Online seit heute, 16.31 Uhr

Der bekannteste Investigativjournalist der Ukraine, Mychajlo Tkatsch, hat heute Details zu einer Operation österreichischer Nachrichtendienste veröffentlicht, im Zuge derer er und sein Kameramann Jaroslaw Bondarenko Anfang Oktober in Wien vorübergehend wegen Spionageverdachts festgenommen wurden.

„Die Ironie der Geschichte ist, dass jene, die unsere Arbeit behindern wollten, in Wirklichkeit nun uns bei ihr geholfen haben“, sagte er in einem Video.

Wohnhaus im Fokus

Dass er und Bondarenko in Akten zu einem Spionagefall in Österreich auftauchten, sei kein Zufall gewesen. Im Hintergrund sei es darum gegangen, journalistische Aktivitäten und Recherchen über den nach Österreich geflohenen Ex-Generalstaatsanwalt der Ukraine, Ruslan Krawtschenko, zu stören.

Die Journalisten befinden sich wieder auf freiem Fuß, die Ermittlungen laufen aber noch. Zwei Angehörige des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR sitzen weiter in Wien in U-Haft.

Sowohl die Militärgeheimdienstler als auch die Journalisten interessierten sich laut den von Tkatsch verlesenen Ermittlungsakten für ein konkretes „Objekt“ in Wien – die Rede ist von einem Wohnhaus mit Concierge, in dem hauptsächlich Exilukrainer leben.

Chauffeur erstattete Anzeige

Im Hintergrund des Verfahrens gegen ihn vermutet der Investigativjournalist Personen, die mit Krawtschenko in Kontakt stehen und österreichische Behörden in die Irre geführt haben könnten.

Er nannte konkret einen in Österreich lebenden Geschäftsmann aus Odessa. Ukrainische Behörden werfen dem Mann Wirtschaftsverbrechen vor. Außerdem soll er aktiv eine Medienkampagne gegen ukrainische Antikorruptionsbehörden unterstützt haben.

Nachdem der Chauffeur dieses Geschäftsmannes beobachtet hatte, dass das Mietauto von Tkatsch und Bondarenko seinem Wagen folgte, erstattete er jene Anzeige, die letztlich zur brutalen Festnahme der beiden Journalisten am 8. Oktober führte.

DSN beantragte Überwachung mit Videosystem

Am Tag vor diesem Zugriff habe die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) den Antrag gestellt, das Mietauto der Journalisten mit einem speziellen Videoüberwachungssystem zu beobachten, sagte Tkatsch.

„Trotz aller dieser Maßnahmen und Benützung dieser Systeme, der Sammlung von Beweismitteln, Untersuchungen zu Kontaktpersonen und vorhandener Informationen erklärte die Staatsanwaltschaft in der Folge, nicht gewusst zu haben, dass es sich bei uns um Journalisten handelte“, kritisierte er.

Source: ORF · ORF.at

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