Erklärt

Wer beim Flugticket fürs Klima zahlt, fliegt trotzdem nicht sauber

Ein Häkchen beim Buchen beruhigt das Gewissen, neutralisiert den Flug aber nicht. Wie sinnvoll der Aufpreis ist und welche Alternativen es gibt.

Daniel Huber30.10.2026, 05.30 Uhr

2 Leseminuten


Ein Mausklick macht Flüge noch nicht klimaneutral.

Ein Mausklick macht Flüge noch nicht klimaneutral.

PD

Leserfrage: «Ich frage mich beim Buchen von Flügen oft, ob die Kompensation von Kohlendioxid (CO2) nur Geld kostet. Bringt das Häkchen bei der Flugbuchung wirklich etwas?»

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Die kurze Antwort: Das Häkchen ist keinesfalls nutzlos. Es macht aber die negativen Klimafolgen des Flugs nicht ungeschehen.

Airlines rechnen oft zu knapp

Fliegen schadet dem Klima nicht nur durch CO2: Auch Stickoxide und Kondensstreifen heizen die Atmosphäre auf. Nach Schätzungen des deutschen Umweltbundesamts wiegt die Gesamtwirkung zwei- bis fünfmal so schwer wie der reine Kohlendioxidausstoss. Beispielsweise berechnet die Airline Swiss bei ihren Klimaschutzangeboten die flugbezogenen CO₂-Emissionen und nicht die gesamte Klimawirkung.

Viele Projekte halten ihr Versprechen nicht

Wer klassisch kompensiert, senkt die Flugemissionen nicht. Dafür sollen Projekte anderswo entsprechend viel CO₂ vermeiden oder binden. Eine 2024 in «Nature Communications» erschienene Studie zu über 2300 Projekten ergab: Weniger als 16 Prozent der Zertifikate sparten tatsächlich so viel CO₂ ein wie angegeben. Dabei gab es je nach Projekttyp enorm grosse Unterschiede.

Bei den «Impact»-Tarifen von Swiss fliesst Geld auch in nachhaltigen Flugtreibstoff (SAF). Auf Europaflügen deckt SAF rechnerisch 20 Prozent der Emissionen ab, weltweite Projekte die restlichen 80 Prozent. Verbrennt der Treibstoff, entsteht ähnlich viel CO₂ wie bei Kerosin. Über den gesamten Lebenszyklus verursacht das von Swiss eingesetzte SAF laut der Airline jedoch mindestens 80 Prozent weniger Treibhausgase. Kondensstreifen entstehen allerdings weiterhin.

Im «Impact»-Tarifpreis stecken auch Zusatzleistungen wie flexiblere Umbuchungen und Meilen. Passagiere können SAF- und Projektbeiträge aber auch zu normalen Tickets buchen.

Alternativ berechnen auch externe Anbieter Flüge

Man kann auch – statt direkt bei der Buchung – bei Organisationen wie Myclimate oder Atmosfair einen Beitrag leisten und den Anbieter sowie zum Teil die geförderten Projekte selbst wählen. Myclimate berücksichtigt im Flugrechner auch Nicht-CO₂-Effekte. So fällt die berechnete Klimabelastung höher aus als bei einer reinen Kohlendioxid-Berechnung. Myclimate spricht deshalb nicht von Kompensation, sondern von einem Klimaschutzbeitrag.

Was es zu beachten gilt

Entscheidend ist, ob der Anbieter nur CO₂ oder alle Klimafolgen erfasst und wer das Projekt kontrolliert. Projekte sollten Emissionen vermeiden, die ohne den Beitrag entstanden wären. Verspricht eine Airline «klimaneutrales Fliegen», sollten Passagiere misstrauisch bleiben.

Letztlich gilt: Am meisten bringt leider immer noch der Flug, der gar nicht stattfindet. Wer trotzdem ins Flugzeug steigt, lindert mit dem Häkchen immerhin den Schaden. Vollkommen klimaneutral wird die Reise dadurch nicht.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Daniel Huber

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