Russland hat einem Dreiertreffen mit den USA und der Ukraine zugestimmt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj möchte schnellstmöglich mit den Gesprächen beginnen. Die russische Seite hat es offenbar weniger eilig.

22.10.2026, 01.06 Uhr

Ukrainischer Präsident Selenskyj (links) bei Gesprächen in Oslo (21. Oktober) Ukrainischer Präsident Selenskyj (links) bei Gesprächen in Oslo (21. Oktober)

Ukrainischer Präsident Selenskyj (links) bei Gesprächen in Oslo (21. Oktober)

Foto: Ole Berg-Rusten / NTB / IMAGO

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich für schnellstmögliche Verhandlungen mit den USA und Russland über ein Ende des Ukrainekriegs ausgesprochen. »Wir haben erfahren, dass Russland einem trilateralen Treffen zwischen unseren Teams positiv gegenübersteht«, sagte Selenskyj am Mittwoch zu Journalisten in Kyjiw. »Die amerikanische Seite schlägt vor, dieses Treffen so bald wie möglich zu organisieren. Wir sind dafür«, fügte er hinzu.

Zuvor hatte der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, am Mittwoch in Sankt Petersburg den Kremlchef Wladimir Putin getroffen. Daraufhin erklärte sich Moskau bereit, die Verhandlungen mit Washington und Kyjiw wieder aufzunehmen.

Trump glaubt an baldiges Ende des Ukrainekriegs

Witkoff bezeichnete das Gespräch mit Putin als »konstruktiv«. Der Kreml bewertete die von Witkoff übermittelten Vorschläge der Europäer und der Ukraine für eine Friedenslösung aber kritisch. Am Dienstag hatte Witkoff Selenskyj in Oslo getroffen.

US-Präsident Donald Trump hat sich zuversichtlich über ein baldiges Ende des Ukrainekriegs geäußert. »Vielleicht sind wir jetzt so nah dran wie noch nie«, sagte er am Mittwoch in Washington. Jedenfalls sei eine Einigung seiner Einschätzung nach nähergerückt. Trump äußerte sich nach dem Treffen seines Sondergesandten Witkoff mit dem russischen Präsidenten Putin.

Witkoff (re.) bei Treffen mit Putin (li.) in Sankt Petersburg am 21. Oktober

Witkoff (re.) bei Treffen mit Putin (li.) in Sankt Petersburg am 21. Oktober

Foto: Kristina Solovyova / ZUMA Press / IMAGO

Besonders eilig hat es Russland bei den angekündigten Gesprächen nicht. Putins außenpolitischer Berater, Jurij Uschakow, nannte als möglichen Termin die Zeit nach dem 10. November, ein möglicher Ort könne Abu Dhabi sein. In dem Dreierformat USA, Russland und Ukraine hatte es zuletzt im Februar in Genf Gespräche gegeben, davor zweimal in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Ukraine wäre mit Einfrieren der Front einverstanden

Der ukrainische Präsident Selenskyj ist nach eigenen Angaben bereit, die derzeitigen Frontlinien zu akzeptieren und damit den langjährigen Konflikt zu beenden. »Ja, wir müssen jetzt die Frontlinien einfrieren«, sagte er im Gespräch des US-Senders Fox News und ergänzte: »Ich denke, das ist ein echter Weg, diesen Krieg zu beenden.«

Er war gefragt worden, ob er »ein Friedensabkommen akzeptieren würde, das den Status quo berücksichtige, sodass man weiterhin 75 Prozent oder mehr seines Landes behält, unabhängig davon, wie der Konflikt begonnen hatte.« Selenskyj sagte zudem, dass das Einfrieren der Frontlinien und eine Waffenruhe das »absolute Minimum« sei, »was wir heute von Russland fordern.«

Bei russischen Luftschlägen zerstörte Gebäude in der ukrainischen Stadt Saporischschja (17. Oktober)

Bei russischen Luftschlägen zerstörte Gebäude in der ukrainischen Stadt Saporischschja (17. Oktober)

Foto: Kateryna Klochko / AP

Danach wolle er sich an US-Präsident Donald Trump und »an die Europäer wenden und Sicherheitsgarantien fordern«, sagte er weiter. Konkreter wurde Selenskyj zwar nicht, es dürfte ihm aber um Schutzversprechen an die Ukraine nach dem Vorbild des Artikel 5 des Nato-Vertrages gehen. Dieser besagt, dass Bündnispartner im Fall eines Angriffs auf die Unterstützung der Alliierten zählen können und eine Attacke auf ein Mitglied als ein Angriff auf alle gewertet wird.

Russische Raketen treffen Kyjiw

Während über das nächste Treffen der Kriegsparteien verhandelt wird, greift Russland weiter die Ukraine an. Die Hauptstadt Kyjiw ist nach Militärangaben am späten Abend mit ballistischen Raketen beschossen worden. Die höchste Alarmstufe wurde um 22.06 Uhr Ortszeit (21.06 Uhr MESZ) ausgelöst. Nur zwei Minuten später meldete die ukrainische Luftwaffe den Anflug mehrerer Raketen. Medien berichteten von lauten Explosionen über der Stadt.

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Eine zweite Angriffswelle folgte etwa anderthalb Stunden später, ohne dass neue Einschläge gemeldet wurden. Dies könnte auf eine erfolgreiche Abwehr hindeuten. Der Raketen- und Drohnenalarm hatte gegen Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) fast die gesamte Ukraine erfasst.

Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass Wohnhäuser und eine Tankstelle auf dem östlichen Ufer des Dnipro von herabfallenden Trümmern beschädigt worden seien. Es gebe mindestens fünf Verletzte. Nicht auszuschließen sei, dass noch Menschen aus den beschädigten Gebäuden gerettet werden müssten. Ein genauerer Überblick über Opfer und Schäden stand aus.

Lesen Sie die Reportage aus Kyjiw: Die Ukraine ist den russischen Luftangriffen zunehmend hilflos ausgeliefert. Die Einwohner der Hauptstadt treffen Vorkehrungen für den Winter, manche verlassen die Stadt .

hda/AFP/dpa

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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