Schuppentiere, Arnika und Tropenholz: Der Handel mit wilden Arten ist ein Milliardengeschäft. Wissenschaftler gehen von einer hohen Dunkelziffer an gehandelten Tieren und Pflanzen aus und sprechen sich für eine bessere Erfassung aus.

01.11.2026, 09.27 Uhr

Schuppentiere sind eine bedrohte Tierart: Sie gehören zu den weltweit am häufigsten illegal gehandelten Tieren Schuppentiere sind eine bedrohte Tierart: Sie gehören zu den weltweit am häufigsten illegal gehandelten Tieren

Schuppentiere sind eine bedrohte Tierart: Sie gehören zu den weltweit am häufigsten illegal gehandelten Tieren

Foto: Themba Hadebe / AP / dpa

Das Ausmaß ist doppelt so hoch, wie bisher angenommen: Menschen handeln weltweit mit mindestens 107.356 wild lebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Die tatsächliche Zahl könnte aber noch deutlich höher liegen, weil in vielen Ländern systematische Daten über Handel und Entnahme fehlen. Das geht aus einer im Fachjournal »Science Advances« veröffentlichten Studie  unter Leitung der Universität Melbourne hervor.

Die als Heilpflanze geltende Arnika ist in Deutschland als gefährdet eingestuft, in Teilen sogar vom Aussterben bedroht

Die als Heilpflanze geltende Arnika ist in Deutschland als gefährdet eingestuft, in Teilen sogar vom Aussterben bedroht

Foto: Daniel Karmann / dpa

Bisherige Schätzungen, darunter eine Analyse des Weltbiodiversitätsrats IPBES, waren von rund 50.000 international gehandelten Arten ausgegangen. Die neue Untersuchung erfasst allein mehr als 47.000 Tierarten. Hinzu kommen fast 50.000 genutzte Pflanzenarten sowie Pilze. »Wenn wir an den Handel mit wild lebenden Arten denken, denken wir meist an den illegalen Handel mit Elefanten, Tigern und Schuppentieren. Aber es geht um sehr viel mehr«, sagte die Studienleiterin Alice Hughes.

Der größte Teil des Handels ist demnach unter Einhaltung hoher Standards im Arten-, Tier- und Seuchenschutz legal. Sein jährlicher Wert liegt nach Berechnungen der Forscher bei 220 bis 300 Milliarden US-Dollar (197 bis 268 Milliarden Euro). Der illegale Handel kommt auf geschätzte 28,4 bis 39,5 Milliarden Dollar.

Ein Schwerlastschlepper transportiert im südamerikanischen Suriname gefälltes Tropenholz

Ein Schwerlastschlepper transportiert im südamerikanischen Suriname gefälltes Tropenholz

Foto: Georg Ismar / dpa

Wie gravierend die Folgen einer nicht nachhaltigen Entnahme sein können, zeigt ein weiterer Befund: Bei Arten, für die entsprechende Daten vorliegen, sind die Bestände gehandelter Populationen im Durchschnitt 50 bis 60 Prozent kleiner als die nicht gehandelter Populationen.

Der Handel habe zudem direkt oder indirekt zum weltweiten Aussterben von 294 Arten beigetragen, heißt es in der Studie. 25 weitere Arten sind in freier Wildbahn verschwunden und überleben nur noch in menschlicher Obhut. In 192 Fällen sind Populationen regional vollständig verschwunden.

Bisher kaum verlässliche Daten

Wie groß der Handel tatsächlich ist, lässt sich bislang kaum zuverlässig bestimmen. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES erfasst vorwiegend den internationalen Handel mit gefährdeten Arten. Andere Datenbanken konzentrieren sich etwa auf Fischerei oder Holz.

Eine vergleichsweise gute Erfassung gibt es bereits in den USA: Das Informationssystem Lemis dokumentiert dort seit dem Jahr 2000 den Handel mit mehr als 21.000 wild lebenden Tierarten. Für viele andere Länder fehlen vergleichbare Daten. So waren laut Originalstudie 25 Prozent der erfassten gehandelten Vogelarten ausschließlich in der US-Datenbank verzeichnet, bei Säugetieren waren es sogar 54 Prozent.

Auch für Europa könnte der Handel ähnlich umfangreich oder größer sein als in den USA. Mangels zugänglicher Daten lasse sich das jedoch nicht überprüfen. »Das Problem ist, dass wir es schlicht nicht wissen: Die Daten sind nicht öffentlich zugänglich und entsprechen möglicherweise nicht den Standards, die nötig wären, um das tatsächliche Ausmaß des Handels zu erfassen«, sagte Hughes.

Die Wissenschaftler fordern deshalb eine systematische und international abgestimmte Erfassung. Bestehende Zoll- und veterinärrechtliche Kontrollverfahren könnten dafür genutzt werden, Handelsdaten umfassender zu dokumentieren. Hughes betonte: »Wenn wir es ernst meinen mit dem Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, benötigen wir eine wesentlich umfassendere, transparentere und weltweit koordinierte Dokumentation des Handels mit wild lebenden Arten.«

czl/dpa

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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