Kündigung vor dem ersten Arbeitstag: Der Mann, der beim Traditionskonzern Rieter beinahe CEO wurde

Daniel Lippuner hätte diese Woche seine Stelle als Chef des Winterthurer Textilmaschinenherstellers antreten sollen. Stattdessen steht er nun als geldgieriger Industriemanager da.

08.11.2026, 05.30 Uhr

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2012 wurden bei Rieter in Winterthur noch Maschinenbauteile verschoben. Heute produziert der Traditionskonzern nicht mehr in der Eulachstadt.

«Haste Scheisse am Fuss, haste Scheisse am Fuss.» Diese weisen Worte stammen nicht von Konfuzius, sondern werden der deutschen Fussballlegende Andi Brehme zugeschrieben. Der Textilmaschinenhersteller Rieter beweist derzeit, dass diese Umformulierung von Murphys Law («Alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen») auch auf Unternehmen zutreffen kann.

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Daniel Lippuner, der Beinahe-CEO von Rieter.

Daniel Lippuner, der Beinahe-CEO von Rieter.

Dem krisengeplagten Traditionskonzern aus Winterthur misslingen derzeit selbst Selbstverständlichkeiten wie die Rekrutierung von Führungskräften. Diese Woche musste Rieter bekanntgeben, dass der designierte CEO Daniel Lippuner seinen Posten doch nicht antreten werde. Der Grund: «unüberbrückbare Differenzen» hinsichtlich seiner Vergütung, insbesondere seines Bonus.

Diese Kommunikation lässt Lippuner öffentlich als geldgierigen Industriemanager dastehen. Doch die Posse wirft auch ein schlechtes Licht auf Rieter selbst. Der Konzern, der von den erfahrenen Grossindustriellen Peter Spuhler und Martin Haefner kontrolliert wird, wirkt zunehmend orientierungslos und überfordert. Eine Zunahme der Nachfrage lässt seit Jahren auf sich warten. Nun sorgt das Personalchaos für zusätzliche Unruhe: Lippuner war erst Ende September als Nachfolger des glücklosen Thomas Oetterli angekündigt worden. Dieser hatte es trotz seiner Doppelfunktion als CEO und Verwaltungsratspräsident nicht geschafft, Rieter wieder auf Kurs zu bringen.

Georg Stausberg, der neue CEO von Rieter.

Georg Stausberg, der neue CEO von Rieter.

Anstelle von Lippuner, der sein Amt am 1. November hätte antreten sollen, übernimmt nun Georg Stausberg den CEO-Posten beim Traditionskonzern. Er war bisher CEO der Firma Barmag, die Rieter im Februar übernommen hatte. In der Ad-hoc-Mitteilung wird Stausberg über den grünen Klee gelobt und als eine der «profiliertesten Führungspersönlichkeiten der globalen Textilmaschinenindustrie» bezeichnet. Dumm nur, dass im Konzern nun jeder weiss, dass Stausberg hinter Lippuner eigentlich nur zweite Wahl war.

Aber wer weiss: Vielleicht ist es am Ende genau Notnagel Stausberg, der Rieter wieder auf die Erfolgsspur bringt. An Erfahrung mangelt es ihm jedenfalls nicht. Er ist seit mehr als drei Jahrzehnten in der internationalen Textilmaschinenindustrie tätig, den grössten Teil davon in der Oerlikon-Gruppe. Als Deutscher dürfte er zudem die eine oder andere Fussballweisheit kennen und deshalb wissen: «Das Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift.»

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Thomas Schlittler

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