Fragwürdige «Schwulen-Heiler»: Doch kein Verbot von Konversionstherapien im Kanton Zürich

Über die Vorlage war in mehreren Parteien Streit entbrannt. Jetzt landet sie ohne Parlamentsdiskussion in der Schublade.

30.10.2026, 10.14 Uhr

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Jeder und jede zehnte Homosexuelle in der Schweiz war schon Bemühungen ausgesetzt, die auf die Änderung ihrer sexuellen Orientierung abzielten.

Jeder und jede zehnte Homosexuelle in der Schweiz war schon Bemühungen ausgesetzt, die auf die Änderung ihrer sexuellen Orientierung abzielten.

Andreas Becker / Keystone

Das Verbot von Konversionstherapien im Kanton Zürich ist vom Tisch. Die Vorlage sollte es selbsternannten Pseudoheilern untersagen, Homo- oder Transsexuelle zwecks Umpolung ihrer sexuellen Orientierung oder Identität zu behandeln. Eine Praxis, die ebenso wirkungslos wie entwürdigend ist.

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Jeder zehnte Homosexuelle und jede sechste Transperson in der Schweiz war gemäss einer Studie der Universität Bern bereits solchen Versuchen ausgesetzt.

Zunächst stiess das Verbot in fast allen Parteien auf Zustimmung. Doch nun hat ein Streit über eine technische Frage den Vorstoss zu Fall gebracht. Zuvor hatte er während fünf Jahren mehrere Abstimmungen im Parlament und eine Vernehmlassung überstanden. Auch die zuständige Parlamentskommission hatte das Geschäft fast fertig beraten.

Dann jedoch kündigte der Bund an, nach Jahren des Widerstands selbst ein solches Verbot zu prüfen. Und die Zürcher Parteien waren sich plötzlich uneinig darin, ob man die für eine Ausarbeitung nötigen fünf bis zehn Jahre abwarten oder die eigene, pfannenfertige Lösung einstweilen dennoch verabschieden solle.

Äusserst knappe Mehrheit

Für eine Vorlage, bei der sich im Grundsatz alle einig zu sein scheinen, war der Streit über diese Frage in den vergangenen Wochen bemerkenswert gehässig. Mehrere Fraktionen waren intern gespalten und wechselten ihre Positionen.

Zunächst wollte die GLP zusammen mit bürgerlichen Partnern das Verbot auf die lange Bank schieben, woraufhin es zu einem parteiinternen Aufstand kam und die Fraktion ihre Meinung plötzlich wieder änderte.

Nun sind es zwei andere Parteien – Mitte und EVP –, die das vorläufige Scheitern der Vorlage ermöglichen.

Am Donnerstag hat die Geschäftsleitung des Kantonsrats, in dem alle Parteien vertreten sind, mit einer hauchdünnen Mehrheit beschlossen, das Verbot von Konversionstherapien zu sistieren. Das berichten mehrere involvierte Personen. Das heisst: Über die Vorlage wird keine Diskussion und auch keine Abstimmung im Parlament stattfinden. Sie landet in der Schublade.

Für die Sistierung stimmten neben FDP und SVP auch die Mitte. Die EVP enthielt sich, was eine äusserst knappe Mehrheit für die Schubladisierung des Verbots ermöglichte.

Das ist insofern eine Überraschung, als die Mitte einst Mitunterzeichnerin jener Motion war, die das Verbot in Zürich überhaupt erst forderte. Noch während der Vernehmlassung zum Geschäft sprach sich die Partei klar für die Vorlage aus.

Christliche Kleinpartei unter Druck

Auch die Kleinpartei EVP scheint in der Frage gespalten zu sein. Für sie ist das Geschäft besonders heikel: Anfang Jahr machte eine nationale Jungpolitikerin der Partei publik, sie sei während Jahren zum Besuch von Konversionstherpien gedrängt und wegen ihrer Sexualität – die Politikerin ist lesbisch – parteiintern angegriffen und bedroht worden. Die EVP, die sich in den meisten Fragen links der Mitte verordnet, ist eine christlich-freikirchlich geprägte Partei.

In der Zürcher EVP hatte ein Kantonalparlamentarier selbst während Jahren unter Konversionspraktiken gelitten, wie er der NZZ kürzlich erzählte. Entsprechend energisch setzte er sich für ein kantonales Verbot ein. Nun konnte er sich offenbar nicht durchsetzen.

Bei linken Parteien und queeren Interessengruppen löst das vorläufige Aus des Verbots Unverständnis aus. Noch am Freitagmorgen wurde dagegen eine Petition lanciert. Die Sistierung des Geschäfts gilt vorderhand für ein Jahr und muss danach verlängert werden.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Giorgio Scherrer

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