Konstantyn Vlasenko

Krieg gegen die Ukraine Wenn die Rettung per Drohne kommt

Stand: 26.10.2026 • 10:17 Uhr

Der Ukraine ist eine spektakuläre Mission gelungen: Erstmals wurde ein verwundeter Soldat aus dem Frontgebiet mit einer Drohne ausgeflogen. Im ARD-Interview berichtet er, wie er seine Rettung erlebte.

Vassili Golod

Fast 500 Tage hat Kostjantyn Wlassenko in einer Stellung an der Front ausgeharrt. Bei einem russischen Drohnenangriff im Februar wurde sein einziger Kamerad getötet, Wlassenko wurde schwer verwundet.

Er überlebte, indem er sich selbst beide Beine amputierte, erzählt er der ARD in einem Interview. "Im April ist mein linkes Bein abgestorben, weil es voller Splitter war. Und im Mai habe ich mir das rechte Bein abgeschnitten, weil es mich bei der Fortbewegung störte."

Jeder Tag fühlt sich an wie eine Ewigkeit

Ganz allein auf sich gestellt suchte Wlassenko in den Trümmern eines Gebäudes Schutz. Wasser, Lebensmittel, Medikamente und sogar sein Lieblingsbuch lieferte ihm seine Einheit per Drohne. Jeder Tag dort kam dem Soldaten wie eine Ewigkeit vor.

"Die Zeit steht still. Ich denke, dass eine Stunde vergangen ist, während ich versucht habe, mir irgendwelche Dinge in den Kopf zu hämmern - irgendwelche Kindheitserinnerungen, Gedanken an meiner Frau, an mein Kind", erzählt Wlassenko. "Während ich also denke, dass eine Stunde vergangen ist, schaue ich auf die Uhr und sehe, dass erst eine Minute rum ist. Das war das Schwierigste."

Mission wurde zwei Monate lang geplant

Schließlich fanden seine Kameraden einen Weg Wlassenko aus seiner Lage zu befreien und ihn in Sicherheit zu bringen. Nun im Oktober ist es ihnen gelungen, Wlassenko mit einer Drohne auszufliegen.

Zwei Monate hatte die Einheit gemeinsam mit dem ukrainischen Rüstungsunternehmen Gurzuv Defence die Mission geplant. Das Unternehmen produziert große Drohnen. Mit ihnen werden Ziele angegriffen und ausgespäht, aber sie werden auch für logistische Zwecke eingesetzt. Und nun wurde auch zum ersten Mal ein Mensch damit evakuiert.

Eine sehr gefährliche Mission, erzählt Ivan, ein Sprecher des Drohnenherstellers. "Wir sind über ein Gebiet geflogen, in dem ständig Kampfhandlungen stattfinden. In der Luft patrouillieren und fliegen Dutzende feindlicher Drohnen."

Mit Gurten befestigt - in 100 Metern Höhe

15 Minuten brauchte die Drohne für die mehr als 16 Kilometer Flugstrecke. Kameraaufnahmen seiner Einheit zeigen, wie Wlassenko in 100 Metern Höhe fliegt. Mit Gurten hängt er an der Drohne.

"Es lief gut, ich konnte mich ganz gut halten. Aber als ich irgendwann den Fluss Oskil sah und verstand, dass ich darüber fliegen muss, dachte ich mir: 'Was? Ich kann nicht schwimmen. Wenn die Russen mich abschießen und ich da reinfalle, dann komme ich da nicht mehr raus'", sagt Wlassenko. "Meine Jungs haben gescherzt: 'Und wenn du in den Wald gefallen wärst, wärst du aufgestanden und gelaufen?'"

Drohnenflug könnte zum Vorbild werden

Für den Soldaten steht jetzt eine umfassende Reha an. Dann will er versuchen mit seiner Familie all die schönen Momente nachzuholen, die er verpasst hat. "Als Vater habe ich - entschuldigen Sie den Ausdruck - alles verkackt. Der Vater ist in den Krieg gezogen und hat die Hochzeit seiner einziger Tochter verpasst. Es konnte ja keiner wissen, dass ich da nicht rauskomme", sagt er.

Wlassenkos Drohnenflug könnte nun ein Vorbild sein, um künftig auch anderen Soldaten das Leben zu retten. Laut dem Hersteller sind bereits weitere Evakuierungsmissionen mit Drohnen geplant.

Source: Tagesschau · Vassili Golod

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