Die Swiss beendet die Kooperation mit Air Baltic, setzt aber weiterhin auf ungeliebte Partnerschaften
Die Fluggesellschaft will wieder mehr eigene Flieger einsetzen. Doch ohne fremde Maschinen kommt sie auch längerfristig nicht aus: Die Zusammenarbeit mit Helvetic Airways wird ausgebaut.
28.10.2026, 15.47 Uhr
4 Leseminuten
Ab März 2027 verzichtet die Swiss auf den Einsatz der Maschinen von Air Baltic: Ein Airbus A220-300 am Flughafen Riga.
Ints Kalnins / REUTERS
Giftiges Grün statt vertrautes Weiss-Rot: Für viele Passagiere ist immer wieder eine unangenehme Überraschung, wenn sie statt in eine Swiss-Maschine in einen Jet der Air Baltic einsteigen. Und dies, obwohl sie ihren Flug über die Swiss gebucht haben. Die Airline mit Sitz im lettischen Riga war in den letzten Jahren eine wichtige Partnerin der Swiss. Im sogenannten Wet Lease stellt sie ihr Personal und ihre Maschinen zur Verfügung, damit die Swiss ihre Flugpläne einhalten konnte.
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Ein prominenter Fluggast ärgerte sich jeweils darüber: Klaus-Michael Kühne, der im August verstorbene Grossaktionär der Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört. Er empfinde das als Etikettenschwindel und nicht akzeptabel, denn er bevorzuge das Original, sagte er einst in einem Interview. Nun ist Schluss mit der Zusammenarbeit: Sie wird mit Ende des Winterflugplans 2026/27 aufgelöst, wie die Swiss mitteilt – das heisst per Ende März 2027.
Noch vier Maschinen im Einsatz
Die Flugzeuge von Air Baltic kommen momentan auf verschiedenen Strecken innerhalb des europäischen Kurz- und Mittelstreckennetzes zum Einsatz. Im Sommer 2026 waren es zehn Maschinen, im Winter 2026/2027 sind es noch vier Flugzeuge.
Kein Rolle bei dem Entscheid spielte laut der Swiss die finanzielle Verfassung der Air Baltic. Die mehrheitlich im Besitz des lettischen Staates befindliche Gesellschaft beantragte Mitte September in den USA freiwillig ein Gläubigerschutzverfahren nach Chapter 11, um ihre Schulden abzubauen. 2025 wies sie einen Nettoverlust von 44,3 Millionen Euro aus. Die Sanierung soll bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.
Zur Zusammenarbeit mit Air Baltic war es insbesondere wegen Wartungs-Engpässen beim Triebwerkhersteller Pratt-&-Whitney gekommen. Dies führte dazu, dass die Swiss moderne Airbus-Jets monatelang am Boden lassen musste. Ausserdem fehlte es ihr an Piloten. Nun stehen wieder genügend eigene Besatzungen zur Verfügung. Insgesamt kann die Swiss darum sieben zusätzliche Flugzeuge ihrer Airbus A320-Familie einsetzen, wie eine Sprecherin sagt.
Der Abbau der Partnerschaft mit Air Baltic kommt aus betrieblicher Sicht zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Swiss rechnet nämlich damit, dass die Nachfrage nach Flugreisen und damit auch ihre Fluggastzahlen in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Doch hier hat das Ende der Zusammenarbeit mit der Air Baltic einen Vorteil. Die nun wieder im Einsatz stehenden Swiss-Maschinen der A320-Familie von Airbus verfügen über mehr Sitzplätze als die von der Air Baltic eingesetzten Flugzeuge des Typs Airbus A220. Dadurch kann die Swiss auf vielen Verbindungen mehr Sitzplätze anbieten, ohne dafür zusätzliche Flugzeuge zu benötigen, wie die Sprecherin der Schweizer Airline erklärt.
Swiss setzt auf Helvetic Airways
Ab Sommer 2027 sollen statt bisher insgesamt 26 Maschinen von Air Baltic und anderen externen Gesellschaften noch 18 fremde Maschinen für die Swiss unterwegs sein. Die Swiss benötigt aber weiterhin externe Partner, um alle ihre Passagiere zu befördern. Dafür will sie die Zusammenarbeit mit Helvetic Airways ausbauen.
Die 2003 gegründete Helvetic ist über eine Beteiligungsgesellschaft im Besitz von Financier Martin Ebner und dessen Frau Rosmarie. Helvetic arbeitet seit rund zwanzig Jahren mit der Swiss zusammen. Im Oktober 2024 verlängerten die beiden Fluggesellschaften ihre Partnerschaft um fünf Jahre.
Die Swiss will künftig 17 Maschinen ihres Partners einsetzen, bei steigendem Bedarf kommt laut der Swiss-Sprecherin eine weitere Maschine hinzu. Mit dieser Kombination aus eigenen Flugzeugen und den vereinbarten Kapazitäten von Helvetic sei die Swiss gut aufgestellt, um ihren Gästen auch künftig «einen stabilen und zuverlässigen Flugbetrieb zu bieten», sagt die Sprecherin.
Vorerst kein Internet
Die Swiss räumt allerdings ein, dass die Fluggäste auf den Helvetic-Flügen nicht immer den gleichen Reisekomfort haben werden wie bei der Swiss. Bei den eingesetzten Flugzeugen des Herstellers Embraer könne es je nach Flugzeugtyp und Kabinenausstattung Unterschiede geben, «beispielsweise beim Sitzabstand oder bei der Verfügbarkeit von Internet an Bord.»
Laut einem Sprecher von Helvetic Airways bietet die eigene Flotte jedoch ähnliche Sitzabstände wie die A220-Jets, die von Air Baltic eingesetzt werden. Zudem seien im Gegensatz zu den A220 alle Sitze mit USB-Lademöglichkeiten ausgestattet. Während die Swiss ihre eigene Flotte künftig schrittweise mit dem Satellitennetzwerk Starlink ausrüstet, fehlt den Embraer-Flugzeugen von Helvetic dafür noch die luftfahrtrechtliche Zulassung. Zum Thema Wi-Fi an Bord seien darum Abklärungen mit verschiedenen Anbietern im Gange.
Wo Swiss draufsteht, wird also auch künftig nicht immer Swiss drin sein. Das Unternehmen will den Anteil an fremden Flugzeugen zwar noch weiter reduzieren, wie die Sprecherin sagt. Gleichzeitig bleibe der Einsatz von Partner-Flugzeugen auch künftig ein wichtiger Bestandteil der Flottenplanung. «Das ermöglicht uns, flexibel auf saisonale Schwankungen und operative Anforderungen zu reagieren.»
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Jürg Meier
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