Ein amerikanisches Kriegsschiff verärgert China – für die Philippinen ist die Fahrt ein Zeichen der Unterstützung

Nach einer Drohung des chinesischen Botschafters sind die Beziehungen zwischen Manila und Peking angespannt. Washington demonstriert Präsenz. Wie viel Eindruck macht das auf China?

22.10.2026, 10.28 Uhr

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Chinas Küstenwache macht Druck auf Nachbarn. Im Bild ein Küstenwachschiff, das am Dienstag in Gewässer um die Insel Pratas eingedrungen ist, die von Taiwan kontrolliert wird.

Chinas Küstenwache macht Druck auf Nachbarn. Im Bild ein Küstenwachschiff, das am Dienstag in Gewässer um die Insel Pratas eingedrungen ist, die von Taiwan kontrolliert wird.

ROC Taiwan Coast Guard

China hat dagegen protestiert, dass am Dienstag ein Schiff der amerikanischen Marine durch das Südchinesische Meer gefahren ist. Die «Charleston» – ein relativ kleines Kriegsschiff – sei «ohne Erlaubnis» in Gewässer um das Sabina Shoal eingedrungen, sagte ein Sprecher der chinesischen Streitkräfte. Die Aktion der Amerikaner sei illegal, denn China habe «unbestreitbare Souveränität» über das Riff, das Peking als Xianbin Jiao bezeichnet.

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China setzt auf Macht, nicht auf Recht

Die chinesische Argumentation hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Das Riff liegt rund 130 Kilometer von der philippinischen Insel Palawan entfernt und damit innerhalb der exklusiven Wirtschaftszone der Philippinen. Hainan, das nächste unbestritten chinesische Territorium, liegt mehr als tausend Kilometer entfernt. Die Nine-Dash-Line, eine historische Linie, auf die Peking seine Ansprüche stützt, hat ein internationales Schiedsgericht 2016 als unvereinbar mit dem modernen Seerecht erklärt.

Peking ignoriert diesen Gerichtsspruch und setzt seinen Anspruch mit Macht durch. Seine Marine und seine Küstenwache sind jenen der Philippinen deutlich überlegen. Chinesische Küstenwachschiffe gehen regelmässig aggressiv gegen philippinische Schiffe vor, attackieren sie mit Wasserwerfern und rammen sie. Erst vor zwei Wochen kam es in der Nähe des Sabina Shoal zu einem Zusammenstoss zwischen Einheiten der beiden Küstenwachen. Manila und Peking gaben sich gegenseitig die Schuld dafür.

Die Siebte Flotte der US-Marine, zu der die «Charleston» gehört, erklärte, dass es sich um ein Routinemanöver in internationalen Gewässern gehandelt habe. Die freie Schifffahrt gelte für alle Länder. Die Amerikaner fahren regelmässig durch umstrittene Gewässer wie das Südchinesische Meer oder die Taiwanstrasse.

Chinas Botschafter sorgt für Wirbel in den Philippinen

Dass sie dies aber gerade jetzt tun, könnte ein Signal an Peking sein, dass es China mit dem Druck auf den kleinen Nachbarn Philippinen nicht zu weit treiben soll. Washington und Manila haben ein bilaterales Beistandsabkommen – ein Kriegsschiff in umstrittenen Gewässern ist ein Zeichen, dass die USA zu diesem Abkommen stehen.

Gegenwärtig sind die Beziehungen zwischen Manila und Peking sehr angespannt. Für Aufregung in den Philippinen sorgte letzte Woche eine Bemerkung des chinesischen Botschafters gegenüber philippinischen Medien. «Wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir in dieser Region einen Nachbarn wie China haben. Wenn wir Gewalt anwenden wollten, könnten wir leicht gewinnen», sagte Jing Quan, «aber nein, wir werden keine Gewalt anwenden. Wir lieben den Frieden.»

In Manila wurde das als Drohung wahrgenommen. Zehn philippinische Abgeordnete forderten, dass Jing zur Persona non grata erklärt werde. Das Aussenministerium bestellte den Botschafter ein, um ihm zu erklären, dass seine Aussage «provokativ und inakzeptabel» sei. Die symbolische Rückendeckung durch die US-Marine dürfte in diesem Kontext für die Regierung von Ferdinand Marcos sehr willkommen sein.

Chinas Küstenwache bedrängt auch Taiwan

Dass sich Peking dadurch beeindrucken lässt, darf bezweifelt werden. Seine Marine und seine Küstenwache sind numerisch den Amerikanern in der Region überlegen. So kann die Volksrepublik den Druck parallel an mehreren Orten aufrechterhalten.

Praktisch zur gleichen Zeit, als die «Charleston» beim Sabina Shoal unterwegs war, drang 1200 Kilometer weiter nördlich nach taiwanischen Angaben ein chinesisches Küstenwachschiff in sogenannte gesperrte Gewässer um die Insel Pratas ein.

Pratas liegt etwa 400 Kilometer von der südtaiwanischen Hafenstadt Kaohsiung und 300 Kilometer von Hongkong entfernt. Seit Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 wird die Insel von Taipeh kontrolliert. Sie ist unbewohnt. Einzig ein paar Dutzend Mann der taiwanischen Küstenwache sind dort stationiert.

Die Insel hat zwar eine Landebahn, auf der Transportmaschinen des taiwanischen Militärs landen können. Doch Pratas hat keinen Hafen für grosse Schiffe. Vor einem Monat gab die Küstenwache bekannt, dass eine Hafenmole ausgebaut worden sei und jetzt ein 100-Tonnen-Patrouillenschiff auf Pratas stationiert sei. Grössere Schiffe, die den chinesischen ebenbürtig sind, müssen aber immer noch am Rande des Riffs ankern.

China beansprucht Taiwan als Teil seines Territoriums – und damit auch alle kleineren Inseln wie Pratas, die von Taipeh kontrolliert werden. Chinesische Küstenwachschiffe, die in taiwanische Gewässer eindringen, teilen über Funk denn auch mit, dass die «sogenannte Republik China nicht existiert». Das ist der offizielle Name Taiwans.

Daneben ist die chinesische Küstenwache vermehrt in Gewässern östlich der Hauptinsel Taiwan präsent. Sie reagiert damit auf Bestrebungen Japans und der Philippinen, die im Juni Gespräche aufgenommen haben, um ihre östlich von Taiwan überlappenden exklusiven Wirtschaftszonen zu delimitieren.

In Taipeh wird die permanente chinesische Präsenz östlich von Taiwan aber als erster Schritt zur Abschnürung der Insel angesehen. In Washington löst dies Besorgnis aus. Die konstanten Patrouillen der chinesischen Küstenwache seien eine Form der Kriegsführung, sagte Randall Schriver, der eine amerikanische Delegation in Taiwan anführte, am Dienstag. «Das ist äusserst destabilisierend.»

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Patrick Zoll

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