Junge Weiße, Hispanics

Im Zuge einer klaren Abrechnung mit der Politik von US-Präsident Donald Trump haben Wähler und Wählerinnen bei den Midterms den Demokraten die Kontrolle über Abgeordnetenhaus und Senat übertragen. Ein Blick auf das Wahlverhalten der großen Bevölkerungsgruppen zeigt, dass Trumps Republikaner von einigen Wählergruppen besonders hart abgestraft wurden. Auch innerhalb von Trumps Zielgruppen wurde umgeschwenkt.

Online seit heute, 16.43 Uhr

Die Daten, die im Zuge von Nachwahlbefragungen am Dienstag erhoben wurden, zeigen, dass die Republikaner bei fast allen Bevölkerungsgruppen deutlich schlechter abgeschnitten haben als bei den Midterms vor vier Jahren. Daten der Befragung „The Voter Poll“ der Nachrichtenagentur AP unter Beteiligung mehrerer großer US-Medien geben ein klares Bild.

Demzufolge trugen Wählerinnen und Wähler landesweit Wechselstimmung zur Wahlurne. Konkret ging aus den Daten hervor, dass sich rund drei Viertel der Wähler über die Richtung, in die sich das Land entwickelt, „verärgert“ oder „unzufrieden“ fühlen. Rund sechs von zehn gaben an, Trump räume seinen persönlichen Interessen eine höhere Priorität ein als den Interessen des Landes.

AP Voter Poll

Die Umfrage wurde unter anderem von AP, ABC News, CBS News, CNN, Fox News, NBC News in Auftrag gegeben. Befragt wurden mehr als 100.000 Wähler zwischen 19. Oktober und dem Wahltag.

Noch vor zwei Jahren war Trumps Wahltriumph von der Mobilisierung bestimmter Gruppen beflügelt worden. Dazu zählten viele junge, weiße Wähler aus der Arbeiterklasse sowie auch ein nicht unerheblicher Anteil an Hispanics und Asian Americans. Die zu den Midterms erhobenen Daten zeigen nun signifikante Verschiebungen.

Klares Bild bei 18- bis 29-Jährigen

Bei der Abstimmung über das Repräsentantenhaus entschieden sich mehr als 70 Prozent der 18- bis 29-Jährigen für die Demokraten. In keiner anderen Altersgruppe ist der Unterschied zu den Republikanern (25 Prozent) so klar. Eine Mehrheit der Wählerschaft unter 30 (60 Prozent) gab an, dass sie ihre Stimme auch deshalb abgegeben habe, um Opposition zu Trump auszudrücken.

Grafik zeigt Wählerverhalten zum Repräsentantenhaus

Fokus auf Wirtschaft und Zustand der Demokratie

Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hatte es noch deutliche Verschiebungen Richtung Trump gegeben. Vor allem junge Männer ohne College-Abschluss waren auf den Republikaner und seine „America First“-Strategie angesprungen. Die Lebenshaltungskosten mit hohen Preisen in den Supermärkten und an der Tankstelle spielten für Jüngere bei der Wahl eine wichtigere Rolle als für Wähler ab 45.

Die „The Voter Poll“-Analyse zeigt auch, was die verschiedenen Bevölkerungsgruppen als für sie wichtigste Themen sahen. Generell zeigt sich nach den Kriterien Alter, Geschlecht, Ausbildung und Ethnie ein eindeutiges Bild, denn die großen Bereiche beschränken sich jeweils auf Wirtschaft und den Zustand der Demokratie. Einwanderung und Gesundheit wurde vergleichsweise weit weniger oft genannt.

Grafik zeigt die laut Wählern wichtigsten landesweiten Probleme

Trumps Themen gingen bei Jungen ins Leere

Bemerkenswert ist auch, dass insbesondere jüngeren Wählerinnen und Wählern Maßnahmen gegen Migration vergleichsweise weniger wichtig waren. Trump steht für eine rigorose Abschiebepolitik. Ebenso weniger wichtig für jüngere Menschen sind die riesigen, umstrittenen Rechenzentren, die Tech-Konzerne in großem Stil landesweit aufbauen wollen. Trump spricht sich für den Bau solcher Zentren aus.

