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Die Mitglieder des Mekka-Pakts verhandeln mit Teheran: Das steckt hinter dem Treffen zwischen Iran, Saudiarabien, Pakistan und der Türkei

Hochrangige Emissäre aus den Mitgliedsstaaten der islamischen Verteidigungsallianz sprechen mit dem obersten iranischen Sicherheitsbeauftragten. Es ist der vielleicht letzte Versuch, einen neuen Krieg am Golf zu verhindern.

27.10.2026, 05.30 Uhr

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Mohsen Rezai, der Sekretär des iranischen Rates für nationale Sicherheit (links), und Irans Präsident Masud Pezeshkian bei dem Treffen mit Vertretern der Mekka-Allianz in Teheran.

Mohsen Rezai, der Sekretär des iranischen Rates für nationale Sicherheit (links), und Irans Präsident Masud Pezeshkian bei dem Treffen mit Vertretern der Mekka-Allianz in Teheran.

Iranisches Präsidialamt via EPA

Am Montag reisten hochrangige Vertreter der Gründungsstaaten des Mekka-Paktes nach Teheran. Der saudische Verteidigungsminister, Pakistans Oberbefehlshaber und der türkische Geheimdienstchef trafen in Irans Hauptstadt Mohsen Rezai, den Sekretär des Rates für nationale Sicherheit der Islamischen Republik.

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«Diese wichtigen Sicherheitschefs fliegen zu einer Zeit nach Teheran, in der viele am Golf davon ausgehen, dass nach den Midterm-Wahlen eine neue Eskalation zwischen den USA und Iran losgehen wird», sagt Sascha Bruchmann vom Nahostbüro des International Institute for Strategic Studies (IISS) im Gespräch.

In den vergangenen Tagen hatte Donald Trump seine Drohungen gegen Iran erneuert. Ein dritter amerikanischer Flugzeugträger wird den Nahen Osten in zwei bis drei Wochen erreichen. Zudem soll Benjamin Netanyahu laut israelischen Medienberichten eine Militäraktion gegen Iran geplant, Israels Generalstabschef sich dieser aber widersetzt haben.

Teheran hat klar signalisiert, dass es einen neuen Krieg zerstörerisch führen wird: Unterseekabel, Datenzentren, Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten dürften Ziele iranischer Raketen und Drohnen werden, wenn Washington und Israel sich für erneute Attacken entscheiden.

Es ist daher davon auszugehen, dass die Initiative für das Treffen in Teheran von Saudiarabien ausging. Das Königreich wurde bereits mit dem tödlichen Angriff auf den Flughafen in Riad durch die mit Iran verbündete Huthi-Miliz ins Mark getroffen und kann sich eine neue Eskalation nicht leisten. Die Visite in Teheran ist ein Versuch Saudiarabiens, das schlimmste Szenario abzuwenden – bevor es zu spät ist.

Riad will gegenüber Teheran Abschreckung signalisieren

«Saudiarabien verfolgt gegenüber Iran eine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche», sagt Sebastian Sons, Golf-Experte vom Carpo-Institut, im Gespräch. Riad strecke Teheran die Hand aus und setze trotz dem Misstrauen wegen der früheren iranischen Angriffe auf saudisches Territorium auf Deeskalation und Verhandlungen. «Wenn Iran diese ausgestreckte Hand ausschlägt, soll das koordinierte Auftreten zeigen, dass Saudiarabien bereit ist, gemeinsam mit Pakistan und der Türkei einer iranischen Eskalation entgegenzutreten.»

Wie genau das gemeinsame Vorgehen im Falle von iranischen Attacken auf saudische Infrastruktur aussieht, lässt sich schwer absehen. Im Fall der Huthi-Angriffe standen die Türkei und Pakistan Riad nur zögerlich zur Seite.

Auch Sascha Bruchmann von der Denkfabrik für Sicherheitspolitik IISS hält Abschreckung für das primäre Motiv hinter dem Treffen. «Das Ziel ist es, den Iranern klarzumachen, dass der Mekka-Pakt nicht nur auf dem Papier existiert und dass es die Türkei und Pakistan mit ihrem Versprechen, Saudiarabien zu verteidigen, ernst meinen», sagt der Militärexperte. «Ob die Iraner das dann auch kaufen, ist eine andere Frage.»

Zumindest dürfte der saudische Verteidigungsminister Khalid bin Salman seinen iranischen Gesprächspartnern verdeutlichen, dass das Königreich wohl zu eigenen Gegenangriffen gegen Iran bereit ist, falls es zum Krieg kommt. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits im Mai berichtet, dass Riad mehrere Vergeltungsschläge durchgeführt hatte, als Teheran den Wüstenstaat attackierte. Eine europäische Quelle am Golf bestätigte die saudischen Angriffe zu Beginn des Kriegs im Gespräch mit der NZZ.

Gerade für Saudiarabien geht es um viel: Riad will mit dem Treffen in Teheran Iran die Hand ausstrecken, aber auch Abschreckung signalisieren.

Gerade für Saudiarabien geht es um viel: Riad will mit dem Treffen in Teheran Iran die Hand ausstrecken, aber auch Abschreckung signalisieren.

Iranian Presidential Office Hand / EPA

Entsteht eine neue Sicherheitsarchitektur in Nahost?

Neben den Emissären des Mekka-Pakts reisten am Sonntag auch Vermittler aus Katar nach Teheran. Alle Golfstaaten befürchten, dass ein neuer Krieg ihnen wirtschaftlich das Genick brechen würde. Sie bemühen sich daher, noch eine Einigung zwischen den USA und Iran zu erreichen. Bis jetzt zeige sich das iranische Regime allerdings unnachgiebig, sagt Sascha Bruchmann: «Iran hat den Eindruck, dass es gewinnt und die USA irgendwann abziehen werden.»

Die iranischen Erwartungen an das Treffen des Mekka-Paktes in Teheran scheinen daher andere zu sein: Iran will eine neue Bündnispolitik im Nahen Osten ohne die USA aufbauen. «Regionale Sicherheit kann nur gewährleistet werden, wenn man sich auf den Willen und die Sicherheitsüberlegungen der Länder der Region selbst stützt», sagte der Sprecher des iranischen Aussenamts am Montag. Laut Bruchmann bedeutet dies nichts anderes als eine iranische Dominanz in der Region.

Grundsätzlich hat sich in den meisten Golfstaaten das Verständnis durchgesetzt, wonach Iran zwar eine akute Bedrohung ist, als Nachbar aber dennoch eingebunden werden muss. Sebastian Sons hält es daher nicht für ausgeschlossen, dass Teheran dereinst sogar der Mekka-Allianz beitreten könnte.

«Für solch ein Szenario ist der Mekka-Pakt nicht ganz unattraktiv», sagt Sons. «Denn es handelt sich eben nicht um eine arabische Allianz, sondern um eine islamische, die deswegen sehr flexibel ist.»

Am Golf sickert derzeit eine weitere Überzeugung ein: Der amerikanische Schutz hat sich als weniger wirkungsvoll erwiesen als erhofft, und der Iran-Krieg könnte den lange angekündigten Abzug der USA aus der Region beschleunigen. Das Treffen der Mekka-Pakt-Staaten in Teheran ist also beides: ein kurzfristiger Rettungsversuch und der erste Schritt zu einer grundlegenden Neujustierung der Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Rewert Hoffer

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