Gefährdete Fischart Wie der Seesaibling im Zürichsee überleben kann

Die Laichplätze sind für den Seesaibling, den Rötel, im Zürichsee rar geworden. Nun will ein Forscherteam der ZHAW Abhilfe schaffen. Mit künstlich angelegten Laichplätzen will sie ihn wieder zurückholen.

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Gil Adolph und Mathias Sigrist von der ZHAW stehen auf einem Boot auf dem Zürichsee bei Meilen. Der Student der Umweltnaturwissenschaften und der Projektleiter sind mit einer Messstation beschäftigt, die auf dem Seegrund etwa die Wassertemperatur und die Strömung misst. Sie liefert Daten für Gil Adolphs Semesterarbeit, die sich dem Projekt zur Rettung der Seesaiblinge widmet.

Legende: ZHAW-Student Gil Adolph (links) und Mathias Sigrist versenken die Messstation im Zürichsee, von wo sie wichtige Daten liefert. SRF/Fanny Kerstein

Etwa 50 Meter unter dem Wasser wird die Station platziert. Sie muss stabil und gerade stehen. Das sei wichtig, sagt Gil Adolph: «Denn wenn der Strömungsmesser nicht frei steht, sind die Daten einfach falsch, die er aufzeichnet.»

Dass das Forscherteam die Messstation gerade an diesem Ort im See versenkt, ist kein Zufall. Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften untersucht in einem Projekt im Zürichsee, ob sie den Seesaibling mit sogenannten Kiesschüttungen retten kann.

Unterwasseraufnahme eines Fisches über steinigem Boden.
Legende: Bei der Halbinsel Au im Zürichsee haben sich bereits Seesaiblinge gezeigt. ZHAW

Der Seesaibling, der wegen seiner roten Färbung auch Rötel genannt wird, ist in der Schweiz heimisch und kann bis zu 75 Zentimeter lang werden. Er gehört zur Familie der Lachsfische und zählt zu den gefährdeten Fischarten.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat ihn auf seiner Roten Liste aufgeführt. Er braucht kaltes Wasser und einen sauberen, kiesigen Untergrund, wo er ablaichen kann. Doch geeignete Laichplätze sind laut ZHAW rar.

Die Hochschule will den natürlichen Fortbestand im Zürichsee fördern – mit künstlich aufgeschütteten Laichgründen. Derzeit werden auch junge Fische aus der Fischzucht des Kantons ausgesetzt.

Im November 2025 fanden im Rahmen des Hochschulprojekts zwei Kiesschüttungen im Zürichsee statt: bei der Halbinsel Au und vor Meilen. So will die ZHAW die natürliche Fortpflanzung der Saiblinge fördern. Die Orte hat die ZHAW ausfindig gemacht, indem sie vorgängig etwa die Temperatur und den Sauerstoffgehalt untersucht hat. Und: Die Eier der Seesaiblinge sollten dort überlebensfähig sein.

Damit die Eier in Hohlräume rutschen können

Für die Fortpflanzung benötigt der Fisch nämlich groben, sedimentfreien Kies. Laut ZHAW können damit die Eier in die Hohlräume rutschen und sind dort von Laichräubern wie der Trüsche geschützt. Ebenso sollen sie gute Sauerstoffverhältnisse vorfinden. Ob diese Massnahmen Erfolg zeigen, untersucht die Hochschule laufend, etwa mit Unterwasserkameras.

Umweltingenieur Mathias Sigrist leitet das Forschungsprojekt der ZHAW. Er sagt: «In der Vergangenheit sind viele Laichplätze für Seesaiblinge wegen Sedimentablagerungen verschwunden.» Frischer Kies komme auf natürlichem Weg kaum mehr in den See.

Erste positive Resultate

Ob der Seesaibling seine Eier tatsächlich in den neuen Kiesaufschüttungen ablegt, ist zwar noch unklar. «Aber es gibt erste positive Resultate», sagt Mathias Sigrist. «Wir haben regelmässig Seesaiblinge auf unseren Aufnahmen gesehen.» Allerdings handle es sich um Einzeltiere, und die Forscher hätten auch noch keine Paarbildung oder Reproduktion beobachten können.

So arbeiten die Forscher der ZHAW

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  • Bild 1 von 7. ZHAW-Student Gil Adolph (links) und Projektleiter Mathias Sigrist versenken eine Messstation im Zürichsee. Diese überprüft, ob gute Bedingungen für den Seesaibling herrschen. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

  • Bild 2 von 7. Eineinhalb Stunden brauchen die Forscher für ihren Einsatz auf dem Zürichsee bei Meilen – über der Kiesschüttung für den Seesaibling. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

  • Bild 3 von 7. Mit einer Unterwasserdrohne überprüft das Projektteam, ob die Messstation richtig positioniert ist. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

  • Bild 4 von 7. Die Drohne liefert den Forschern Bilder. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

  • Bild 5 von 7. Steuern lässt sich die Drohne vom Schiff aus. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

  • Bild 6 von 7. An dieser Boje ist die Messstation mit einem Seil gesichert. Ein Zettel weist darauf hin, dass die Boje zu einem Forschungsprojekt der ZHAW gehört und man das Seil in Ruhe lassen soll. Wird am Seil gezogen und fällt die Messstation um, sind die Daten unbrauchbar. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

  • Bild 7 von 7. ZHAW-Student Gil Adolph wertet die Daten, die von der Messstation stammen, am Computer aus. Bildquelle: SRF/Fanny Kerstein.

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Mathias Sigrist ist dennoch zufrieden mit den ersten Ergebnissen der Forschung. «Wir mussten relativ lange auf einen Seesaibling warten. Als wir ihn dann aber beobachten konnten, kam grosse Freude auf.» Nun hofft Mathias Sigrist, dass sich die Fische auch tatsächlich paaren. «Und dass unsere Bemühungen nützen.»

Beispiel Genfersee lässt hoffen

Eineinhalb Stunden dauert der Einsatz auf dem Zürichsee. Meistens blieben die Forscher länger als geplant, etwa wenn sich ein Seil des Messgeräts verheddert. «Verleidet ist es mir noch nie», sagt Mathias Sigrist und lacht. Er ist zuversichtlich, dass der Seesaibling wieder hier leben kann. Permanent warme Winter könnten zwar problematisch sein. «Doch der Zürichsee ist tief und es gibt kaltes und sauerstoffreiches Wasser», sagt er.

Die ZHAW will die Schüttung langfristig überwachen und – falls nötig – alle vier, fünf Jahre sauberen Kies nachschütten – sodass sich der Rötel selbstständig fortpflanzen kann.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 21.10.2026, 17:30 Uhr ;  ante;buec;brus

Source: SRF · 27.10.2026, 10:20

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