Eine Forschungsgruppe aus den USA hat einen Weg gefunden, anhand eines „digitalen Zwillings“ des Weltraumteleskops James Webb Licht von bereits abgebildeten Sternen so prĂ€zise aus Aufnahmen zu entfernen, dass versteckte oder komplett unsichtbare Exoplaneten sichtbar werden. Das hat das California Institute of Technology bekannt gemacht und erklĂ€rt dazu, dass fĂŒr das Verfahren ein physikalisches Modell der Nahinfrarotkamera NIRCam mit Optimierungstechniken aus dem maschinellen Lernen kombiniert wurde. Zwar sei das James-Webb-Teleskop bereits optisch auf Nanometer genau stabil, doch selbst das begrenze die Bildgebung noch. Weil das FLIP-genannte Verfahren die verbleibenden InstabilitĂ€ten modelliere, könne man das Sternenlicht auf Aufnahmen so gut herausrechnen, dass vorher ĂŒberstrahlte Details sichtbar werden. Bei bereits bekannten Planeten sei die Empfindlichkeit damit 2- bis 15-mal so hoch wie bei Standardverfahren.

Drei astronomische Aufnahmen mit Sternsymbol und Beschriftungen

Links das Ergebnis bisheriger Verfahren, in der Mitte das Resultat von FLIP, rechts die Simulation (das Sternsymbol zeigt die Position des Sterns 51 Eri A; erst FLIP machte den bereits bekannten Planeten 51 Eri b in diesen JWST-Daten sichtbar)

(Bild: Rodrigo Ferrer-Chavez)

Hilfe fĂŒr die Suche nach der zweiten Erde

Wie das Team jetzt ausfĂŒhrt, war das digitale Modell des Weltraumteleskops die Basis, anhand derer sie mithilfe von maschinellem Lernen Millionen mögliche physikalische Unvollkommenheiten und andere Unbekannte ermittelt hĂ€tten, die die Datensammlung beeinflussen könnten. FĂŒr Menschen wĂ€ren diese Berechnungen in einer angemessenen Zeitspanne unmöglich zu bewĂ€ltigen. Durch das Aussortieren dieser potenziellen Fehler sei es ihnen gelungen, ein perfektes Modell davon zu erstellen, wie der Glanz eines Sterns aussieht, und ihn so aus den Testbildern zu entfernen. Ihren Ansatz nennen sie Physics-based Learning for Imaging Planets (FLIP). Mitautorin Katie Bouman vom Caltech betont, dass Rechenverfahren helfen könnten, Grenzen des Teleskops selbst zu ĂŒberwinden.

Falschfarbenaufnahme einer Sternenkarte mit Markierung in der Mitte

Visualisierung der Subtraktion des Sternenlichts

(Bild: Rodrigo Ferrer-Chavez)

Erstmals habe man damit zeigen können, dass diese kleinen Unvollkommenheiten und InstabilitĂ€ten nicht mehr einschrĂ€nken mĂŒssen, welche Art von Exoplaneten sich abbilden lĂ€sst, betont Erstautor Rodrigo Ferrer-Chavez von der Northwestern University: „WĂ€hrend man diesen iterativen Prozess durchlĂ€uft, bei dem man versucht, herauszufinden, was das Teleskop wĂ€hrend der Beobachtungen tatsĂ€chlich tut, sieht man im Grunde, wie der Glanz des Sterns auf sehr bizarre Weise verschwindet“, erklĂ€rt er. Im Zuge dessen werde der Glanz schwĂ€cher und verforme sich, bis am Ende ein ziemlich sauberes Bild ĂŒbrig bleibe. Wenn man GlĂŒck habe, zeige sich darauf ein Fleck – der leuchtende Exoplanet.

Die Forschungsgruppe will das Verfahren nun weiterentwickeln und auch an andere Observatorien anpassen, darunter etwa das Nancy Grace Roman Space Telescope. Helfen könnte es demnach auch dabei, erstmals einen erdĂ€hnlichen Exoplaneten abzubilden. Das ist das Ziel des geplanten Habitable Worlds Observatory (HWO), denn fĂŒr gegenwĂ€rtige Technik sind solche Planeten viel zu klein und lichtschwach. „Die technische Herausforderung, etwas abzubilden, das etwa 10 Milliarden Mal schwĂ€cher leuchtet als ein Objekt direkt daneben, ist enorm – nicht nur, um das Bild zu bereinigen, sondern auch, um ein Teleskop zu bauen, das dieses Bild ĂŒberhaupt aufnehmen kann“, ruft Ferrer-Chavez in Erinnerung. Mit FLIP könnte sich die ingenieurtechnische Herausforderung auf dem Weg dorthin jetzt vereinfachen. Vorgestellt wird das Verfahren im Wissenschaftsmagazin Nature.

(mho)

Source: Heise · Martin Holland

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