BMW-3er-Reihe: mit der neuen Limousine in die Zukunft

Trotz Hightech-Plattform und dem Abschied vom Diesel bleibt die BMW-Mittelklasse eine echte Fahrerlimousine. Doch der stolze Preis setzt Hürden im Markt.

06.11.2026, 05.30 Uhr

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Optisch sind der elektrische BMW i3 (links) und der Benziner M350 kaum zu unterscheiden.

Optisch sind der elektrische BMW i3 (links) und der Benziner M350 kaum zu unterscheiden.

PD

Die neue Baureihe des 3er ist für den deutschen Autobauer BMW von immenser Bedeutung. Der Hersteller setzt dabei wichtige Akzente: Auf der Basis des Neue Klasse genannten Baukastens sind nun Limousinen mit verschiedenen Antriebsarten entstanden. Dazu gehört der i3 mit Elektroantrieb, aber auch der 3er mit 6-Zylinder-Benzinmotor. Später soll ein Plug-in-Hybrid folgen. Wer aber auf eine Variante mit Dieselantrieb wartet, wird enttäuscht. BMW entsagt dem Selbstzünder bei der 3er-Reihe vollends. Angesichts der immer weniger attraktiven Dieselpreise dürfte dies bei den Verkäufen kaum ins Gewicht fallen – zumindest in weiten Teilen Westeuropas und Amerikas.

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Fünfzig Jahre nach der Lancierung des ersten Stufenheckmodells aus München hat sich der 3er als tragende Baureihe etabliert. Lange bevor die heute noch wichtigeren SUV-Modelle X5 und X3 auf den Markt kamen, zählte die kompakte 3er-Limousine zu den wichtigsten Modellen des Herstellers, ergänzt durch den Kombi und das Cabriolet.

BMW hat viel Geld in die Entwicklung des nun lancierten Nachfolgers investiert: Die Neue Klasse ist einerseits so konzipiert, dass sie Verbrennungsmotoren mit herkömmlichen Automatikgetrieben und Abgasanlage aufnehmen kann. Doch auch grosse Antriebsbatterien können im Unterbodenbereich eingebaut werden, kombiniert mit zwei Elektromotoren, Getriebe und Leistungselektronik.

Klar als BMW zu erkennen: Das Stufenheck und der typische Knick beim hinteren Seitenfenster machen das Auto zur 3er-Limousine.

Klar als BMW zu erkennen: Das Stufenheck und der typische Knick beim hinteren Seitenfenster machen das Auto zur 3er-Limousine.

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Dank dem typischen Stufenheck sowie vertikalen Front- und Heckpartien erkennt man den neuen 3er sofort als Nachfolger in der Ahnenreihe. Vorne ist die noch bei den Prototypen erkennbar breite Doppelniere mit integrierten Frontleuchten etwas stärker differenziert und deutet mit Linien eine etwas kleinere Nierenform optisch an. Die Heckleuchten sind weniger auffällig, fast schon konventionell gestaltet und wie beim 3er üblich quer angeordnet.

Seitlich unterscheiden sich Stromer und Verbrenner kaum. Wie schon beim SUV iX3 haben die Designer die Fensterlinie sowie Türen und Kotflügel schnörkellos gestaltet. Die Linienführung ist klar und schlicht. Nur im Detail setzt BMW beim Benziner spezifische Akzente. Die Frontleuchten enthalten gelbe Lichtelemente, der Wagen ist zudem eine Spur länger und schmaler als der Stromer.

Der Innenraum setzt auf digitale Weitsicht

Im Innern bieten die neuen 3er-Modelle eine einheitliche Optik, die in vielem den SUV der Neuen Klasse entspricht. Bestechend ist das «Panoramic iDrive» genannte Display, das auf der gesamten Breite unterhalb der Frontscheibe und oberhalb des Armaturenträgers platziert ist. Es bietet je nach gewähltem Fahrprogramm unterschiedliche Fahrinformationen. Es mag für manche durch die Fülle der angezeigten Daten, kombiniert mit dem Display hinter dem Lenkrad, dem fast 18 Zoll grossen Infotainmentbildschirm und dem Head-up-Display, ein Überangebot an Information darstellen. Doch wer fährt, kann die Anzeigen reduzieren und anpassen.

