Digitale Gewalt Beleidigt, bedroht, blossgestellt: Was tun bei Gewalt im Netz?

Auch Erwachsene erleben immer häufiger Gewalt im Netz. Eine neue Beratungsstelle bietet erste Hilfe. Die wichtigsten Antworten.

27.10.2026, 05:46

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Worum geht's? Die Beratungsstelle «hatehelp» bietet erste Hilfe für Erwachsene, die von digitaler Gewalt betroffen sind. Von digitaler Gewalt spricht man, wenn jemand online beleidigt, bedroht, belästigt oder blossgestellt wird. Darunter fallen beispielsweise Hasskommentare oder das Teilen von intimen Bildern und Videos ohne Einverständnis. Die Erstberatung ist kostenlos und anonym. Betroffene erhalten eine erste Einschätzung der Situation und können abklären, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Wie gross ist das Problem? Gesamthafte Zahlen zu digitaler Gewalt bei Erwachsenen gibt es für die Schweiz nicht. Im Cybersorgenmonitor 2025 gaben 14 Prozent der befragten Erwachsenen an, schon einmal online belästigt worden zu sein, etwa durch Mobbing, Hasskommentare, Stalking oder die Veröffentlichung intimer Bilder. Die Umfrage erfasst allerdings nur Belästigungen auf Onlineplattformen.

Legende: Die Beratungsstelle «hatehelp» richtet sich an alle erwachsenen Personen, die in irgendeiner Form von digitaler Gewalt betroffen sind. Keystone / Karl-Josef Hildenbrand

Eine im Februar veröffentlichte repräsentative Studie aus Deutschland zeigt, dass in den vergangenen fünf Jahren jede fünfte Frau und jeder siebte Mann digitale Gewalt erlebt hat – für die Schweiz dürften die Zahlen ähnlich hoch sein.

Wer ist besonders betroffen? Besonders häufig von digitaler Gewalt betroffen sind Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, wie etwa Politikerinnen, Wissenschaftler oder Sportlerinnen. Auch junge Menschen geraten oft ins Visier: Knapp ein Viertel der 18- bis 29-Jährigen wurde schon online belästigt, bei den über 50-Jährigen sind es weniger als zehn Prozent.

Männer und Frauen erleben etwa gleich häufig digitale Gewalt, Frauen empfinden sie aber öfter als stark belastend. Überdurchschnittlich oft angefeindet werden zudem religiöse oder sexuelle Minderheiten.

Was ist strafbar? Auch im Netz gilt das Strafrecht. Beschimpfungen, üble Nachrede und Verleumdung sind ebenso strafbar wie Drohungen oder Nötigung. Wer öffentlich gegen Menschen wegen ihrer Ethnie, Religion oder sexuellen Orientierung hetzt, verstösst gegen die Rassismus-Strafnorm.

Legende: Wer auf Facebook, X oder Tiktok angegriffen wird, soll das künftig einfacher melden können: Der Bundesrat will im Juni 2027 ein Gesetz vorlegen, das grosse Plattformen zu einem einfachen Meldeverfahren verpflichtet. IMAGO / photothek

In den letzten Jahren sind zudem neue Straftatbestände hinzugekommen: Wer sich im Netz als eine andere Person ausgibt, um ihr zu schaden, macht sich wegen Identitätsmissbrauchs strafbar. Seit Juli 2024 ist es strafbar, sexuelle Bilder oder Videos ohne Zustimmung der abgebildeten Person weiterzuleiten oder zu veröffentlichen. Und seit Anfang 2026 gibt es eine eigene Strafnorm gegen Stalking.

Was können Betroffene tun? Wichtig ist zunächst, Beweise zu sichern, und zwar bevor man Inhalte meldet, löscht oder jemanden blockiert. Auf Screenshots sollten Datum, Uhrzeit, der Name der Person, die den Inhalt veröffentlicht hat, und die Internetadresse (URL) sichtbar sein. Danach können Inhalte bei der Plattform gemeldet und Absender blockiert werden. Hilfreich ist, Vertrauenspersonen einzubeziehen. Sie können Nachrichten im Blick behalten oder Beweise sichern, damit man die belastenden Inhalte nicht immer wieder selbst anschauen muss.

Wurden intime Bilder oder Videos ohne Zustimmung veröffentlicht oder droht jemand damit, kann das kostenlose Angebot Stop NCII helfen. Betroffene können dort einen digitalen Fingerabdruck der entsprechenden Bilder oder Videos erstellen.

Dieser wird an teilnehmende Plattformen wie Facebook, Instagram oder Tiktok weitergegeben. Taucht dort ein Inhalt mit demselben Fingerabdruck auf, kann die Plattform ihn entfernen oder gar nicht erst online gehen lassen. Das Angebot richtet sich an Erwachsene.

Wer online angegriffen wird, muss nicht reagieren; bei Drohungen oder Stalking kann eine Antwort die Lage sogar verschärfen. Wer vermutet, dass das eigene Handy oder Konto überwacht wird, sollte nicht sofort Passwörter ändern oder Apps löschen, sondern sich zuerst Unterstützung holen.

SRF 4 News, 22.10.2026, 8 Uhr

Source: SRF · Michèle Scherer

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