Interview

Carmen Walker Späh: «Ich bin kein Harry Potter. Ich kann nicht einfach eine Steuersenkung aus dem Hut zaubern»

Der Wirtschaftskanton Zürich rutscht ab. Die Zürcher Regierungspräsidentin will nun einen neuen Anlauf bei den Unternehmenssteuern nehmen.

05.11.2026, 05.03 Uhr

11 Leseminuten


Carmen Walker Späh: «Die höchsten Steuern der Schweiz – das geht einfach nicht.»

Carmen Walker Späh: «Die höchsten Steuern der Schweiz – das geht einfach nicht.»

Karin Hofer / NZZ

Zürich ist wirtschaftlich gefordert. Kein Kanton verlangt von seinen Firmen höhere Steuern, gleichzeitig wandern alteingesessene  Unternehmen wie die Bank Vontobel ab. Nun zeigen neue Berechnungen des Bundesamts für Statistik, dass Zürich beim Bruttoinlandprodukt (BIP) deutlich hinter andere Kantone zurückgefallen ist.

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Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin und Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP) nimmt zu den Entwicklungen Stellung.

Frage: Frau Walker Späh, der Kanton Zürich schwächelt: Pro Einwohner gerechnet, ist seine Wirtschaft von 2011 bis 2024 praktisch nicht gewachsen. Fast alle anderen Kantone sind davongezogen. Was ist passiert?

Antwort: Der Bund hat die Methodik zur Berechnung des BIP geändert. Nun haben einige kleine Kantone offenbar eine massiv höhere Wirtschaftsleistung – teilweise bis zu 50 Prozent mehr. Der Zürcher Regierungsrat ist erstaunt darüber. Wir werden die statistischen Grundlagen, die vom Bundesamt für Statistik noch nicht veröffentlicht sind, kritisch analysieren. Insgesamt muss man aber auch die Relationen wahren.

Frage: Sie sagen: Alles halb so schlimm?

Antwort: Das BIP pro Einwohner im Kanton Zürich liegt noch immer fast 10 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt. Schaut man sich das gesamte BIP an, ist der Kanton Zürich mit seinen 167 Milliarden Franken mit grossem Abstand auf dem ersten Platz. Aber selbstverständlich haben wir Herausforderungen. Der Bankensektor, unser Zugpferd in Sachen Produktivität, hat seit der Finanzkrise schwierige Jahre hinter sich. Während Pharma oder Rohstoffhandel, die in anderen Kantonen stark sind, derzeit boomen. Zudem hat der Kanton Zürich relativ wenige Grenzgängerinnen und Grenzgänger, was sich vor allem auf das BIP pro Kopf auswirkt.

Frage: Sogar strukturschwache Kantone wie Baselland oder der Jura haben Zürich deutlich überholt. In Schaffhausen ist das BIP pro Einwohner 50 Prozent grösser als im Kanton Zürich. Dieser wächst nur noch über die Zuwanderung. Das muss Sie beunruhigen.

Antwort: Eine bereits grosse Wirtschaft hat es in der Regel schwerer, stark zu wachsen als eine kleine. Die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt ist nicht das Problem: Wenn Sie sich die Kantone anschauen, wo das BIP pro Einwohner am stärksten zugenommen hat, wie etwa Genf, Zug oder Basel-Stadt, sind das alles Kantone mit einem höheren relativen Zuwanderungswachstum als Zürich.

Frage: Speziell unattraktiv ist der Kanton Zürich ausgerechnet als Finanzplatz: Mit Vontobel und Cembra haben zwei wichtige Banken angekündigt, in die Nachbarkantone Zug und Aargau zu ziehen. Wieso konnten Sie diese Abgänge nicht verhindern?

Antwort: Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich hätte mir gewünscht, dass gerade die traditionsreiche Zürcher Bank, also Vontobel, im Vorfeld mit uns das Gespräch gesucht hätte, aber das war nicht der Fall.

Frage: Sie haben den Steuerausfall durch die beiden Wegzüge auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert.

Antwort: Ja, bei Vontobel sind es rund 80 Millionen Franken pro Jahr nur für den Kanton und bei Cembra 45 Millionen Franken für alle drei Staatsebenen. Das schmerzt.

Frage: Was war aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für die beiden Wegzüge?

Antwort: Wir müssen ehrlich sein: Die zu hohen Unternehmenssteuern im Kanton Zürich haben wohl eine grosse Rolle gespielt.

Frage: Zürich verlangt von allen Kantonen am meisten.

Antwort: Richtig, und wie Sie wissen, hat das Volk erst letztes Jahr eine Senkung abgelehnt. Wegzüge sind eine Folge dieses Neins.

