und Sachbeschädigungen mit grösster Entschlossenheit vorgehen.
Menschen protestieren gegen hohe Kosten und den schlechten Zustand des Bildungsstystems in Paris.
Teresa Suarez / APJugendproteste in ersten Städten in Deutschland und Frankreich gestartet
Die bundesweiten Jugendproteste sind angelaufen. Am frühen Nachmittag versammelten sich unter anderem in Berlin, Frankfurt am Main, Mainz, München, Nürnberg, Erfurt, Magdeburg, Dresden und Leipzig jeweils mehrere hundert Menschen.
Zu den friedlichen Kundgebungen in 34 Städten hat die Initiative «Gen Z regelt» aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie sowie Massnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten. Zudem verlangt sie mehr soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Eine Wehrpflicht und einen Ausbau staatlicher Überwachung lehnt die Initiative ab.
Revolution fordert der Absender dieses Ballons.
Manon Cruz / REUTERSWie viele Menschen am Ende teilnehmen, ist offen. Auf der Website der Initiative hatten bis zum Beginn um 14 Uhr mehr als 182 100 Menschen per Mausklick ihre Teilnahme zugesagt. Die bei den Behörden angemeldeten Teilnehmerzahlen liegen allerdings deutlich darunter.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · NZZ-Redaktion
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