Westminster Abbey ist wohl die berühmteste Kirche Englands. In dem Londoner Sakralbau wurden Könige gekrönt, Kate und William haben dort geheiratet und über die Jahrhunderte fanden etliche hochrangige Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte auf dem Gelände des Gotteshauses.

Eines der Gräber gab besondere Rätsel auf: ein Sarkophag aus der Römerzeit, wahrscheinlich um die 1700 Jahre alt. Eine Inschrift verweist auf Valerius Amandinus, einen wohlhabenden Briten, der etwa von 300 bis 400 nach Christus in London lebte, damals hieß die Stadt noch Londinium. Doch rasch gab es Zweifel, dass es sich um seine letzte Ruhestätte handelt.

Ist es Aelfwig?

Denn auf dem Deckel prangt ein Kreuz, das Hunderte Jahre später angebracht worden sein muss, wahrscheinlich irgendwann im zehnten bis elften Jahrhundert. Der Archäologe Warwick Rodwell glaubt nun, das Rätsel gelöst zu haben: Demnach gehören die Knochen zu einem hochrangigen mittelalterlichen Mönch.

Infrage kommen zwei mögliche Kandidaten, heißt es im Fachblatt »Journal of the British Archaeological Association«: Ein Mann namens Aelfwig, der etwa im Jahr 1020 starb und zuvor Abt der Westminster Abbey war, damals noch ein Benediktinerkloster. Sowie dessen Nachfolger Wulnoth, der im Jahr 1049 starb. »Beide würden gut passen«, sagte Archäologe Rodwell. »Dass Aelfwig bereits Mönch in Westminster war, könnte für ihn sprechen.«

Auch die Tatsache, dass der Verstorbene mit einem Sarkophag bedacht wurde, spricht dafür, dass es sich um eine hochgestellte Persönlichkeit wie einen Abt gehandelt haben dürfte. Ursprünglich lag der Verstorbene in einem Holzsarg, der in den deutlich älteren Sarkophag hineingelegt wurde – er wurde praktisch recycelt und der Deckel umgearbeitet.

Zufallsfund

Erstmals entdeckt wurde der Sarkophag im Jahr 1820, als Arbeiter den Deckel versehentlich in sechs Teile zerschlugen. 49 Jahre später wurde er ganz offiziell geborgen und der Schaden repariert.

Spätere Analysen der Knochen ergaben, dass das nahezu vollständige Skelett zu einem Mann gehört, der zu Lebzeiten etwa 1,75 Meter groß war und im Alter von 35 bis 49 Jahren starb. Eine Datierung mittels Radiokarbon ergab einen Todeszeitpunkt irgendwann zwischen den Jahren 987 und 1052 – das würde zu den Äbten passen. Der Sarkophag ist mittlerweile öffentlich zugänglich.

Source: Der Spiegel · DER SPIEGEL

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