Frage: Was heisst das für den Finanzplatz als Ganzes?

Antwort: Die Wegzüge sind bedauerlich, aber wir dürfen die Dimensionen nicht aus den Augen verlieren. Der Finanzplatz ist nach wie vor sehr stark. Jeder zweite Franken in der Schweizer Finanzwirtschaft wird im Kanton Zürich verdient. Die Bruttowertschöpfung des Finanzsektors in unserem Kanton liegt bei 30,4 Milliarden Franken. Im Kanton Zug, mit dem wir ja gerne verglichen werden, liegt sie bei 1,7 Milliarden Franken. Und im Zürcher Finanzsektor gibt es 92 100 Arbeitsplätze, im Kanton Zug sind es 7600.

Frage: Sie hören sich an wie der Stadtzürcher Finanzverantwortliche Daniel Leupi von den Grünen. Dieser sagte im NZZ-Interview, dass die Aufregung über die Wegzüge «teilweise übertrieben» sei.

Antwort: Ich bin zutiefst besorgt über die Abgänge. Aber, und das dürfen wir nicht vergessen: Ein erfolgreicher Standort lebt auch von seiner Dynamik. Es gibt Wegzüge, es gibt aber auch Zuzüge und vor allem Neugründungen. Seit 2013 ist die Zahl der aktiven Unternehmen im Kanton um 13 Prozent gestiegen, auf 110 000. Die meisten Unternehmen, 82 Prozent, sind zufrieden mit dem Standort Zürich. Das hat eine aktuelle Umfrage gezeigt, welche wir durchgeführt haben.

Frage: Das heisst, jedes fünfte Unternehmen ist nicht zufrieden.

Antwort: Und wir haben sie gefragt weshalb: Es sind vor allem zwei Problempunkte. Erstens das Kostenumfeld und zweitens die Steuern.

Frage: Ihre Studie besagt noch etwas anderes: Jedes vierte Unternehmen überlegt sich einen Wegzug. Das ist ein sehr hoher Wert, und die Überlegungen sind nicht nur Theorie, wie Vontobel und Cembra vorgemacht haben.

Antwort: Das ist ein hoher Wert, und er beunruhigt mich. Gleichzeitig müssen wir uns schon auch bewusst sein, dass sich alle Unternehmen heute ständig Überlegungen zu ihrem Status quo machen müssen: Biete ich noch die richtigen Produkte an? Beschäftige ich Mitarbeitende mit den richtigen Fähigkeiten? Und: Bin ich noch am richtigen Standort? Der Wettbewerbsdruck auf die Unternehmen ist überall sehr gross, deshalb sind solche Evaluationen für Unternehmen zwingend.

Frage: Wir hören, dass der Kanton an einer Neuauflage eines Steuerpakets für Unternehmen arbeitet. Können Sie das bestätigen?

Antwort: Korrekt. Die Regierung ist davon überzeugt, dass es einen neuen Anlauf für tiefere Unternehmenssteuern braucht, und wir glauben auch, dass es eine Paketlösung sein muss. Wir müssen also auch den Privatpersonen etwas anbieten.

Frage: Zum Beispiel bei der Krippenfinanzierung?

Antwort: Oder generell in den Bereichen Familie oder Soziales.

Frage: Im interkantonalen Vergleich lag der Kanton Zürich bei den Unternehmenssteuern einst im Mittelfeld. Jetzt steht er ganz am Schluss. Welches Ziel soll er anstreben? Wieder in die Mitte? Oder an die Spitze?

Antwort: Der Kanton Zürich trägt grosse Zentrumslasten und wird allein deshalb nie an die Spitze kommen – und das müssen wir auch nicht, um attraktiv zu sein. Aber wir sollten wieder wettbewerbsfähiger werden und ins Mittelfeld kommen. Die höchsten Steuern der Schweiz – das geht einfach nicht.

Frage: Läuft Ihnen dabei nicht die Zeit davon? Im April werden Parlament und Regierung neu gewählt, dann sind andere am Ruder – und die Mehrheiten im Parlament liegen vielleicht anders als heute.

Antwort: Ich bin kein Harry Potter, ich kann nicht einfach eine Steuersenkung aus dem Hut zaubern. Das braucht seine Zeit. Wir müssen eine Lösung finden, die breit abgestützt ist. Sicher ist, dass es auch eine Entlastung für die Privaten geben soll. Derzeit prüft der Kanton solche Lösungen. Ich begrüsse, dass es auch im Kantonsrat fraktionsübergreifende Bestrebungen gibt.