Hohe Verarbeitungs- und Materialqualität prägen das Interieur. Eine Vielzahl von Informationen lässt sich anzeigen.

Hohe Verarbeitungs- und Materialqualität prägen das Interieur. Eine Vielzahl von Informationen lässt sich anzeigen.

PD

Die Sitze sind auch auf längerer Fahrt bequem. Wählbar sind zudem Sportsitze mit höheren Seitenwangen für eine bessere Stabilität der Passagiere in Kurven. Auch sie sind komfortabel, und dies auch bei ambitionierten Fahrten über Pässe oder auf kurvigen Landstrassen.

Die Verarbeitung wie die Auswahl der verschiedenen wählbaren Materialien sind von hoher Güte. Sie wirken hochwertig und gediegen, wie es sich selbst bei gut ausgestatteten Konkurrenten aus Fernost nur selten einstellt. Zudem kann der Sprachassistent dank Software-definierter 3er-Plattform mit normaler Sprache gut umgehen und braucht keine schematischen Sprachbefehle.

Auf der Strasse sind Stromer und Benziner ähnlich stark

Beim Fahren befinden sich die beiden Antriebsarten auf Augenhöhe. Für erste Testfahrten standen die beiden Flaggschiffe i3 50 (mit E-Antrieb) und M350 (3-Liter-Benziner) bereit. Im direkten Vergleich sticht keine der beiden Antriebsarten spezifisch heraus. Dies ist den Ingenieuren hoch anzurechnen – die Kunden haben eine echte Wahl zwischen modernen Benzinmotoren und reinem Stromantrieb.

Beide Varianten lenken äusserst präzise ein: Die Vorderräder folgen exakt dem gewählten Kurs. Talwärts macht sich das Gewicht bemerkbar: Der i3 50 wiegt 345 Kilogramm mehr als der M350. Weil Fahrwerkselektronik und Bremsen jedoch beherzt zupacken, schiebt der Stromer nie spürbar über die Vorderräder.

Breite und schmale Rückleuchten sind typisch für die Neue Klasse von BMW.

Breite und schmale Rückleuchten sind typisch für die Neue Klasse von BMW.

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Auch beim Herausbeschleunigen aus Kurven sind zwischen Stromer und Verbrenner kaum Unterschiede zu spüren. Der 3er bietet bei beiden Antriebsarten eine drehmomentstarke Beschleunigung, ohne dass die Räder durchdrehen oder seitlich rutschen würden. Dafür sorgt einer der nur wenigen im Wagen verbauten Hochleistungsrechner. Dieser «Heart of Joy» getaufte Computer regelt gemäss dem Hersteller zehnmal so schnell wie bisherige Systeme. Einzig der sonore Klang des Motors sorgt beim Benziner für etwas mehr Emotionen als beim lautlos agierenden i3.

Der Rechner ermöglicht zudem, dass der 3er bei beiden Antriebsarten in Kurven stets stabil bleibt, ohne dass er sich auf die kurvenäussere Seite neigt. Auch beim Beschleunigen und Bremsen knickt die Karosserie weder hinten noch vorne spürbar ein. Verwendet man beim Stromer den Modus Ein-Pedal-Fahren, kommt der Wagen beim Anhalten ruckfrei zum Stehen. Hier muss der Benziner mangels Rekuperationsbremse passen.

Deutliche Unterschiede ergeben sich beim Nachtanken. Der Benziner ist in drei Minuten vollgetankt. Der Stromer braucht laut der Werksangabe für das Nachladen von gut 420 Kilometern Reichweite zehn Minuten. Das mag zwar eine Spur länger dauern als an der Tanksäule, aber es kostet im Direktvergleich deutlich weniger.

