Blaue Welle in den USA Die Warnung im Sieg der Demokraten
05.11.2026, 05:50
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Sie waren der Schlüssel zum Wahlerfolg der Demokraten: Hispanics, Junge, sowie Wählerinnen und Wähler mit eher geringeren Einkommen. Es sind unter anderem die gleichen Gruppen, die vor zwei Jahren Donald Trump zur triumphalen Rückkehr ins Weisse Haus verholfen haben.
Bezirke mit einer mehrheitlich hispanischen Wählerschaft rückten gemäss einer Analyse der «Washington Post» bei diesen Midterms verglichen mit den Wahlen 2024 um 28.5 Prozentpunkte Richtung Demokraten, Wählerinnen und Wähler mit geringem Einkommen um 20.9 Prozentpunkte, die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gemäss «New York Times» um 32 Prozentpunkte.
Wer nicht liefert, wird abgestraft
Vor zwei Jahren hatten sich gerade Hispanics und Junge aus Frustration über den damaligen Präsidenten Joe Biden von den Demokraten ab- und Donald Trump zugewandt. Jetzt wandten sie sich aus den gleichen Gründen von Trump ab und wechselten wieder zu den Demokraten. Für die Demokraten halten diese Verschiebungen eine deutliche Warnung bereit: Entscheidend ist, wer seine Wahlversprechen hält und die Lebensumstände der Wählenden tatsächlich verbessert. Wer das nicht tut, wird bei der nächsten Wahl abgestraft.
Dessen dürfte sich auch Hakeem Jeffries, der ranghöchste Demokrat im Repräsentantenhaus, bewusst gewesen sein, als er gegenüber CNN sagte, die Demokraten hätten mit dem Thema Lebenshaltungskosten den Wahlkampf bestritten und so die Wahlen gewonnen. Nun müssten sie auch «liefern». Sprich: die Lebenshaltungskosten senken. Sonst drohen sie, die Gewinne dieser Wahlen schnell wieder zu verlieren.
Richtungsstreit weiter offen
Gleichzeitig werden die Demokraten ihren internen Richtungsstreit lösen müssen. Denn gerade ihre Gewinne in Bundesstaaten, die bisher fest in republikanischer Hand waren, wurden von moderaten Kandidatinnen und Kandidaten der Mitte erzielt.
Der linke Flügel der progressiven Demokratischen Sozialisten gewann zwar ebenfalls einige Sitze hinzu, allen voran den Senatssitz von Abdul El-Sayed in Michigan. Gleichzeitig verlor die Kandidatin des linken Parteiflügels jedoch ihre Wahl um einen Senatssitz in Florida. Ein klarer Führungsanspruch, wie ihn einige Exponenten des linken Flügels für sich beanspruchen, lässt sich daraus schwer ableiten.
Viele Namen, keine Klarheit
Damit bleibt das Feld der möglichen Kandidatinnen und Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaft 2028 breit. Einer der Gewinner dieser Zwischenwahlen ist Jon Ossoff, der seinen Senatssitz in Georgia souverän verteidigte. Aber auch Pennsylvanias Gouverneur, Josh Shapiro, gewann seine Wiederwahl deutlich und half zudem dabei, dass die Demokraten in seinem Bundesstaat den Republikanern vier Abgeordnetensitze entreissen konnten.
Ein weiterer Gewinner ist Andy Beshear, der Gouverneur von Kentucky und Vorsitzender der Demokratischen Gouverneursvereinigung. Er kann sich darüber freuen, dass die Demokraten Gouverneurssitze in traditionell republikanischen Staaten wie Ohio, Iowa, Georgia oder Texas gewannen. Dazu kommen weitere, teils prominente Namen.
Welcher Flügel der Demokraten in zwei Jahren bestimmend sein wird, darüber gaben die Zwischenwahlen keine klare Antwort.
Pascal Weber
USA-Korrespondent
Pascal Weber arbeitet seit 1999 für SRF. Er studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht an der Universität Zürich (Lizentiat). Von 2010 bis 2021 war er SRF‑Nahostkorrespondent und lebte über elf Jahre in Tel Aviv, Kairo und Beirut – unter anderem während des Arabischen Frühlings, des Syrienkriegs und des US‑Abzugs aus Afghanistan. Er hat zwei Bücher veröffentlicht und arbeitet heute als USA‑Korrespondent in Washington.
10vor10, 4.11.2026, 21.50 Uhr
Source: SRF · Eine Analyse von Pascal Weber
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