Humanitäre Krise im Sudan Hunger im Tschad: Immer mehr vertriebene Kinder sind unterernährt

Über 930'000 sudanesische Geflüchtete leben im Tschad. Ihr Überleben hängt massgeblich von der humanitären Hilfe ab.

29.10.2026, 07:08

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Im Flüchtlingslager Aboutengué im Osten des Tschads erhalten seit Anfang Oktober vier von fünf Geflüchteten keine Nahrungsmittelhilfe mehr. Das Welternährungsprogramm (WPF) hat seine Hilfe aufgrund fehlender Gelder massiv zurückgefahren. Davon betroffen sind knapp 50'000 Menschen im Lager. 90 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Sie sind von der Miliz Rapid Support Forces (RSF) aus Darfur im Sudan vertrieben worden.

Legende: Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der unterernährten Kinder im Flüchtlingslager Aboutengué im Tschad verdoppelt. SRF

Seit April 2023 kämpfen im Sudan die sudanesische Armee SAF gegen die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Die RSF-Miliz, die auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt wird, hat im Westen des Sudans die nicht-arabische Bevölkerung massakriert und vertrieben. Human Rights Watch spricht von ethnischen Säuberungen mit zehntausenden von Toten. Die Überlebenden flüchteten in den Tschad.

Weniger humanitäre Hilfe

Im Lager Aboutengué unterstützten UNO-Institutionen und Ärzte ohne Grenzen die Geflüchteten. Die Hilfsorganisationen stellen die medizinische Versorgung, die sanitären Infrastrukturen und die Nahrungsmittelversorgung im Lager sicher. Doch das Welternährungsprogramm (WFP) musste seine Hilfe im letzten Jahr schrittweise abbauen. Ab Januar 2026 erhielten die Geflüchteten nur noch umgerechnet elf Franken im Monat für Lebensmittel. Seit Anfang Oktober wurde diese Resthilfe für 80 Prozent der Geflüchteten gestrichen.

Legende: Der Pflegeleiter eines Ernährungszentrums gibt den Kindern eine kalorienreiche Erdnusspaste. Er sagt, die fehlende Unterstützung spüre man stark. srf

Der Grund sind fehlende Gelder. Die USA, bisher einer der grössten Geldgeber im Tschad, strichen ihre Auslandshilfe um mehr als die Hälfte. Aber auch europäische Länder wie Frankreich und Deutschland haben ihre humanitären Hilfen drastisch reduziert.

Immer mehr unterernährte Kinder

In der Ernährungsstation von Ärzte ohne Grenzen werden die Folgen dieser politischen Entscheidungen sichtbar. Es müssen immer mehr Kinder wegen Unterernährung behandelt werden. Laut Zahlen von Ärzte ohne Grenzen hat sich die Zahl der unterernährten Kinder in ambulanter Behandlung seit Januar etwa verdoppelt, von rund 125 auf über 270 pro Woche.

Das bestätigt auch die sudanesische Ärztin Fatima Abdulkadir: «Die Mittel der UNO‑Institutionen wurden gekürzt. Das macht sich hier im Spital deutlich bemerkbar. Wir haben viele Fälle von Unterernährung.»

Die Kinder sind zwischen sechs Monaten und fünf Jahren alt. Sie werden gemessen, gewogen und medizinisch untersucht. Damit sie wieder zu Kräften kommen, erhalten sie eine kalorienreiche Erdnusspaste.

Die Verzweiflung ist gross

Die Ernährungssituation im Lager wird sich in den kommenden Wochen weiter verschärfen. Aufgrund der relativ trockenen Regenzeit wird die Ernte knapp ausfallen. Gafar Abakar, selbst sudanesischer Flüchtling und Infektionspräventionsleiter im Lager, ist besorgt: «Bitte lasst die Menschen hier nicht verhungern. Versucht, ihnen zuzuhören und zu helfen. Sie brauchen nicht viel, nur das, was zum Überleben nötig ist: Essen und Trinken. Das ist alles, was sie brauchen.»

Die Geflüchteten haben den Krieg im Sudan überlebt. Ob sie auch den Hunger überstehen, hängt davon ab, wie viel Hilfe noch ankommt.

Angesichts der alarmierenden Verschärfung der Ernährungskrise im Sudan ruft die Glückskette zu Spenden auf und organisiert heute, Donnerstag, 29. Oktober, gemeinsam mit der SRG einen nationalen Solidaritätstag für die vom Krieg und Hunger betroffenen Menschen.

Millionen Menschen sind auf lebenswichtige humanitäre Hilfe angewiesen, doch den Hilfsorganisationen fehlen zunehmend die Mittel, um diese zu leisten. Von 7 bis 23 Uhr werden unter der Gratisnummer 0800 87 07 07 Spendenzusagen entgegengenommen. Online kann auf glueckskette.ch gespendet werden

SRF 4 News, 22.10.2026, 8 Uhr; noes

Source: SRF · Andrin Owassapian

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