Bei den Fahrleistungen sind die Unterschiede zwischen Elektro- und Benziner-Dreier überschaubar. Der i3 50 leistet mit 369 PS gerade einmal 26 PS mehr als der M350. Er liegt auch beim Drehmoment höher als der Benziner, und dies schon aus dem Stand heraus. Ein weiteres Plus des Stromers: Seine Motoren sind elektrisch erregt. Sie kommen also ohne eingebaute Magnete aus – und damit ohne seltene Erden. Die für die Funktionsweise der Elektromotoren nötige Magnetwirkung wird elektrisch erzeugt.

Die Nachteile bei den Leistungsdaten gleicht der BMW M350 durch sein deutlich geringeres Gewicht aus. Unter der Fronthaube arbeitet ein für die Marke typischer Sechszylinder-Benzinmotor mit drei Litern Hubraum und einem kleinen Elektromotor zur Erhöhung der Effizienz. Man spricht bei diesem Antrieb von Mildhybrid, wozu das Fahrzeug ein 48-Volt-Bordsystem benötigt, gestützt von einem 48-Volt-Bordnetz. Vier Endrohre liefern den markanten Sound, und per Knopfdruck leitet die neue Funktion «Drift Moment» alle Kraft an die Hinterachse. Dies soll die Anhänger des kontrollierten Driftens über rutschende Hinterräder erfreuen.

Vier Auspuffrohre verschaffen Verbrenner-Fans den ersehnten Wohlklang.

Vier Auspuffrohre verschaffen Verbrenner-Fans den ersehnten Wohlklang.

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Vier Superhirne steuern die gesamte Fahrdynamik

Der BMW 3er profitiert – unabhängig von der Antriebsart – von den Besonderheiten des Software-definierten Fahrzeugs. Im Gegensatz zu konventionellen Verbünden von vielfältigen Steuergeräten setzt BMW bei der Neuen Klasse auf vier zentralisierte Superhirne. Sie sind zuständig für die Fahrdynamik, das automatisierte Fahren und Parkieren, das Infotainment sowie die Basisfunktionen (etwa das Schlüsselsystem) und den Komfort (zum Beispiel Klimaanlage, Massagesitze).

Ein KI-gestützter Sprachassistent ergänzt die vier Rechenzentren. Gegenüber früheren Sprachsteuerungen ist der neue Assistent (Amazon Alexa+) deutlich schneller und einfacher zu bedienen.

Als Unterscheidungsmerkmal zwischen den einzelnen 3er-Varianten bleibt am Ende nur der Antrieb. Wer ein hocheffizientes und modernes Elektrofahrzeug kaufen will, ist mit dem BMW i3 gut bedient. Wer eher an besonders emotionaler Fahrt interessiert ist, weicht auf den M350 aus. Beide gefallen auf ihre Weise.

Hübsches Detail: Bei manchen Ausführungen ist der lichtdurchlässige Stoff von hinten beleuchtet.

Hübsches Detail: Bei manchen Ausführungen ist der lichtdurchlässige Stoff von hinten beleuchtet.

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Nur eines will nicht ganz ins Bild passen: Angesichts des Preisdrucks in Europa, der von der wachsenden Konkurrenz gut gemachter Autos aus China herrührt, ist der BMW vergleichsweise teuer. Ausstattungsbereinigt liegen Stromer und Benziner deutlich über der 70 000-Franken-Grenze. Der Stromer bietet die Leistung des Dreiliter-Benziners sogar für deutlich weniger Geld. Aber am Ende kaufen europäische Kunden nicht nur ein Produkt, sondern vertrauen auch bekannten Marken. Das spricht für den BMW 3er.

Die Testfahrt wurde von BMW unterstützt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Herbie Schmidt

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