1. WMO: Treibhausgaskonzentrationen erreichten 2025 erneut Rekordwerte

Die Konzentrationen der drei wichtigsten langlebigen Treibhausgase in der Erdatmosphäre haben 2025 neue Rekordwerte erreicht. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) lag das globale Jahresmittel von Kohlendioxid bei 426,8 ± 0,2 ppm (parts per million), das von Methan bei 1948 ± 2 ppb (parts per billion) und das von Lachgas bei 339,1 ± 0,1 ppb. Der CO2-Wert stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,8 ppm. Das ist ein geringerer Anstieg als im außergewöhnlichen Jahr 2024, aber immer noch leicht über dem Zehnjahresmittel.

Die Organisation hat die Zahlen am 23. Oktober in ihrem Greenhouse Gas Bulletin Nr. 22 veröffentlicht. Es soll wissenschaftliche Grundlagen für die UN-Klimakonferenz COP 31 liefern, die vom 9. bis 20. November 2026 im türkischen Antalya stattfindet. Gegenüber dem vorindustriellen Niveau vor 1750 liegt CO2 damit um 53 Prozent höher, Methan um 167 Prozent und Lachgas um 26 Prozent. „Ein weiteres Jahr, ein weiterer Rekord“, kommentierte WMO-Vizegeneralsekretärin Ko Barrett. Die Treibhausgase hielten eine beispiellose Wärmemenge in der Atmosphäre zurück und lieferten damit Energie für extremeres Wetter.

Konzentration ist nicht gleich Emission

Das Bulletin erfasst nicht, wie viel Treibhausgas jährlich ausgestoßen wird, sondern wie viel sich in der Atmosphäre angesammelt hat. Die Konzentration ergibt sich aus früheren und aktuellen Emissionen abzüglich dessen, was Landökosysteme und Ozeane aufnehmen. Laut WMO verbleibt ungefähr die Hälfte des jährlich emittierten CO2 in der Luft. Nehmen die Senken, also etwa Wälder, Moore, Ozeane, in einem Jahr mehr auf, kann sich der Konzentrationsanstieg verlangsamen, obwohl die Emissionen weiter wachsen.

Genau das ist 2025 passiert. Nach dem starken El Niño 2023/2024, der Dürren, trockene Vegetation und Waldbrände begünstigt hatte, erholten sich die Landsenken, und es brannte weniger. WMO-Wissenschaftlerin Oksana Tarasova betonte allerdings, ein jährlicher Anstieg um 2,8 ppm sei „immer noch ein erheblicher Zuwachs an Kohlenstoff in der Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe“. Der internationale Bericht „State of the Climate 2025“ beziffert die fossilen CO2-Emissionen 2025 auf einen Rekordwert von 10,3 ± 0,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das ist mehr als dreimal so viel wie in den 1960er-Jahren. Zur Größenordnung: 1 ppm CO2 entspricht rund 7,8 Milliarden Tonnen CO2 in der Atmosphäre.

Warum NOAA auf einen anderen Wert kommt

Der globale WMO-Wert stammt aus dem Messnetz Global Atmosphere Watch: In die Auswertung flossen Daten von 179 Standorten für CO2, 171 für Methan und 123 für Lachgas ein, an Küsten und auf See ebenso wie im Landesinneren. Das World Data Centre for Greenhouse Gases (WDCGG) berücksichtigt nur Stationen, deren Messskalen auf WMO-Standards zurückführbar sind, bildet Jahresmittel, schließt Datenlücken und mittelt dann über Breitengürtel, die dann nach Flächenanteil gewichtet werden. Die angegebenen Unsicherheiten entsprechen einem Konfidenzniveau von 68 Prozent, Neukalibrierungen können die Werte nachträglich geringfügig ändern.

Die US-Behörde NOAA kommt für 2025 auf 425,6 ± 0,1 ppm. Sie stützt sich vor allem auf Messungen in der marinen Grenzschicht als Referenz für unbelastete Hintergrundluft. Weil die WMO-Auswertung auch kontinentale Stationen einbezieht, die stärker von lokalen Quellen beeinflusst sein können, liegen ihre Werte laut WDCGG normalerweise um etwa 0,4 ppm höher. Die typische Abweichung erklärt die diesjährige Differenz von 1,2 ppm daher nicht vollständig. Das Global Carbon Budget schätzte die Konzentration auf 425,7 ppm. Trends und Jahresschwankungen der Datensätze ähneln sich jedoch.

Wirkung über Jahrhunderte

Die WMO zeigt sich besorgt, dass Land- und Ozeansenken über die Zeit an Wirksamkeit verlieren könnten. Wenn wärmeres Meerwasser weniger CO2 aufnimmt und an Land Hitze, Dürren und Feuer der Vegetation zusetzen, bliebe bei gleichen Emissionen ein größerer Teil in der Atmosphäre. Der Treibhauseffekt könnte sich durch diesen einfachen Mechanismus also selbst beschleunigen. Einmal ausgestoßenes CO2 wirkt zudem lange nach: Den Beobachtungen zufolge verbleiben 20 bis 35 Prozent davon 2 bis 20 Jahrhunderte in der Atmosphäre. Für das aktuelle Jahr 2026 erwartet Tarasova erneut einen deutlichen Anstieg durch fossile Emissionen in Verbindung mit einem starken El Niño, der die Landsenken wieder schwächen könnte.

(fpi)

Source: Heise · Florian Pillau

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