Ärzte nicht erfreut
Die Bundesregierung ermöglicht in Zukunft das Impfen gegen FSME, Keuchhusten-Tetanus-Diphtherie und Hepatitis in Apotheken. Der Start soll rechtzeitig zur Zeckensaison im kommenden Frühling erfolgen. Später könnten weitere Impfungen dazukommen. Die Ärztekammer zeigte sich wenig erfreut, auch weil es zuletzt wieder einen Mangel an Impfdosen gab.
Online seit heute, 14.38 Uhr
Die Impfmöglichkeiten in Apotheken wurde am Mittwoch vom Ministerrat beschlossen und bereits in Begutachtung geschickt. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) betonte im Pressefoyer nach der Regierungssitzung, es gehe ausdrücklich nicht darum, Ärztinnen und Ärzte zu ersetzen, sondern darum, ein zusätzliches Angebot zu schaffen.
Man habe sich auf Impfungen konzentriert, die man bereits in Apotheken erwerben könne. Danach noch einen Gang zum Arzt antreten zu müssen, sei eine der Hürden gewesen, die manche vom Impfen abgehalten hätten.
In den Apotheken geimpft werden können Personen ab 14 Jahren. Einige Gruppen wie Schwangere, akut Erkrankte und Risikopatienten sind ausgenommen. Die ersten Impfungen sollen zu Beginn der kommenden Zeckensaison im Frühjahr 2027 in Apotheken durchgeführt werden.
Das kommende Jahr ist für die Ministerin ein „Probejahr“: „Wir wollen das Impfen in Apotheken einmal ins Vertrauen bringen.“ Später kann sie sich eine Ausweitung der Immunisierungen vorstellen.
Ausbildung samt Prüfung erforderlich
Um Impfungen vornehmen zu können, brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Apotheken eine entsprechende Ausbildung mit abschließender Prüfung. Organisiert wird das von der Apothekerkammer, kein Pharmazeut muss die Immunisierungen anbieten. Die Impfung selbst muss in einem abgetrennten Raum vorgenommen werden. Laut Schumann wird in 19 europäischen Ländern schon in Apotheken geimpft.
Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) und Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) sahen einen sinnvollen Beitrag zur Impfversorgung. Jing Hu, Gesundheitssprecherin von NEOS und Apothekerin, kritisierte hingegen die Koalitionspartnerin: Schumann müsse eine verlässliche Impfstoffversorgung und den Ausbau des Impfangebots garantieren.
„Bei der Grippeimpfung erleben wir erneut Lieferverzögerungen, und auch bei der Gürtelroseimpfung gibt es Schwierigkeiten. Diese Probleme dürfen nicht jedes Jahr aufs Neue auftreten“, hieß es.
Opposition: Zu langsam, zu wenig
„Was hat da eigentlich so lange gedauert?“, meinte der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner. Das Impfen in Apotheken hätte man längst durchsetzen können, so Schallmeiner, der auch Impfungen gegen Grippe und HPV in Apotheken forderte.
Auch der freiheitliche Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak forderte mehr Angebot. „Die Beschränkung auf nur drei Impfstoffe ist nicht nachvollziehbar", so Kaniak. Er sprach sich für eine Ausweitung der Berufskompetenzen für Apotheker aus und forderte weitere Lösungen für das Gesundheitssystem.
Die Apothekerkammer begrüßte den Beschluss an sich, sei doch das Impfen in Apotheken international eine Erfolgsgeschichte. Es erhöhe nachweislich die Durchimpfungsraten und erreiche Menschen, die sonst ungeimpft blieben. Dennoch sah man auch hier Verbesserungsbedarf. Es müssten so schnell wie möglich alle nicht lebenden Impfstoffe in den Apotheken verimpft werden können. Vor allem die Influenza-Impfung sei dringend hinzuzufügen, so die Kammer.
Ärztekammer strikt gegen Beschluss
Die Ärztekammer hingegen war gar nicht erfreut vom Ministerratsbeschluss, der „zu kurz gedacht“ sei. Stattdessen forderte Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart andere Maßnahmen, etwa ein Erinnerungssystem bei Impfungen.
Vizepräsident Edgar Wutscher kritisierte auch den mangelnden Nachschub bei Impfdosen „Impfmöglichkeiten gibt es genug, aber wir erhalten nicht zeitnah die Impfstoffe“, so Wutscher. Frust in der Bevölkerung werde die Impfbereitschaft nicht erhöhen.
„Statt also Apotheken das Impfen von Impfungen wie jene gegen FSME zu ermöglichen, sollte die Gesundheitsministerin im Sinne einer Erhöhung der Impfquoten unter anderem bei Influenza, einer Erkrankung, die jährlich zahlreiche Todesfälle verzeichnet, tätig werden und dafür sorgen, dass Ärztinnen und Ärzte mit den Impfstoffen versorgt werden, bevor eine Erkrankungswelle ausbricht“, sagte Wutscher.
Die Wiener Ärztekammer schlug in einem offenen Brief in dieselbe Kerbe: „Eine höhere Impfquote erreicht man nicht durch zusätzliche Impfstellen, sondern durch Vertrauen und Sicherheit, verlässlich verfügbare Impfstoffe sowie funktionierende Versorgungsstrukturen“, so die Wiener Kammer.
Source: ORF · ORF.at
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