Causa Blausee Gericht verhandelt Umweltskandal im Steinbruch Mitholz

Tote Forellen im Blausee, illegal deponiertes Material. Im Umweltskandal Blausee steht am Mittwoch erstmals ein Angeklagter vor Gericht.

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Was ist passiert? Über Jahre wurde im Steinbruch Mitholz im Berner Oberland mutmasslich tonnenweise belastetes Material abgeladen. Laut Anklage geschah dies im Auftrag einer Berner Transportfirma.

Wer steht vor Gericht? Der Chef der Transportfirma TGC muss sich am Mittwoch vor dem bernischen Wirtschaftsstrafgericht verantworten.

Wie lautet die Anklage? Der Mann soll seine Chauffeure dazu angestiftet haben, belastetes Aushubmaterial nicht in einer regulären Deponie zu entsorgen, sondern im Steinbruch Mitholz und in anderen Gruben in der Schweiz. Das haben Recherchen der SRF‑Sendung «Rundschau» und der Tamedia-Zeitungen 2021 öffentlich gemacht. Im Auftrag des Chefs sollen die Chauffeure Lieferscheine gefälscht und damit das belastete Material als sauberen Aushub deklariert haben. Dem Mann werden unter anderem Betrug, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Gewässerschutzgebiet vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft verlangt am Mittwoch eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, wobei sie beim Gewässerschutzgebiet auf Freispruch plädiert.

Legende: Der Steinbruch Mitholz liegt in einem Gewässerschutzgebiet und darf nur mit unbelastetem Material wieder aufgefüllt werden. KEYSTONE/Peter Schneider

Was sagt der Angeklagte? Vor Gericht sagt er, ihm sei bewusst gewesen, dass im Material «manchmal etwas Ziegel oder Beton drin sein könnte». Aber er habe gedacht, wenn auch Schotter im Steinbruch verlocht werde, könne es wohl nicht so schlimm sein, wenn im Material auch mal Ziegel oder Beton drin seien. Auf die Frage, weshalb er das Material in den Steinbruch Mitholz gebracht habe, antwortet der Geschäftsführer: Er habe immer auch Material aus dem Steinbruch verkauft und die Lastwagen sollten nicht leer dorthin fahren. «Wir mussten mit den Preisen am Markt konkurrieren.»

Wie wirkt der Angeklagte? Die SRF-Reporterin am Gericht sagt: «Der Mann im mittleren Alter wirkt bei der Befragung des Gerichtspräsidenten ruhig. Er sagt, dass es ihm gesundheitlich gut gehe, aber er betont auch, dass er froh sei, wenn ‹die Sache› erledigt sei.»

Legende: Er habe gewusst, dass im Material «manchmal etwas Ziegel oder Beton drin sein könnte», sagt der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht. SRF/Erika Bardakci-Egli

Was sagt die Verteidigung? Der Verteidiger bestreitet, dass das Material so stark belastet war wie die Staatsanwaltschaft sagt. Ausserdem habe die Geschäftsführung des Steinbruchs Mitholz die Praxis mitgetragen, dass nicht ganz sauberes Material dort abgelagert werden konnte. Die Verteidigung plädiert auf eine teilbedingte Strafe von 66 Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Das Urteil wird am 10. November erwartet, es gilt die Unschuldsvermutung.

Weshalb wurde es zu einem Umweltskandal? Der Steinbruch Mitholz ist keine Deponie. Um ihn wieder aufzufüllen, dürfte nur unverschmutzter Aushub verwendet werden. Denn der Steinbruch befindet sich in einem Gebiet, das in einer Gewässerschutzzone liegt, eineinhalb Kilometer oberhalb des Tourismusmagneten und der Forellenzucht Blausee. Dort sind ab 2018 Tausende von Forellen gestorben. Die Besitzer des Blausees sind überzeugt, dass das Fischsterben auch mit dem belasteten Material zusammenhängt. Dieser Vorwurf ist allerdings nicht bestätigt worden. Im Gegenteil: Die Staatsanwaltschaft sagt, dass durch Wasserproben nicht bewiesen werden konnte, dass das Material in das Grundwasser gekommen sei.

Nicht der einzige Fall: Bereits 2020 kam ans Licht, dass der Steinbruch Mitholz illegalerweise als Deponie benutzt wurde. Und zwar für belastetes Material der BLS-Baustelle beim Lötschbergtunnel. Allerdings blieb dieser Fall ohne strafrechtliche Konsequenzen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 4.11.2026, 6:31 Uhr ;  swak;buec;liea;noes

Source: SRF · 04.11.2026, 10:09

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