Gipfelabschluss in Montreal Die EU und Kanada wollen eine «Allianz für die Zukunft» schmieden

Der EU-Kanada-Gipfel ist zu Ende. Die EU-Seite beschreibt ihn als einen der wichtigsten, den man je durchgeführt habe.

30.10.2026, 19:30

Die EU und Kanada würden mit dem Gipfel gemeinsam eine Reise starten, aber man solle bitte noch nicht festlegen, wo diese hingehe. So hat es ein hoher EU-Beamter im Vorfeld formuliert. Das klingt nach Abenteuer und nach Chancen. Klar ist: Die EU und Kanada wollen näher zusammenrücken.

Für Kanada geht es darum, seine strategischen Partnerschaften zu diversifizieren. Wirtschaftlich ist das Land stark auf die USA ausgerichtet: Etwa drei Viertel seiner Exporte gingen in der Vergangenheit dorthin. Weil sich Kanada dem Druck aus Washington nicht beugen wollte, hat US-Präsident Donald Trump hohe Zollsätze verhängt. Je nach Wirtschaftszweig betragen sie bis zu 100 Prozent. Ersetzen kann die EU den Exportmarkt USA nicht, aber sie kann die Folgen des Zollkonflikts für Kanada abmildern.

Seltene Erden und gemeinsame Sicherheit

Die EU ihrerseits ist an Kanada als Lieferant von Seltenen Erden interessiert. Mithilfe europäischer Investoren in Kanada will die Union ihre Lieferketten diversifizieren und wäre weniger von China abhängig. Allerdings wird die Erschliessung dieser kanadischen Vorkommen Zeit und Geld brauchen.

Auch im Bereich der Ukraine-Unterstützung will man mit Kanada enger zusammenarbeiten. Im Bereich der Rüstung, in der Arktis-Politik, bei der Forschungszusammenarbeit oder beim Studierendenaustausch wollen Kanada und die EU zusammenrücken. Ein neues Abkommen zum digitalen Handel soll Transaktionen im Web erleichtern.

Vor allem aber sehen sich Brüssel und Ottawa als verlässliche Partner. Man teile dieselben Werte und wolle an einem regelbasierten Miteinander festhalten, in einer Welt, die zunehmend von Grossmachtinteressen Chinas, Russlands und der USA geprägt ist.

Legende: EU-Ratspräsident António Costa (links), Kanadas Premierminister Mark Carney (Mitte) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (rechts) trafen zum letzten Tag des EU-Kanada-Gipfels in Montreal zusammen. (30.10.2026) EPA/ROGER LEMOYNE

Der kanadische Premier Mark Carney erklärte zum Abschluss des Gipfels, die EU und Kanada lancierten die «Allianz für die Zukunft». Es gehe um Souveränität und den Aufbau der Industrie und Infrastruktur, die die kollektive Sicherheit unterstreichen würden.

Eher unwahrscheinlich bleiben eine Marktintegration, Personenfreizügigkeit oder eine weitgehende gegenseitige Marktöffnung. Die kanadischen Regeln sind auf den US-Markt ausgerichtet – und dürften das vorderhand auch bleiben. Auch deshalb hat Kanada auf das Angebot der «assoziierten Mitgliedschaft» aus Europa zurückhaltend reagiert. Zielsetzung sei nun eine immer engere Assoziation Kanadas an die EU ohne Vollmitgliedschaft, heisst es in der Schlusserklärung.

«Europäischstes Land ausserhalb Europas»

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagt zur erneuerten Partnerschaft, Kanada sei das europäischste Land ausserhalb Europas. Europa und Kanada wollen also mehr voneinander. Vieles davon ist noch Anspruch und muss erst mit Inhalt gefüllt werden.

Ein wenig «Uncharted Territory» nannte ein EU-Beamter die Partnerschaft – «unkartiertes Gebiet». Das klingt dann auch nach Aufbruch und Ambitionen. Aber es beschreibt die politischen Herausforderungen, die mit dem engeren Zusammengehen verbunden sind, wohl deutlich realistischer als die Vorstellung einer assoziierten Mitgliedschaft.

Wohin die gemeinsame Reise geht, ist also noch offen.

Source: SRF · Matthias Strasser

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