Oktober-Bilanz
Der Oktober 2026 war wärmer als 90 Prozent aller Oktober in Österreichs 260-jähriger Messgeschichte. In vielen Regionen war es außerdem deutlich zu trocken. Daher ist schon jetzt absehbar: 2026 wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eines der drei trockensten Jahre der Messgeschichte.
Online seit heute, 13.07 Uhr
Der Oktober startete vielerorts mit sommerlichen Temperaturen, so verzeichnete etwa die Wetterstation Wien-Hohe Warte Anfang des Monats drei Sommertage (mindestens 25 Grad). Mehr waren es hier in einem Oktober in der 155-jährigen Messgeschichte nur 2023 mit damals fünf Sommertagen.
Deutlich zu kühl war der Oktober umgekehrt nur an wenigen Tagen, in den meisten Regionen vor allem gegen Ende des Monats. So gab es zum Beispiel am 25. Oktober den österreichweit kühlsten Tag seit 1. April mit maximal 14,1 Grad in Feldkirch (Vorarlberg) und Tannheim (Tirol).
Vor allem in tiefen Lagen deutlich zu warm
Insgesamt fällt der Oktober in der Monatsbilanz der GeoSphere Austria deutlich zu warm aus. In der Reihe der wärmsten Oktober liegt 2026 im Tiefland auf Platz 27 (Messbeginn 1767) und auf den Bergen auf Platz 34 (Messbeginn 1851). Somit war der Oktober 2026 im Tiefland wärmer als rund 90 Prozent aller Oktober in der 260-jährigen Messgeschichte. Auf den Bergen war er wärmer als rund 80 Prozent aller Oktober in Österreichs 176-jähriger Gipfelmessreihe.
Die Abweichungen im Detail: Im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit (Klimaperiode 1991 bis 2020) war es im Oktober 2026 im Tiefland um ein Grad und auf den Bergen um 0,8 Grad wärmer als im Durchschnitt. Im Vergleich zur Klimaperiode 1961 bis 1990, die von der Klimaerwärmung noch nicht so stark betroffen war, war der Oktober im Tiefland um 1,7 Grad und auf den Bergen um ein Grad zu warm.
Relativ geringe Klimaerwärmung im Herbst
Die Herbstmonate September, Oktober, November sind in Österreich die Monate mit der geringsten Erwärmung in den letzten Jahrzehnten. Im Vergleich zur Zeit vor den 1970er Jahren wurde der Herbst um 1,4 Grad wärmer, der Sommer hingegen um 3,0 Grad.
Die Gründe für die großen Unterschiede sind noch nicht gänzlich geklärt. „Einen Anteil könnte auf jeden Fall haben, dass die Sonnenscheindauer im Sommer in den letzten Jahrzehnten deutlich mehr zugenommen hat als im Herbst. Mehr Sonnenschein wirkt sich im Sommer durch den höheren Sonnenstand auch deutlich stärker aus als im Winter“, erklärt Klimatologe Alexander Orlik von der GeoSphere Austria. „Die starke Zunahme an Sonnenstunden im Sommer kommt dadurch zustande, dass im Zuge der Klimaerwärmung der subtropische Hochdruckgürtel im Sommer weiter nordwärts und damit Richtung Österreich gerückt ist.“
Auch Oktober zu trocken
Nur wenige Regionen verzeichneten im Oktober 2026 durchschnittliche Niederschlagsmengen, wie größtenteils Vorarlberg, das Außerfern, das Tiroler Oberland, der Flachgau, das Innviertel und das Salzkammergut. Im Großteil Österreichs war der Oktober deutlich zu trocken mit Abweichungen von über 50 Prozent zum Durchschnitt.
So regnete es zum Beispiel an der Wetterstation Graz-Universität in diesem Oktober nur 13 Liter pro Quadratmeter. In einem durchschnittlichen Oktober sind es hier 63 Liter pro Quadratmeter.
Möglicherweise trockenstes Jahr der Messgeschichte
Von Jänner bis Oktober liegt das Defizit der Niederschlagsmenge derzeit bei rund 30 Prozent. Somit steht schon jetzt fest: Selbst wenn im November und Dezember noch viel Regen und Schnee fällt, reiht sich 2026 unter den trockensten Jahren der Messgeschichte ein: 1865 (minus 33 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt), 1971 (minus 25 Prozent), 1868 (minus 23 Prozent), 1861 (minus 22 Prozent), 1921 (minus 22 Prozent), 1932 (minus 21 Prozent), 2003 (minus 20 Prozent).
Bei einigermaßen durchschnittlichen Niederschlagsmengen im November und Dezember liegt 2026 in der Endbilanz auf jeden Fall unter den drei trockensten Jahren der Messgeschichte.
Hohe Temperaturen verschärfen Trockenheit
Für die tatsächliche Wasserbilanz ist aber nicht nur der Niederschlag relevant, sondern auch die Temperatur. Je wärmer es ist, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen, daher verdunstet auch mehr Wasser aus den Böden. Aus diesem Grund ist das sehr warme Jahr 2026 in den Auswirkungen auf die Natur deutlich extremer als Jahre in früheren Jahrzehnten, die ähnlich wenig Niederschlag hatten, aber deutlich kühler waren.
Die Kombination aus hohen Temperaturen und wenig Niederschlag wirkte sich im Oktober auch auf die Schneelage aus. Kurzfristig schneite es zwar bis in mittlere Lagen, aber insgesamt gab es selbst im Hochgebirge deutlich zu wenig Neuschnee. Zum Beispiel war die Neuschneesumme im Oktober (Summe der täglichen Schneehöhen) beim Sonnblick-Observatorium in rund 3.100 Meter Seehöhe nur 90 Zentimeter. In einem durchschnittlichen Oktober fallen hier 154 Zentimeter Neuschnee.
Viele Sonnenstunden
Der Oktober 2026 zeigte sich von seiner sonnigen Seite und brachte in der österreichweiten Auswertung 18 Prozent mehr Sonnenstunden als ein durchschnittlicher Oktober. Ähnlich sonnig war ein Oktober zuletzt in den Jahren 2023, 2022 und 2021. Am sonnigsten war es von allen Wetterstationen in Andau im Burgenland mit 204 Sonnenstunden (plus 48 Prozent zum Durchschnitt).
Source: ORF · ORF.at
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