Die «rassifizierten» Büsten in einer Zürcher Schule dürfen vorerst sichtbar bleiben. Doch es droht ein neuer Streit

Ein neues Gutachten soll prüfen, ob die 130 Jahre alten Holzfiguren rassistisch sind. Die Bürgerlichen halten nichts davon.

05.11.2026, 16.12 Uhr

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In der Aula der Schule Hirschengraben sind sechzehn Holzfiguren angebracht, welche die Völker der Welt darstellen sollen.

In der Aula der Schule Hirschengraben sind sechzehn Holzfiguren angebracht, welche die Völker der Welt darstellen sollen.

Michael Buholzer/Keystone

Für die Alternative Linke ist der Fall klar: Die sechzehn Holzfiguren in der Aula der Schule Hirschengraben sind «rassifiziert».

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Die bemalten Figuren sind 130 Jahre alt und sollten die Völker der Welt darstellen. Beim germanischen Paar hat der Mann einen üppigen Bart, bei den arabischen Figuren trägt die Frau einen üppigen Kopfschmuck, eine grosse Kette und Ohrringe.

Ein vom Stadtzürcher Schuldepartement in Auftrag gegebenes Gutachten kam zum Schluss, dass die Figuren zwar auf einem rassistischen Weltbild beruhten, aber aus heutiger Sicht nicht rassistisch seien: «Nicht die Figuren per se sind das Problem, sondern der Zeitgeist, den sie verkörpern», schreiben die Historiker Joseph Jung und Matthias Frehner. «Die Konzeption, Menschen und Völker aufgrund äusserlicher Merkmale nach ‹Rassen› zu klassifizieren, folgte der imperialistischen Ideologie.»

Dennoch ist die Alternative Linke überzeugt, dass Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern der Anblick der Büsten nicht zugemutet werden könne. Bei der Studie handle es sich um ein «Gefälligkeitsgutachten» für den damaligen Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP). Sie forderte in einem Vorstoss, die Figuren bei schulischen Anlässen abzudecken. Komme die Stadt dem nicht nach, werde sie den Kredit für den Umbau dieser Schule zur Tagesschule ablehnen.

Mit dieser Strategie hatte die AL im Stadtparlament keinen Erfolg. Es hat am Mittwoch den Kredit von knapp 10 Millionen Franken für den Umbau des Schulhauses deutlich angenommen. Die linke Mehrheit im Rat überwies zwar den Vorstoss der AL, allerdings mit einer von der SP vorgeschlagenen Textänderung: Weil auch sie das Gutachten als «ungenügend» empfindet, soll der Stadtrat eine weitere Studie in Auftrag geben.

Ein neues Gutachten biete eine gute Grundlage, um Kontextualisierungen vorzunehmen oder gar Abdeckungen zu beschliessen, erklärte Dominique Späth (SP). Die Aula soll für die Öffentlichkeit zur Wissensvermittlung der «kolonialen Verstrickungen» in der Stadt Zürich zugänglich gemacht werden.

Die Bürgerlichen hingegen lehnten sowohl die Abdeckung der Figuren als auch ein neues Gutachten ab. Roger Suter (FDP) sagte, die Büsten seien ihm auch nicht sympathisch. Er plädierte aber dafür, sie den Schülerinnen und Schülern zu erklären. «Man kann Geschichte nicht einfach streichen.» Der Streit um die Figuren dürfte also weitergehen – spätestens dann, wenn das neue Gutachten vorliegt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabel Heusser

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