Bisher ist der von US-Präsident Trump vorausgesagte Sturz des kubanischen Regimes ausgeblieben. Sehr zum Unmut der Exilkubaner in Florida. Daran dürfte der Haftbefehl gegen Raúl Castro nichts ändern.
21.10.2026, 05.30 Uhr
3 Leseminuten
Der frühere Präsident Raúl Castro im Januar 2019 bei einem seiner rar gewordenen öffentlichen Auftritte.
Yamil Lage / AP
Ein Gericht im amerikanischen Gliedstaat Florida hat einen Haftbefehl gegen Kubas früheren Präsidenten Raúl Castro erlassen. Der heute 95-Jährige soll im Februar 1996 den Abschuss von zwei amerikanischen Kleinflugzeugen im Luftraum zwischen Kuba und den USA angeordnet haben. Dabei waren die vier Insassen der Flugzeuge, unter ihnen drei amerikanische Staatsbürger, ums Leben gekommen. Bereits im Mai dieses Jahres hatte die Bundesjustiz wegen des Vorfalls Anklage gegen Castro und fünf Mitangeklagte erhoben.
Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Auf diese Anklage stützt sich die Justiz des Gliedstaats Florida, den nur 150 Kilometer von der Küste Kubas trennen. «Raúl Castro befahl den kaltblütigen Mord an vier Floridianern, und Florida wird niemals aufhören, Rechenschaft für diese kommunistische Verschwörung einzufordern», sagte Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier am Montag in Miami.
Abschuss über internationalen Gewässern
Am 24. Februar 1996 hatte die kubanische Luftwaffe zwei Cessna-C-337-Maschinen der in Florida ansässigen Hilfsorganisation Hermanos al Rescate abgeschossen. Zuvor hatten Flugzeuge der Organisation, die kubanische Bootsflüchtlinge aus dem Karibischen Meer rettete, mehrmals auch Flugblätter mit regimekritischen Botschaften über dem kubanischen Festland abgeworfen. Der damalige Präsident Fidel Castro, der ältere Bruder von Raúl, hatte Kubas Streitkräfte daraufhin angewiesen, das Abwerfen von Flugblättern zu unterbinden.
Kuba erklärte nach dem Abschuss, dass dieser im kubanischen Luftraum erfolgt sei. Ermittlungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation bestätigten jedoch, dass die Flugzeuge ausserhalb der kubanischen 12-Meilen-Zone abgeschossen wurden. Fidel Castro hatte zwar die Verantwortung für den Abschuss übernommen. Im Jahr 2006 gelangte jedoch die Tonbandaufnahme eines Treffens von Raúl Castro mit kubanischen Journalisten an die Öffentlichkeit, auf der Raúl sagt, den Abschuss angeordnet zu haben.
Die nun in Florida erfolgte Ausstellung des Haftbefehls hat indes keine praktischen Konsequenzen für Raúl Castro. Er lebt in Kuba, abgeschirmt durch ein enges Netz von Sicherheitskräften. Ein Zugriff der amerikanischen Behörden wie im Fall von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, den das amerikanische Militär im Januar aus Caracas entführte, ist kaum möglich.
Zudem hat Castro Kuba seit 2019 nicht mehr verlassen. Die USA oder mit diesen alliierte Länder würde er ohnehin meiden. «Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Raúl Castro ein älterer Mann ist, der wahrscheinlich nicht vorhat, nach Miami zu marschieren», musste auch Floridas Generalstaatsanwalt Uthmeier eingestehen.
Exilkubaner in Miami machen Druck
So hat der Haftbefehl vor allem symbolische Bedeutung. Er dürfte ein Signal an die in Florida lebende, politisch einflussreiche kubanische Exilgemeinde sein. Zwar wählt diese traditionell republikanisch. Doch Umfragen im Vorfeld der Anfang November stattfindenden amerikanischen Zwischenwahlen zeigen eine wachsende Unzufriedenheit mit der Politik der Regierung von Donald Trump.
Zwar hatte Trump Ende Januar eine Ölblockade gegen Kuba verhängt und das baldige Ende des kommunistischen Regimes versprochen. Doch dieses sitzt noch immer fest im Sattel, weshalb es Rufe aus der Gemeinde der Exilkubaner gibt, härter gegen Havanna vorzugehen.
Trump scheint allerdings in letzter Zeit das Interesse an einem Regimewechsel auf der Karibikinsel verloren zu haben. Zu hartnäckig widersteht diese den im Lauf des Jahres von Trump immer weiter verschärften Sanktionen – trotz katastrophalen Folgen für die kubanische Bevölkerung.
So hat Trumps Ölblockade die Wirtschaft und den Devisenbringer Tourismus lahmgelegt, während die Insel unter oft tagelangen Stromausfällen leidet. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser ist in vielen Regionen des Landes prekär, das Gesundheitssystem ist teilweise zusammengebrochen. Allerdings ist der staatliche Repressionsapparat weiterhin intakt, weshalb die von Washington erhofften Proteste der Bevölkerung gegen das Regime ausgeblieben sind.
Havanna beschuldigt Washington
Kubas Regierung bezeichnet die amerikanischen Sanktionen gegen die Insel als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Am Montag bezichtigte die Regierung die USA zudem, terroristische Akte gegen Kuba zu dulden. So hätten die USA Terroristen ungestraft auf amerikanischem Boden agieren lassen. Kubanische Strafverfolgungsbehörden beriefen sich dabei auf einen Vorfall im Februar, als ein Schnellboot mit schwer bewaffneten Exilkubanern in kubanische Gewässer eingedrungen war.
Die zehn von Florida aus in See gestochenen Exilkubaner seien in den USA für den Angriff ausgebildet worden, sagten die kubanischen Behörden. Komplizen der Angreifer würden weiterhin unbehelligt in den USA leben. Bei dem Feuergefecht mit dem kubanischen Militär am 25. Februar waren fünf Angreifer getötet worden. Die Überlebenden müssten in Kuba mit einer Anklage wegen Terrorismus rechnen, sagten die kubanischen Behörden.
Passend zum Artikel
Source: Neue Zürcher Zeitung · Thomas Milz
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇨🇭 CH
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira