Westjordanland
Als Reaktion auf einen Angriff im Westjordanland mit zwei getöteten Soldaten hat Israel eigenen Angaben zufolge eine Großoffensive im Raum Hebron gestartet. Der gemeinsame Einsatz von Armee, Geheimdienst, Grenzpolizei und Zivilverwaltung sei auf das Gebiet beschränkt, aus dem die Terroristen operierten, und werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.
Online seit heute, 15.24 Uhr
Freitag früh hatte es einen Angriff mit Schusswaffen in der Nähe von Hebron im Westjordanland gegeben. Dabei wurden israelischen Militärangaben zufolge zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die zwei mutmaßlich palästinensischen Täter aus Hebron wurden getötet.
Die Sicherheitskräfte hätten dadurch einen „schweren Anschlag“ verhindert, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Seit Beginn der Operation könnten Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebiets über drei ausgewiesene Ausgänge nach einer Befragung das Gebiet verlassen, hieß es weiter. Zu den Anti-Terror-Maßnahmen zähle auch die Abriegelung der Gebiete Hebron und Halhul sowie die Einrichtung von Straßensperren.
Palästinenser fordern internationales Eingreifen
Die palästinensische Autonomiebehörde rief die internationale Gemeinschaft auf, wegen des Vorgehens israelischer Sicherheitskräfte im besetzten Westjordanland einzugreifen. Nach Angaben der Autonomiebehörde stellen die Maßnahmen im Raum Hebron – darunter die Vertreibung von Bewohnern, der Abriss von Häusern und Gebäuden sowie die Abriegelung von Städten – eine Kollektivstrafe dar. Diese Eskalation werde niemandem Sicherheit oder Frieden bringen, sondern nur weitere Spannungen schüren, hieß es.
Abriegelung vor Wahl nicht ungewöhnlich
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedlerinnen und Siedler, deren Siedlungen laut Völkerrecht illegal sind.
Eine Abriegelung des Westjordanlands vor der Wahl wäre nicht ungewöhnlich. Die Menschen in Israel sollen am Dienstag ein neues Parlament wählen. Werden die Übergänge geschlossen, können die meisten Palästinenser und Palästinenserinnen nicht mehr nach Israel etwa zur medizinischen Behandlung und zu Verwandtenbesuchen einreisen. Sie brauchen dafür generell eine vorherige Genehmigung.
Palästinenser und Palästinenserinnen mit Wohnsitz im arabisch geprägten Ostjerusalem sollten von der möglichen Schließung der Übergänge nicht betroffen sein und diese trotzdem passieren können, war zu vernehmen.
Wichtiges Wahlkampfthema
Der Konflikt mit den Palästinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Politiker versuchen bei ihrer Wählerschaft zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt versprechen.
Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum. Die Sicherheit der Israelis ist für Netanjahu und seine rechtsextremen Koalitionspartner ein zentrales Wahlkampfthema.
Source: ORF · ORF.at
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