Frage: Wie konnten Sie es zulassen, dass der Kanton Zürich bei den Unternehmenssteuern so abgerutscht ist? Wieso haben Sie da nicht früher eingegriffen?

Antwort: Die Regierung hat ja eingegriffen und einen Vorschlag eingebracht. Leider konnte dann die Variante, die an die Urne kam, das Volk nicht überzeugen.

Frage: Es gab auch davor eine schleichende negative Entwicklung. Der Kanton hätte früher eingreifen sollen, oder nicht?

Antwort: Das sei dahingestellt. Uns ist es wohl sehr lange sehr gut gegangen.

Frage: Es fehlte der Leidensdruck?

Antwort: Ja, im Gegensatz zu anderen Kantonen. Das führte zu einer gewissen Erosion der Wettbewerbsfähigkeit. Trotzdem ist der Kanton Zürich sehr attraktiv, das zeigen die zahlreichen hochkarätigen Ansiedlungen, die Dynamik in der Transformation hin zu einem Wirtschaftsstandort mit zukunftsfähigen Branchen. Und nicht zuletzt die hohen Steuereinnahmen der letzten Jahre.

Frage: Schön und gut, aber die Steuereinnahmen von heute sind die Unternehmensgewinne von gestern. Entscheidend ist doch, was in der Zukunft passiert, und diese Aussichten sind weit weniger rosig.

Antwort: Bei den Unternehmenssteuern sind wir uns einig, wie gesagt. Aber es gibt auch noch andere Herausforderungen, etwa bei der Bankenregulierung.

Frage: Dort kritisieren Sie vor allem die strengen Eigenkapitalvorschriften für die UBS. Sie haben sich deswegen mit einem Brief an Ihre Parteikollegen in Bundesbern gewendet. Was wären die Folgen im Worst Case, also bei einem Wegzug der UBS?

Antwort: Das wäre eine Katastrophe, aber nicht nur für Zürich, sondern für die ganze Schweizer Volkswirtschaft. Dabei geht es nicht nur um Steuereinnahmen. Stellen Sie sich vor, was das für unsere inländischen Unternehmen bedeuten würde, wenn wir die letzte grosse internationale Bank verlieren würden.

Frage: Allerdings dürfen weder Zürich noch die Schweiz das Risiko aus den Augen verlieren, dass wir vielleicht wieder eine Too-big-to-fail-Bank retten müssen. Ihre Parteikollegin Karin Keller-Sutter will genau dies mit einer strengen Eigenkapitalregel verhindern.

Antwort: Man kann nicht alle Risiken wegregulieren. Es ist im Übrigen auch ein erhebliches Risiko für unser Land, wenn wir die UBS verlieren. Es ist niemandem gedient, wenn wir der Bank so starke Fesseln anlegen, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüsst. Deshalb braucht es eine Lösung mit Augenmass, wie sie die Finanzplatzkantone Zürich, Genf und Tessin fordern.

Frage: Neben den Steuern sind die hohen Kosten ein grosses Problem für die Unternehmen. Andere Kantone unterstützen ihre Unternehmen mit Direktzahlungen.

Antwort: Ja, Basel-Stadt investiert 150 bis 500 Millionen Franken jährlich, in den Kantonen Luzern und Zug gibt es Steuergutschriften oder direkte Finanzhilfen von bis zu 150 Millionen Franken pro Jahr.

Frage: Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Antwort: Diese Instrumente wirken vielleicht kurzfristig, aber langfristig sind sie der falsche Weg. Subventionen schaffen Abhängigkeiten und nehmen unternehmerische Freiheit. Wir punkten mit unseren Standortbedingungen wie der hohen Lebensqualität, den attraktiven Infrastrukturen wie dem öV und unserem Landesflughafen, den Weltklasse-Talenten. Ausserdem fehlt uns nur schon der Fördertopf für eine solche Massnahme.

Frage: Den kann man schaffen.

Antwort: Dafür braucht es aber den politischen Willen, und diesen erkenne ich nicht. Der Regierungsrat ist der Meinung, dass wir da nicht mitmachen sollen. Wir wollen lieber unser Potenzial noch besser nutzen, etwa die Nähe zur Universität Zürich, zur ETH und zu unseren Fachhochschulen oder zum Innovationspark Zürich in Dübendorf.

Frage: In Zürich haben sich viele Technologiefirmen angesiedelt: Google, Meta, Apple, Amazon oder Anthropic, zum Beispiel. Kann Tech den Finanzplatz ersetzen?

