1. Zero macht aus seiner Offroad-XE eine Supermoto für Stadt und Landstraße

Zero Motorcycles hat am 3. November eine leichte Supermoto auf Basis der Enduro Zero XE auf der Motorradmesse EICMA in Mailand ausgestellt. Ein von der Studie „Project Ventura“ abgeleitetes Serienmodell soll im Sommer 2027 in den Handel kommen. Einige Eckdaten, darunter die Akkukapazität, hält Zero bislang zurück. Das bietet Anlass zur Hoffnung, dass sich Batteriegröße, Effizienz und Ladetempo gegenüber der bekannten Basis verbessern könnten. Beim gegenwärtigen Entwicklungstempo der Batterietechnik ist das kein weltfremdes Wunschdenken. Die Reichweite gehört zu den größten Wachstumsbremsen beim E-Motorrad.

Auf der deutschen Projektseite zu Ventura prognostiziert Zero für das Serienfahrzeug eine Leistung von über 20 Kilowatt, eine Dauergeschwindigkeit von 105 km/h und eine kurzzeitig erreichbare Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Die Reichweite gibt der Hersteller mit geschätzten 120 Kilometern „unter realen Fahrbedingungen“ an. Für den Wechsel vom Gelände auf die Straße hat Zero eigene 17-Zoll-Gussräder mit Straßenreifen, angepasste Verkleidungsteile und einen neuen Antriebsstrang entwickelt. Die Sitzposition bleibt aufrecht, ein Sozius findet Platz, ein Ladegerät ist fest eingebaut. Ganz neu ist das Segment für die Firma nicht: Mit der FXS und der weiterhin erhältlichen FXE hat sie bereits elektrische Supermotos gebaut.

Zero Ventura

(Bild: Zero)

Die Zielgruppe umreißt Jim Callahan, Chief Product Officer bei Zero, mit den Worten „Ventura soll vollwertiges Elektromotorrad sein, das sich wie ein natürlicher nächster Schritt für die Millionen Fahrer anfühlt, die die letzten vier oder fünf Jahre auf E-Bikes und E-Motos verbracht haben“. Es soll zudem so gut aussehen, „dass man sich ein Poster davon übers Bett hängen möchte.“

120 oder 150 Kilometer?

Bei der Reichweite gehen die Angaben auseinander. Die englischsprachige Zero-Seite nennt 75 Meilen, umgerechnet rund 121 Kilometer, was zur deutschen Angabe passt. Mehrere Fachmedien berichten dagegen von 93 Meilen beziehungsweise 150 Kilometern und berufen sich dabei auf Zero. Mit der Umrechnung lässt sich die Differenz von 30 Kilometern nicht erklären, eine Begründung gibt es nicht.

Zero Ventura

(Bild: Zero)

Unklar, wie Zero auf seinen eigenen Wert kommt. Dass Faktoren wie Durchschnittstempo, Temperatur, Höhenprofil, Fahrergewicht oder Beladung erheblich ins Gewicht fallen, zeigt ein Fahrbericht des Auto- und Reiseclubs ARCD zur XE: Bei Temperaturen knapp über null Grad und Etappen bis 80 km/h kam das kleinere Zero-Modell auf rund 50 Kilometer.

Details zum Akku sollen folgen

Dass weder Brutto- noch nutzbare Akkukapazität öffentlich sind, dürfte am laufenden Entwicklungsprozess liegen. Offen ist auch, ob sich der Akku entnehmen lässt. Bei der XE lässt sich das 4,3-kWh-Paket laut Zero in unter einer Minute ausbauen und separat laden. Dank des eingebauten Ladegeräts soll sich der Akku zu Hause und an Ladestationen laden lassen. Medienberichte sprechen von einem Level-2-Lader, eine nordamerikanische Bezeichnung für AC-Laden, das hierzulande etwa dem an Typ-2-Ladepunkten entspricht. Auch das hat Zero noch nicht bestätigt.

Wieder als Leichtkraftrad

Mit 105 km/h Dauertempo zielt Ventura auf Stadt, Umland und Landstraße. Auf Autobahnen dürfte die Supermoto im Verkehr zurückfallen, die 130 km/h sind nur kurzzeitig drin. Laut MOTORRAD ist Ventura für die Führerscheinklasse A1 und damit in Deutschland auch für B196 vorgesehen. Das ist die Zwischengröße, die beim gegenwärtigen Stand der Entwicklung von Batterie und Reichweite das größte Wachstumspotenzial verspricht. Maßgeblich ist dafür die genehmigte Nenndauerleistung von höchstens 11 Kilowatt, nicht die Spitzenleistung. Das Magazin nennt zudem ein Preisziel unter 8000 Euro, Zero selbst hat noch keinen Preis veröffentlicht. Zum Vergleich: Die elektrische Supermoto Varg SM von Stark kostet rund 13.000 Euro.

(fpi)

Source: Heise · Florian Pillau

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