Region Cherson
In der russisch besetzten Stadt Oleschky in der ukrainischen Region Cherson ist Sonntagabend die von US-First-Lady Melania Trump und Papst Leo XIV. vermittelte Feuerpause ausgelaufen. Kurz vor Auslaufen der Waffenruhe brachte die ukrainische Armee noch knapp 170 Menschen aus der Region in Sicherheit. Kiew und Moskau meldeten unterdessen Cyberattacken auf ihre Warn-Apps, die bei Luftangriffen Alarm schlagen.
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Die sechstägige Feuerpause in Oleschky und Umgebung endete um Mitternacht Moskauer Zeit (21.00 Uhr MEZ). Medienberichten zufolge gab es keine Anzeichen für eine sofortige Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez schrieb im Kurznachrichtendienst Telegram, beide Seiten hätten ihre Verpflichtungen während der lokalen Waffenruhe eingehalten.
Er und seine russische Amtskollegin Jana Lantratowa prüften nun Möglichkeiten, ähnliche humanitäre Bemühungen fortzusetzen. Der Sprecher des Präsidialamts in Moskau, Dmitri Peskow, sagte, man bewerte den Ablauf des Einsatzes in Oleschky sowie die Koordination zwischen den Menschenrechtsbeauftragten beider Länder positiv.
Straßen entmint, Menschen versorgt
Das ukrainische Militär brachte kurz vor Auslaufen der Frist 167 Menschen aus bedrohten Gebieten der südlichen Region Cherson in Sicherheit. Darunter seien 22 Kinder und 21 Menschen mit eingeschränkter Mobilität, teilte der ukrainische Generalstab am späten Sonntagabend mit.
Während der Kampfpause in und um Oleschky wurden Straßen entmint und Versorgungsgüter in die Stadt gebracht. Bereits am Samstag waren Menschen aus Oleschky gebracht worden. Nach US-Angaben harrten noch bis zu 2.000 Menschen in der schwer zerstörten Stadt aus.
Die Menschen wurden der russischen Menschenrechtsbeauftragten Lantratowa zufolge in 25 Bussen und neun Rettungswagen auf die Krim gebracht, bevor sich die Konvois aufteilten, da einige nach Russland und andere in die Ukraine wollten. Wie viele Zivilistinnen und Zivilisten sich weiter in der Stadt aufhalten, ist nicht bekannt.
Papst hofft auf Friedensbemühungen
Vermittelt worden war die Waffenruhe von Melania Trump und dem Papst. Das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte die Hoffnung, dass die Kooperation den Weg für umfassendere Friedensbemühungen ebnen werde. Trump teilte auf der Plattform X mit, die Feuerpause habe den Bewohnerinnen und Bewohnern Bewegungsfreiheit, Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser und Medikamenten sowie ein neues Gefühl der Würde ohne die ständige Bedrohung durch Angriffe verschafft.
Längste Kampfpause seit Beginn der Invasion
Es handelte sich um die längste lokale Unterbrechung der Kämpfe seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Russische Streitkräfte hatten die Stadt am Fluss Dnipro unmittelbar nach dem Einmarsch im Februar 2022 unter ihre Kontrolle gebracht. Ukrainische Truppen eroberten jedoch noch im selben Jahr einen großen Teil der Region zurück, einschließlich der Gebietshauptstadt Cherson.
Cyberangriffe auf Warn-Apps
Die offizielle Warn-App für Luftangriffe in der Ukraine wurde ukrainischen Angaben zufolge gehackt und verschickte vorübergehend falsche Warnungen. Die Anwendung habe für Kiew und andere Gebiete falsche Warnungen vor einem nuklearen und chemischen Angriff sowie die Gefahr von Straßenkämpfen angezeigt, teilte die ukrainische Armee Sonntagabend mit.
Zudem habe eine fehlerhafte Nachricht den Einsatz der russischen Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik gemeldet. „Die Luftalarm-App scheint unter feindlichen Einfluss geraten zu sein“, teilten die Luftstreitkräfte mit. Die fehlerhaften Anzeigen verschwanden kurze Zeit später wieder. Die App sei vorübergehend außer Betrieb, teilte das ukrainische Ministerium für digitale Transformation mit. Andere Warnsysteme für die Bevölkerung sowie die Luftschutzsirenen hätten funktioniert.
In der Nacht auf Montag meldete auch Russland einen Cyberangriff auf seine Warn-App, wie die staatliche Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf das Zivilschutzministerium berichtete. Es sei den Angreifern gelungen, Falschinformationen an die Bevölkerung zu versenden, hieß es weiter. Die russische Behörde machte keine Angaben dazu, wen sie hinter dem Angriff vermutet. Die Website des Ministeriums für Warnungen war zeitweise nicht erreichbar.
Kämpfe in anderen Landesteilen
In anderen Teilen der Ukraine gingen die Kämpfe am Sonntag weiter. Aus der Region Sumy meldeten die Behörden ein Todesopfer. In der zentralukrainischen Region Winnyzja wurde laut ukrainischen Medien eine 13-Jährige bei einem Drohnenangriff nahe einer Unterkunft für Binnenvertriebene getötet.
Das russische Militär meldete Angriffe auf die Region Odessa. Dabei seien eine militärische Einrichtung und ein für militärische Zwecke genutztes Frachtschiff im Schwarzen Meer attackiert worden, hieß es aus Moskau. Lokale ukrainische Behörden sprachen unabhängig davon von einem russischen Angriff auf die Region. Vier Menschen seien dabei verletzt worden.
Bericht: USA für russische Gasexporte nach Europa
Die USA setzen sich einem Zeitungsbericht zufolge unterdessen für eine rasche Wiederaufnahme der russischen Erdgasexporte nach Europa über Pipelines durch die Ukraine ein. Das sei Teil von Gesprächen, um noch vor dem Winter einen Stopp der Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu erreichen, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Regierungsvertreter aus den USA, Europa und der Ukraine.
Source: ORF · ORF.at
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