Antwort: Die Tech-Unternehmen sind sehr wichtig und zukunftsfähig, aber sie ergänzen den Wirtschaftsstandort, sie verdrängen den Finanzplatz nicht. Jedes Unternehmen braucht eine Bank und eine Versicherung. Die Technologieunternehmen haben den Standort diversifiziert, und das war nach der Finanzkrise ein zentrales Anliegen für uns. Auch dank ihnen ist der Kanton Zürich heute ein weltweit führender KI-Standort.

Frage: Die kantonale Verwaltung wächst rasant – von 2019 bis 2024 um 6000 neue Vollzeitstellen. Vergangenes Jahr kamen noch einmal 1000 hinzu. Insgesamt sind es bereits über 52 000 Stellen. Weshalb ist die Zürcher Regierung unfähig, das Wachstum zu stoppen?

Antwort: Das Hauptwachstum liegt in Bereichen, wo die Nachfrage real ist: im Bildungs- und Gesundheitswesen. Aber auch sonst erhält der Kanton immer mehr Aufgaben zugeteilt. Das Parlament gibt uns Auftrag um Auftrag, jeden Montag kommen im Kantonsrat mehr hinzu. In der Gesellschaft herrscht seit Corona eine Art «Vollkasko-Mentalität»: Der Nanny-Staat soll für alles da sein und jede Krise abfedern. Nach einem Ereignis fragt man nicht mehr zuerst: Was kann ich selber tun? Sondern: Was macht der Staat für mich? Das ist eine ungesunde Entwicklung, die mir mehr Sorge bereitet als der Erfolg anderer Kantone.

Frage: Die Zürcherinnen und Zürcher sollten sich mehr John F. Kennedy vor Augen führen?

Antwort: Ja, denn sonst überfordern wir das Staatswesen. Der Kanton muss immer mehr Aufgaben erfüllen und das in Perfektion. Man muss sich bewusst sein: Wer Aufgaben bestellt, bestellt auch Stellen. Und sind diese Stellen einmal da, bringt man sie fast nicht mehr weg, selbst wenn die Aufgabe erfüllt ist.

Frage: Sie zielen auf das Parlament und die Gesellschaft. Aber der Regierungsrat muss doch nicht für jede neue Aufgabe zusätzliche Stellen sprechen. Er könnte sie auch mit dem bestehenden Personalbestand erfüllen.

Antwort: Dann müssten wir andere Leistungen abbauen. Das ist politisch schwierig.

Frage: Sie sagen, die Zürcher Kantonsverwaltung arbeitet maximal effizient?

Antwort: Kein System ist maximal effizient. Aber es stört mich, wenn man der Verwaltung pauschal Ineffizienz unterstellt. Sie muss deutlich höhere Standards erfüllen als die Privaten. Was ich mir vermehrt wünsche, sind Gesetze mit Befristungen, sogenannten Sunset Clauses. Wir haben das in meiner Direktion etwa mit dem Taxigesetz umgesetzt. Auch sonst erwarte ich von jedem Regierungsratsmitglied, dass es in seiner Direktion Verantwortung übernimmt und sparsam mit den öffentlichen Geldern umgeht.

Frage: Reicht das? Ist die Zeit nicht reif für eine umfassende, direktionsübergreifende Verwaltungsreform?

Antwort: Der frühere Bundeskanzler Walter Thurnherr hat gesagt, dass die fortschreitende Digitalisierung automatisch zu einer Verwaltungsreform führt. Jeder bestehende Prozess wird hinterfragt: Braucht es ihn noch, geht es effizienter? Die KI bringt noch mehr Beschleunigung. Ich begrüsse das sehr. Aber es ist ein Hosenlupf.

Frage: Zurzeit scheint es eher so, dass die Digitalisierung die Kantonsverwaltung noch mehr aufbläht.

Antwort: Digitalisierung kostet am Anfang, bringt mittelfristig aber mehr Effizienz. Aber ich muss betonen: Die kantonale Verwaltung ist kein agiles Startup-Unternehmen, sondern ein komplexer Konzern mit enorm breitem Aufgabenfeld. Der Staat erledigt den gesetzlichen Auftrag des Parlaments und des Volkes. Wir müssen stets auch an jene denken, die technologisch noch nicht so weit sind.

Frage: Sie sind als Volkswirtschaftsdirektorin sehr nahe an den Firmen dran und kennen ihre Sorgen. Ein Unternehmen kann nicht einfach jährlich Hunderte neue Stellen schaffen wie der Staat. Es muss jeden Rappen umdrehen. Verstehen Sie den Unmut gewisser Firmen?

Antwort: Den Unmut verstehe ich gut. Ich habe auch einmal ein KMU geführt, habe AHV-Rechnungen bezahlt und Mehrwertsteuerkontrollen über mich ergehen lassen. Aber der Staat ist kein KMU. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Es entbindet uns aber nicht davon, die verlangten Leistungen so effizient wie möglich anzubieten.