Die „New York Times“-Analyse („Voter Trend“) erkannte eine landesweite Verschiebung zugunsten der Demokraten in Regionen mit überwiegend weißen Wählern aus der Arbeiterschicht, die bisher ein wichtiger Teil von Trumps Wählerbasis war. Eine wichtige Rolle dürfte die Unzufriedenheit mit den hohen Lebenshaltungskosten gespielt haben, aber auch Trumps Abschiebepolitik.

Viele Hispanics wieder zurück zu Demokraten

Rückenwind für Republikaner blieb auch von Latinos aus: Viele hispanische Wähler und Wählerinnen stimmten für demokratische Kandidaten für den Einzug ins Repräsentantenhaus. Fast zwei Drittel (62 Prozent) der Stimmen von Hispanics, also US-Bürgern mit Wurzeln in spanischsprachigen Ländern, entfielen den Angaben zufolge auf demokratische Kandidaten für diese Parlamentskammer.

Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika sind traditionell eher Unterstützer der Demokraten, hatten aber bei der Präsidentschaftswahl 2024 unter anderem Hoffnungen auf Trumps Versprechen gesetzt, die Lebenshaltungskosten zu senken – was letztlich fehlschlug. Vor allem junge männliche Latinos waren eine Zielgruppe von Trumps Republikanern.

Politologin: Hohe Lebenserhaltungskosten als Hauptargument

Der Entscheid für die Demokraten bei den Midterms sei laut Claudia Brühwiler, Professorin für Politik und Kultur der USA, im hohen Maße eine Ablehnung der Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. Die Lebenserhaltungskosten wären das Hauptargument für eine Stimme gegen die Republikaner.

Abschieberazzien schreckten ab

Zusätzlich sorgten Trumps Abschieberazzien gegen Migranten viele ab, sodass sich sogar eine Republikanerin in Florida zuletzt genötigt sah, sich kritisch zu Trumps Politik zu äußern. In ihrem Wahlkreis ist der Anteil von Latinos vergleichsweise hoch. Und im stark republikanisch geprägten Texas wurde mit Gina Hinojosa die erste Frau mit lateinamerikanischen Wurzeln zur Gouverneurin gewählt.

Die Demokraten sprachen sich gegen die von der Trump-Regierung angeordneten Abschieberazzien und die Einwanderungsbehörde ICE aus. Informationen der jüngsten Volkszählung 2020 zufolge identifizieren sich etwa 60 Millionen der insgesamt rund 340 Millionen Menschen in den USA als Latinos, also etwa 19 Prozent. Damit machen sie die größte Gruppe der ethnischen Minderheiten in den USA aus.

Mehr Bewegung bei Männern

Schwarze Wählerinnen und Wähler entschieden sich mit überwältigender Mehrheit für demokratische Kandidaten für das Repräsentantenhaus. Nur neun Prozent machten laut Umfrage ihr Kreuz für die Republikaner. Offensichtlich sind auch sie mit Trumps Politik unzufrieden. 60 Prozent wollten laut Umfrage mit ihrer Stimme ihre Ablehnung gegenüber Trump zeigen.

Überhaupt folgten praktisch alle Bevölkerungsgruppen dem Zulauf für die Demokraten, wie die Analyse der „NYT“ eindrücklich verdeutlicht. Die Gruppen, für die noch eine überwiegende Zustimmung für die Republikaner ausgewiesen werden, reduzieren sich besonders auf weiße Männer – mit Überhängen im Mittleren Westen und besonders deutlich im Süden bzw. mit Alter ab 45.

Nach Geschlecht wird die Zustimmung für die Demokraten bei Frauen verglichen mit Männern als ziemlich eindeutig dargestellt. Demzufolge stimmten über 60 Prozent der Frauen für demokratische Kandidaten für das Repräsentantenhaus. Die Zustimmung bei Männern liegt bei 51 Prozent. Bemerkenswert ist aber, dass es unter Männern eine stärkere Bewegung in Richtung Demokraten gab als bei Frauen.

Source: ORF · ORF.at

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