Energiewende in Bern Aus Alt mach Neu – Öltanks werden zu Wärmespeichern

Früher speicherten sie fossile Energie, künftig Wasser fürs Fernwärmenetz. Wie zwei alte Öltanks in Bern zu neuem Leben erwachen.

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26.10.2026, 09:06

Die zwei riesigen Öltanks in der Stadt Bern sind Überreste des fossilen Energiezeitalters. 15 Jahre lang standen sie leer. Heute sind die grossen Stahlbehälter im Westen von Bern für das lokale Energieunternehmen Energie Wasser Bern (EWB) ein Glücksfall.

Legende: In diesen beiden Tanks wurde früher Brennstoff gelagert. SRF / Samuel Burri

Die Tanks dienen bald quasi als grosse Thermoskannen. Sie speichern heisses Wasser aus der Fernwärmeproduktion und können die Wärme bei Bedarf wieder abgeben. Ein derartiger Speicher an zentraler Lage in Bern, «das ist eine riesige Chance für die Fernwärme», erklärt Thomas Bücherer, Leiter Energieproduktion von EWB.

Wir können diese Tanks nochmals rund 50 Jahre nutzen.

Die Wärmespeicher sollen Spitzen im Konsum abdecken, erklärt Bücherer: «Am Morgen um 6 Uhr gehen alle Heizungen an und die Kunden wollen duschen.» Mit dem heissen Wasser aus dem Tank kann die Leistung des Fernwärmenetzes kurzfristig erhöht werden. Wenn der Konsum tiefer ist – in der Nacht und am Wochenende –, wird der Wärmespeicher mit heissem Wasser von der Kehrichtverbrennungsanlage wieder aufgeladen.

Umnutzung ist eine Schweizer Premiere

Mit dem Speicher will EWB rund 1000 Tonnen CO₂ im Jahr einsparen. Der Umbau dauert drei Jahre, er kostet das Unternehmen rund 15 Millionen Franken. Die Öltanks werden verstärkt und isoliert – «wie bei einem Boiler».

Legende: Thomas Bücherer (EWB) in der Berner Energiezentrale, wo aus Abfall Fernwärme entsteht. SRF / Samuel Burri

Ein Umbau in dieser Dimension ist in der Schweiz noch nie gemacht worden. Hält die Stahlhülle das 90 Grad heisse Wasser aus? Die Überprüfung habe gezeigt, dass die Substanz gut sei, erklärt EWB-Mann Bücherer: «Wir können diese Tanks nochmals rund 50 Jahre nutzen.»

Meilenstein und Puzzleteil

Eine Umnutzung mache durchaus Sinn, sagt Jörg Worlitschek, Professor für Energietechnik an der Hochschule Luzern. «Man darf dieses Projekt durchaus als Meilenstein bezeichnen, weil genau solche Ideen künftig gefragt sind.» Damit die Energiewende gelinge, müsse man viele kleine Teile zusammensetzen – wie bei einem Puzzle. Die Speicher sind eines dieser Teile.

Knapp die Hälfte unseres Energieverbrauchs entsteht durch die Erzeugung von Wärme.

Energie wird gespeichert, um sie dann im richtigen Augenblick wieder abrufen zu können. Beim Strom tut das die Schweiz mit Stauseen und künftig mit grossen Batteriespeichern. Gerade im Bereich Wärme sei das wichtig, erklärt Professor Worlitschek: «Knapp die Hälfte unseres gesamten Energieverbrauchs steckt in der Erzeugung von Wärme – für die Industrie, für Haushalte, fürs Duschen und fürs Heizen der Gebäude.»

Wärmespeicher für die Energiewende

Der Energiespeicher in Ausserholligen ist nicht das einzige Speicherprojekt des Stadtberner Energieunternehmens EWB. Im Landwirtschaftsgebiet am Stadtrand plant EWB einen Erdsondenspeicher, ähnlich einer Wärmepumpe. Das Projekt ist im Gegensatz zum Kurzzeit-Speicher der Öltanks ein saisonaler Speicher. Überschüssige Wärme wird im Sommer tief im Boden eingelagert und kann im Winter wieder herausgeholt werden. Wie bei einer Wärmepumpe.

Legende: Mit der neuen Hülle zur Isolation sollen die alten Öltanks wieder glänzen. EWB

Trotzdem lohne sich das vergleichbar kleine Speicherprojekt der Erdöltanks, erklärt Thomas Bücherer. «Durch die kurzfristige Speicherung können wir fossile Energie einsparen.» In rund drei Jahren sollen die ersten Berner Haushalte Wärme aus den ehemaligen Öltanks nutzen können.

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Source: SRF · Samuel Burri

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