Frage: Auch Ihre Direktion ist gewachsen, seit 2019 kamen rund fünfzig neue Stellen hinzu.

Antwort: Das sind vor allem Stellen, die in den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren angefallen sind aufgrund der höheren Anzahl Stellensuchender sowie im Vollzug des neuen kantonalen Taxigesetzes. Wir sind so schlank aufgestellt wie möglich.

Frage: Ihre Partei, die FDP, fordert eine Personalbremse für die Verwaltung. Auf Bundesebene sind ähnliche Pläne im Schwung. Was halten Sie von solchen Ideen?

Antwort: Was ich ein gutes Instrument finde, ist die sogenannte Regulierungsfolgenabschätzung. Sie zeigt auf, welche Auswirkungen ein geplanter kantonaler Erlass auf Unternehmen und den Wirtschaftsstandort hat. Das schafft Transparenz.

Frage: Aber das bremst das Stellenwachstum in der Verwaltung wohl kaum . . .

Antwort: Wenn man sparen will, muss man ehrlich sagen, auf welche staatlichen Aufgaben und Leistungen man verzichten will. Ich habe in meinen Anfangsjahren im Regierungsrat eine grosse Leistungsüberprüfung erlebt: Sobald es konkret wurde, war der politische Widerstand riesig. Wir müssen über die Aufgaben reden, nicht nur über die Stellenprozente. Das ist die ehrliche Diskussion.

Frage: Die Bank Vontobel hat ihren Wegzug ausdrücklich damit begründet, dass sie in der Stadt Zürich keinen Platz für einen Ausbau gefunden habe. Hätten Sie im Kanton aushelfen können?

Antwort: Wenn Vontobel rechtzeitig zu uns gekommen wäre, hätten wir eine Lösung gefunden – gemeinsam mit der Stadt Zürich oder innerhalb des Kantons. So wie es zum Beispiel bei Hitachi Energy gelungen ist, die nun in Otelfingen einen neuen Campus baut. Vor allem ausserhalb der Stadt Zürich gibt es Flächen, die man noch entwickeln kann. Für Vontobel hätten wir alle Hebel in Bewegung gesetzt. Wir lassen keine Firma im Regen stehen. Ich bedaure es ausserordentlich, dass ich diese Chance nicht erhalten habe.

Frage: Ist die Stadt Zürich das Problem? Dort wird Bauland vor allem für Wohnungen reserviert.

Antwort: Das Bauland ist generell knapp. Wir haben im Kanton nur noch 1880 Hektaren an unbebautem Bauland. Wir müssen deshalb mehr im Bestand bauen, gegen innen verdichten, Verfahren beschleunigen, Einsprachen mindern, höher bauen, Gewerbezonen flexibilisieren. Und das nicht nur in der Stadt Zürich, sondern überall im Kanton.

Frage: Die Gemeinden rund um den Flughafen haben sich zu einer neuen Region zusammengeschlossen: «New Zurich». Ist das eine ernst zu nehmende Konkurrenz zur Stadt, wo es für Unternehmen immer schwieriger wird, sich zu entwickeln?

Antwort: Ich finde diese Initiative hervorragend. Im Kanton hat es Raum für einen weiteren grossen Wirtschaftsstandort. Die Flughafenregion hat mit dem Flughafen und dem Innovationspark Zürich enormes Potenzial.

Frage: Geht das auf Kosten der Stadt Zürich?

Antwort: Es ist doch positiv, wenn eine Region ambitioniert, hungrig ist. Konkurrenz belebt das Geschäft. Als Präsidentin der Greater Zurich Area sage ich auch: Wir müssen grossräumig denken – über Gemeindegrenzen hinweg, als ganzer Wirtschaftsraum. Am Ende ist es entscheidend, dass Wertschöpfung in der Region und in der Schweiz bleibt.

Frage: Frau Walker Späh, in welchem Zustand übergeben Sie die Zürcher Volkswirtschaft nach Ihrer Amtszeit im kommenden Frühjahr?

Antwort: Ich hinterlasse einen attraktiven, krisenresistenten Wirtschaftsstandort. Darauf bin ich stolz. Wir haben etwa beim Innovationspark, bei KI und bei den Rahmenbedingungen Enormes angestossen. Die Herausforderungen bei Steuern, Kosten und Regulierung bleiben gross. Aber auf dem starken Fundament des Kantons Zürich kann man bauen.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Zeno Geisseler, Daniel Fritzsche

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