Eine Person tippt mit den Fingern auf einer beleuchteten Laptop-Tastatur.

Stand: 04.11.2026 • 15:42 Uhr

In Deutschland und Frankreich sind neue Fälle von durch Hacker manipulierten Kühlsystemen bekannt geworden. In Bayern traf es eine Metzgerei. In Frankreich einen besonders sensiblen Bereich: den Blutspendedienst.

Unbekannte Hacker haben erneut die Steuerungen von Kühlschränken manipuliert und damit teils erheblichen Schaden angerichtet. Die jüngsten Vorfälle reihen sich in eine Serie von Cyberattacken auf Kühlanlagen in Supermärkten in ganz Europa ein.

In der Nacht zum Montag waren in zahlreichen europäischen Ländern vergleichbare Manipulationen von Gefrier- und Kühlanlagen bekanntgeworden und hatten verbreitet Sorge um die Sicherheit vernetzter Systeme geschürt.

Fünfstelliger Schaden in Metzgerei

Wie das Polizeipräsidium in Regensburg mitteilte, sind mehrere Kühlhäuser einer Metzgerei im bayerischen Landkreis Neustadt an der Waldnaab gehackt worden. Die Täter veränderten die Temperatureinstellung in der Nacht zum Montag so, dass sich die Kühlhäuser auf bis zu 150 Grad erhitzten. Es sei ein Schaden im fünfstelligen Bereich entstanden.

Der Cyberangriff sei rechtzeitig entdeckt worden, so dass ein höherer Schaden vermieden werden konnte, hieß es von der Polizei. Es werde wegen des Verdachts "der Datenveränderung, Computersabotage und Sachbeschädigung" ermittelt.

Blutspendedienst in Frankreich betroffen

Ein Hackerangriff auf einen weitaus sensibleren Bereich ist in Frankreich offenbar glimpflich ausgegangen: Mehrere Kühlschränke des französischen Blutspendedienstes, in denen Blutkonserven gelagert werden, seien von unbekannten Hackern von minus 30 Grad auf 110 Grad umprogrammiert worden, berichtete der Sender BFM.

Der Blutspendedienst bestätigte den Cyberangriff auf drei Anlagen eines Dienstleisters. "Die Sicherheit der Produkte wurde nicht beeinträchtigt", sagte der Leiter des Blutspendedienstes, Frédéric Pacoud, dem Sender. Wäre der Cyberangriff nicht so schnell entdeckt worden, hätten Blutkonserven verloren gehen können, die für Patienten bestimmt sind.

Ähnlich wie bei den Cyberattacken auf Kühlanlagen der Supermärkte in mehreren europäischen Ländern nutzten die Hacker die Tatsache, dass die Betriebstechnik sich online steuern lässt. In Frankreich hatte es bereits vor drei Wochen einen massiven Cyberangriff auf veraltete Kühlanlagen eines dänischen Herstellers in französischen Supermärkten gegeben. Überall mussten große Mengen an Lebensmitteln weggeworfen werden.

BSI und andere Behörden warnen

Europäische Cybersicherheitsbehörden wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben dringende Warnungen herausgegeben. Supermärkte und Betreiber industrieller Anlagen wurden aufgefordert, sämtliche Steuerungsgeräte sofort vom öffentlichen Netz zu trennen.

Fernwartungen dürfen nur noch über abgesicherte, verschlüsselte Verbindungen (VPN) und mit Zwei-Faktor-Authentifizierung erfolgen. Zudem wird geprüft, ob Standards für die digitale Gebäude- und Logistiktechnik gesetzlich strenger reguliert werden müssen.

Experte: Kein Betrieb mit Standardpasswörtern

Der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer sieht vor allem die Hersteller vernetzter Geräte in der Pflicht. Dass Steuerungsanlagen mit unveränderten Werkseinstellungen und Standardpasswörtern ausgeliefert und betrieben werden, sei für ihn ein gravierendes Versäumnis.

Betroffene Betreiber hätten vom Hersteller längst Updates erhalten müssen, die eine zwingende Änderung solcher Standardzugänge vorschreiben. Nach seiner Ansicht müssen Hersteller die Konfiguration ihrer Systeme so gestalten, dass bereits bei der ersten Inbetriebnahme individuelle Passwörter vergeben werden müssen.

Fischer warnte davor, das Problem auf den Lebensmitteleinzelhandel zu beschränken. Vernetzte Technik finde sich mittlerweile in zahllosen Bereichen - von Photovoltaikanlagen bis hin zu Wärmepumpen. Auch private Haushaltsgeräte seien zunehmend unnötig vernetzt.

Source: Tagesschau · tagesschau.de

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