Bankenskandal in Paraguay

Paraguay hat einen neuen Präsidenten: Nach der einstimmigen Amtsenthebung von Staatschef Santiago Pena durch den Senat infolge eines Bankenskandals ernannte die Parlamentskammer den bisherigen Vizepräsidenten Pedro Alliana am Freitag zum Staatschef. Der abgesetzte Präsident wurde kurz darauf unter Hausarrest gestellt.

Online seit heute, 10.13 Uhr

Alliana wandte sich nach seiner Ernennung zum Präsidenten an die Millionen Menschen in Paraguay, die von dem Bankenskandal betroffen sind: „Landsleute, die infolge des finanziellen Zusammenbruchs derzeit eine schwierige Zeit durchmachen, werden vollständig entschädigt werden“, sagte er. Alliana wird bis 2028 als Präsident amtieren. Zum neuen Vizepräsidenten wurde der Senator Antonio Barrios ernannt.

Das Votum zur Amtsenthebung Penas fiel eindeutig aus: Alle 44 anwesenden Senatoren stimmten dafür. Die Parlamentskammer zählt 45 Mitglieder. Pena habe sein Amt „schlecht ausgeübt“, sagte Senatspräsident Basilio Nunez. „Infolgedessen wird er seines Amtes als Präsident enthoben.“ Vor dem Senat feierten Hunderte Menschen die Amtsenthebung Penas lautstark.

Einvernahme durch Staatsanwaltschaft

Die paraguayischen Behörden stellten den Ex-Präsidenten wenige Minuten nach seiner Absetzung unter Hausarrest, wie Staatsanwältin Silvia Gonzalez bestätigte. Anrainer demonstrierten paraguayischen Medien zufolge in Penas Wohnviertel La Trinidad und forderten, dass der abgesetzte Staatschef die ersten Stunden seiner Haft in einem normalen Gefängnis verbringt.

Pena soll am Samstag zur Staatsanwaltschaft gebracht werden, wo er zu den mutmaßlichen Straftaten des Vertrauensbruchs, der Einflussnahme und der Veruntreuung von Geldern vernommen wird.

Digitalbank uneo unter staatlicher Kontrolle

Auslöser der Krise war die Entscheidung der paraguayischen Zentralbank am Montag, die Digitalbank ueno wegen unzureichender Eigenkapitalausstattung unter staatliche Kontrolle zu stellen. Die Bank hat rund drei Millionen Kunden, das sind etwa 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung des Landes.

Die Schließung von ueno hat weitreichende Folgen: Kontoguthaben wurden vorerst eingefroren, Zahlungen unterbrochen und zahlreiche Menschen vom Zugriff auf ihre Ersparnisse abgeschnitten. In der Hauptstadt Asuncion kam es in den vergangenen Tagen zu Straßenprotesten, aufgebrachte Bürgerinnen und Bürger versammelten sich vor den geschlossenen Filialen der Bank.

Demonstration in Asuncion, Paraguay
Viele wütende Bürgerinnen und Bürger sehen im ueno-Kollaps ein Paradebeispiel für Korruption

Öffentliche Einlagen in dreistelliger Millionenhöhe

Kurz nach dem Erhalt ihrer Banklizenz im Jahr 2023 schien ueno in Paraguay allgegenwärtig zu sein. Der digitale Kreditgeber lockte Kundinnen und Kunden mit großzügigen Cashbackangeboten für Lebensmittel an, vergrößerte sich auf über 70 Standorte und sponserte die paraguayische Fußballnationalmannschaft.

Unter Pena flossen auch staatliche Gelder in die Kassen von ueno. Allein die staatliche Sozialversicherung hält dort rund 355 Millionen Dollar (rund 316 Mio. Euro). Insgesamt verwaltet die Bank öffentliche Gelder im Umfang von etwa 850 Millionen Dollar.

Doch während sich die Gelder bei ueno anhäuften, wuchsen die Bedenken innerhalb der Zentralbank. Im Juni stellten die Prüfer ein Muster riskanter Kreditvergaben an Insider fest, wie die führende paraguayische Zeitung „ABC Color“ berichtete. Zentralbankchef Carlos Carvallo musste auf Druck von Präsident Pena bereits zu Wochenbeginn sein Amt niederlegen. Carvallo hatte die Bank geleitet, bevor er 2023 an die Spitze der Zentralbank wechselte.

Kreditvergabe ohne Sicherheiten

Ueno hatte Unternehmen mit Verbindungen zu ihren Eigentümern große Kreditsummen gewährt – über das gesetzlich zulässige Maß hinaus und ohne ausreichende Sicherheiten, um die Schulden im Falle eines Ausfalls zu decken. An einem einzigen Tag im September 2025 flossen fast 39 Millionen Dollar an drei solcher Unternehmen.

Pena wischte die Warnungen wiederholt beiseite, am Montag brach jedoch alles zusammen. Die Zentralbank stellte den Zwangsverwalter für das Kreditinstitut ein und kündigte an, die Kundenkonten sowie alle noch wertvollen Vermögenswerte auf andere Banken zu übertragen, bevor die verbleibenden Bestände liquidiert werden.

Viele sehen den Zusammenbruch der ueno nicht nur als Folge risikoreicher Bankgeschäfte, sondern als Paradebeispiel für Korruption bei den Behörden. Nur Venezuela schneidet in Südamerika auf dem aktuellen Index der wahrgenommenen Korruption von Transparency International, einer globalen Überwachungsorganisation, noch schlechter ab.

Source: ORF · ORF.at

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