Manipulierte Süßigkeiten
Nach den Funden von Metallgegenständen bzw. Nadeln in zu Halloween gesammelten Süßigkeiten in mittlerweile vier Bundesländern laufen intensive Ermittlungen. Koordiniert werden diese federführend vom Bundeskriminalamt. Eine eingerichtete Ermittlergruppe soll die „Vorfälle kriminalistisch zusammenführen und mögliche Muster erkennen“, hieß es am Dienstag. Angesichts entsprechender Fälle in mehreren Ländern laufen die Ermittlungen international vernetzt.
Online seit heute, 21.01 Uhr
Nach Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark wurde am Dienstag auch ein Fall aus Salzburg gemeldet. Im Bezirk Amstetten wurde eine Zehnjährige am Montag durch einen Biss in eine Minischokolade, in der eine Nadel versteckt war, leicht im Mund verletzt, so Polizeisprecher Johann Baumschlager. In Niederösterreich sei bisher dieser Fall bekannt – mehr dazu in noe.ORF.at.
Ebenso einen gemeldeten Fall gab es in Salzburg – mehr dazu in salzburg.ORF.at. In Oberösterreich wurden zwei Fälle gemeldet, in der Steiermark vier – mehr dazu in ooe.ORF.at und steiermark.ORF.at. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag rief Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) eindringlich dazu auf, keine gesammelten Süßigkeiten ohne vorherige Kontrolle zu essen.
Vernetzung mit anderen betroffenen Ländern
Die im Bundeskriminalamt angesiedelte Ermittlergruppe mit dem Namen „Treat“ geht den Fällen nach, gaben Karner und Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt, am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekannt. Karner nannte die Taten „feig und hinterhältig und zum Teil lebensbedrohlich“.
„Diese perfiden Taten erfordern entschlossenes Vorgehen. Wir bündeln unsere Kräfte über die Landesgrenzen hinweg und gehen gemeinsam mit unseren Partnern konsequent gegen die Verantwortlichen vor“, betonte Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer. „Wir werden alles Menschenmögliche tun, damit wir dieses feige und hinterhältige Verbrechen aufklären“, so Karner.
Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Täter online vernetzt haben, so Tatzgern. Die Ermittler gehen offenbar nicht davon aus, dass den Kindern die Naschsachen an Haustüren in die Hand gedrückt wurden. Vielmehr dürften die präparierten Süßigkeiten in größere Schüsseln mit Naschereien gelegt worden sein, welche Bewohner vor ihre Haus- oder Wohnungseingänge gestellt hatten.
Mehrere Fälle in Deutschland
In Deutschland gebe es „Fälle in praktisch allen Bundesländern, auch in Ungarn gibt es einen Fall“, so Tatzgern. Durch einen manipulierten Schokoriegel verletzte sich ein neunjähriges Mädchen in Niedersachsen: Sie erlitt laut Polizei durch eine gut fünf Zentimeter lange Stecknadel eine Verletzung an der Zunge. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls ein Kind verletzt.
Im bayrischen Landshut etwa steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln verpackten Süßigkeiten jeweils eine Nähnadel. In früheren Jahren gab es bereits ähnliche Fälle in Deutschland. 2025 entdeckte etwa eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit.
Auch Fälle in Norwegen, Dänemark, Irland und Kanada
Auch wurden zwei Fälle aus Norwegen bekannt, bei denen Nadeln in Naschsachen gefunden wurden, in einer Lakritzstange und Schokolade. In Dänemark gab es im Großraum Kopenhagen ebenfalls einzelne Fälle. In Irland wurden Medienberichten zufolge in der Grafschaft Donegal kleine Metallnadeln in Halloween-Süßigkeiten gefunden. Auch aus Kanada wurden ähnlich gelagerte Fälle bekannt.
Bei den Fällen in Österreich gibt es laut Bundeskriminalamt bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang. Inwieweit es einen Zusammenhang auf internationaler Ebene gibt, werde noch ermittelt. Europol erklärte, das Phänomen vergifteter oder mit Gegenständen versehener Süßigkeiten sei bekannt. Man unterstütze Anfragen nationaler Behörden innerhalb eines bereits bestehenden Projekts.
Verweis auf ärztliche Hilfe, Warnung vor Panik
Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Nadel verschluckt hat, ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich: Spitze Gegenstände können schwere innere Verletzungen verursachen. Vor dem Verzehr sollten die gesammelten Süßigkeiten daher sorgfältig kontrolliert werden. Insbesondere ist darauf zu achten, ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden und ob sich Fremdkörper, insbesondere metallische Gegenstände, in den Naschsachen befinden.
Beim Auffinden offensichtlich manipulierter Süßigkeiten sollten diese samt Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. Um mögliche Spuren für die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu sichern, sollen entdeckte Fremdkörper zudem nicht aus den Süßigkeiten entfernt oder anderweitig manipuliert werden.
Gleichzeitig warnten die Behörden vor Panik. Gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Unwohlsein können unterschiedliche Ursachen haben und stehen nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit dem Verzehr möglicherweise manipulierter Süßigkeiten.
Source: ORF · ORF.at
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